(de) FAU-IAA: Direct Aktion #230 - Gustav Landauer -- Erfolg der Initiative für einen neuen Gedenkstein

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Thu Sep 17 18:40:35 CEST 2015


"Es hat in Deutschland in der Zeit seiner größten Gottesferne einen Mann gegeben, der wie 
kein anderer Mensch dieses Landes zur Umkehr aufrief. Um einer kommenden Menschheit 
willen, die seine Seele schaute und begehrte, stritt er gegen die Unmenschlichkeit, in der 
er leben musste." ---- Mit diesen Sätzen beginnt Martin Buber in der Düsseldorfer 
Halbmonatsschrift "Masken" im Jahre 1919 seinen Aufsatz "Landauer und die Revolution" für 
seinen langjährigen Freund Gustav Landauer (1870 Karlsruhe - 1919 München-Stadelheim), 
dessen Werke er letztwillig herausgab.Unmittelbar nach dem 1. Weltkrieg und dem Beginn der 
Novemberrevolution hatte Kurt Eisner den Schriftsteller und Übersetzer Gustav Landauer in 
einem Brief vom 14. November 1918 zur Teilnahme an der Revolution in Bayern eingeladen: 
"Was ich von Ihnen möchte, ist, dass Sie durch rednerische Betätigung an der Umbildung der 
Seelen mitarbeiten."

Landauer folgte diesem Aufruf und wurde in der Räteregierung am 7. April 1919 Beauftragter 
für Volksaufklärung. Nach der Niederschlagung der Räteregierung durch Reichswehr und 
Freikorpsverbände wurde Gustav Landauer am 1. Mai 1919 verhaftet und am nächsten Tag im 
Zuchthaus Stadelheim mit großer Brutalität ermordet. Landauers Asche wurde zunächst in der 
Urnenhalle des Schwabinger Friedhofs beigesetzt, dann wurde die Urne auf den Waldfriedhof 
überführt. Mitglieder der Freien Arbeiter-Union, aber auch prominente Persönlichkeiten, 
führten auf Anregung von Landauers Tochter Charlotte eine Geldsammlung durch und setzten 
Landauer 1925 einen Obelisken als Grabdenkmal.1933 beschloss das Münchener Stadtparlament 
die Zerstörung der Grabdenkmäler "marxistischer Revolutionäre". Auch das Landauer-Denkmal 
wurde dabei zerstört, der Obelisk zerschlagen und die Asche exhumiert. Seine sterblichen 
Überreste sandte man an die Jüdische Gemeinde München und stellte darüber auch noch eine 
Rechnung aus.Am 2. Mai 2019 jährt sich der Jahrestag von Landauers Ermordung zum 100. Mal. 
Bis zu diesem Zeitpunkt könnte das Münchner Stadtparlament das in der Nazizeit begangene 
Unrecht in so weit korrigieren, dass wieder ein Gedenkstein für Gustav Landauer auf dem 
Waldfriedhof errichtet wird. Hierzu müsste im Jahr 2015 ein Beschluss gefasst werden, 
damit die Planungen mit einem Bildhauer-Wettbewerb beginnen können. Eine anteilige Summe 
könnte auch durch Spendenaufrufe erbracht werden. Wir fordern die Mitglieder des Münchner 
Stadtparlaments auf, einen dahingehenden Beschluss zu fassen.

Mit diesem Aufruf forderte die Initiative um Dr. Siegbert Wolf (Frankfurt/Main), des 
Herausgebers der "Ausgewählten Schriften" Gustav Landauers und Peter Kühn (Flemlingen), 
des Vorstandsmitglied der Martin Buber-Gesellschaft die Wiedererrichtung des Gedenksteins 
für Gustav Landauer auf dem Münchner Waldfriedhof. Die Initiative fand viele 
UnterstützerInnen und zeigte Erfolg: Am 24. April 2015 hat sich Ältestenrat des Münchner 
Stadtrats unter Vorsitz von Oberbürgermeister Dieter Reiter einstimmig für eine 
Wiederrichtung der 1933 von den Nationalsozialisten zerstörten Gedenkstele für den 
libertären Kulturphilosophen, Schriftsteller und Aktivisten Gustav Landauer ausgesprochen.

Emma Malsca

http://www.direkteaktion.org/230/gustav-landauer


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