(de) FdA/IFA - Gai Dao #58 - #Rojava #Kobane #internationalsolidarity Von: Black Rose Anarchist Federation / Übersetzung: Anarchistische Initiative Kaiserslautern

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Sat Oct 31 11:16:09 CET 2015


Als Revolutionäre in Nordamerika wollen wir die Grundlagen unserer politischen Perspektive 
darstellen und diese auf die neusten Ereignisse und den andauernden Kampf in Rojava im 
Mittleren Osten beziehen. ---- Unsere Perspektive ---- Die Revolution in Rojava hat 
wahrscheinlich mehr konkreten Fortschritt in Richtung des libertären Sozialismus gemacht 
als jeder andere große Kampf, jedenfalls seit dem zapatistischen Aufstand. Allein aus 
diesem Grund ist es wichtig sich mit diesem Kampf zu beschäftigen, seine revolutionärsten 
Elemente zu unterstützen und ihn als ein internationales Beispiel dafür hochzuhalten, was 
die Selbsttätigkeit der breiten Massen erreichen kann. ---- Während wir viele Fragen über 
die gesamte politische Ideologie der Kurdischen Arbeiterpartei (PKK) und der Partei der 
demokratischen Union (PYD) haben (welche in einem anderen, längeren Artikel angegangen 
werden sollten), hat das spezifische Projekt des
demokratischen Konföderalismus (welcher nur ein Teil ihrer politischen
Vision der "demokratischen Moderne" und der Reorganisation der
Gesellschaft ist) die breite Bevölkerung Kurdistans in Bewegung
gesetzt, autonome Alternativen zu Kapitalismus, Unterdrückung und
Staat zu schaffen. In Rojava und in manchen Fällen auch in Bakur
(Nordkurdistan) werden, wenn es die staatliche Repression nicht
verbietet, Arbeiterzusammenschlüsse gebildet, wird Land kollektiviert,
verbreiten sich Frauenkollektive, finden Nachbarschaftsversammlungen
statt, ersetzt "restorative justice" (Wiedergutmachungsverfahren,
Alternative zu gerichtlichen Strafverfahren, Anmerkung der
Übersetzenden) das Gerichtssystem, eine demokratische Miliz
verteidigt die Region und andere Aspekte der Selbstverwaltung werden
organisiert. Das ist jedoch noch nicht alles zu diesem Kampf - viel
Land und Kapital ist dazu bestimmt in privaten Händen zu bleiben, die
PYD hat einen neuen kleinen Staat geschaffen statt ihn abzuschaffen,
Zwangsrekrutierungen wurden gelegentlich durchgeführt, PYD-
Politiker*innen haben Lobbyarbeit in westlichen Ländern betrieben,
Investitionen von fremden Unternehmen wurden angestrebt, etc. Aber
trotz der übrigen Unklarheit über die genauen Details der Geschehnisse
vor Ort (sogar unter denen, die in Rojava waren), ist es klar, dass viele
der breiten Bevölkerung in Kurdistan mit dem revolutionären Prozess
beschäftigt sind, den wir unterstützen
sollten. Es ist auch klar, dass da eine
demokratische Revolution auf dem
Willen der Menschen basiert, dass
diese sich nur durch langfristige
politische Bildung und die
Organisierung der breiten
Bevölkerung von Rojava, über die
zurzeit aktive Minderheit hinaus
verbreiten und weiter Gestalt
annehmen wird. Wir glauben, dass
wir die Verantwortung haben, einen Beitrag zu dem Prozess zu leisten
und davon zu lernen.

Black Rose/Rosa Negra sieht die Revolution in Rojava als eine sehr
breite Bewegung mit vielen verschiedenen gesellschaftlichen Kräften,
deren Wirken untereinander zu inneren Spannungen führt. Diese
sozialen Kräfte repräsentieren widersprüchliche Klasseninteressen und
politische Visionen. Während Abdullah Öcalans politische Vision die
dominante Ideologie der Bewegung ist, ist sie für sich genommen oft
sehr vage und offen für verschiedene Interpretationen von
verschiedenen sozialen Kräften. Queer-Aktivist*innen in der Bewegung
halten zum Beispiel den Punkt hoch, dass die essenzielle feministische
Ideologie von den PKK-Guerillas die Queer- und Transidentität
ausklammert, und dies muss überwunden werden, um die Revolution
fortschreiten zu lassen. Ein anderer Widerspruch ist, dass das
ökonomische Programm des "demokratischen Sozialismus",
hervorgehoben von manchen in der Bewegung, zwangsläufig mit den
Interessen der konservativen Landbesitzer*innen in der Bewegung in
Konflikt treten wird. Während wir hoffnungsvoll sind, dass die
Bewegung die nötigen Werkzeuge hat weiterzumachen, internationale
Kritiken aufzunehmen und den Kampf gegen die Unterdrückung zu
stärken, bleibt es abzuwarten, wie die Konflikte der
Klassenunterschiede sich entwickeln und die Gruppen mit
unterschiedlichen materiellen Interessen sich gegeneinander ausspielen.
In all diesen Debatten zwischen verschiedenen Kräften, müssen die
Revolutionär*innen Partei ergreifen, um die eigene Politik, sowie die
Kräfte unserer Genossen*innen in Kurdistan zu stärken.

Wir unterstützen die Bewegung in Rojava und dem Rest von Kurdistan
als eine der stärksten Fortschritte in Richtung des Feminismus, des
freiheitlichen Sozialismus und der basisdemokratischen Gesellschaft,
die die Welt die letzten Jahrzehnte gesehen hat. Um diese Ziele
weiterhin zu erreichen, müssen die Kräfte in der Bewegung, die am
ehesten mit diesen politischen Zielen übereinstimmen, von der
internationalen Linken gestärkt und unterstützt werden. Ansonsten
wird die Bewegung entweder durch ihre vielen militärischen Feinde zu
Bruch gehen oder wieder in den Kapitalismus integriert werden (im
besten Fall zum sozialdemokratischen Kapitalismus). Die gleichen
Ergebnisse werden auch zu erwarten sein, wenn wir diese Gelegenheit
nicht nutzen, um den revolutionären Kampf nach Hause bringen und
das Fundament des US-Imperialismus und des globalen Kapitalismus zu
attackieren.

Die Linke, und die Anarchist*innen im
Speziellen, stellen viele Fragen wie wir
das tun können. Durch unsere Treffen
und Beobachtungen in Kurdistan
haben wir viele verschiedene Modelle
kennengelernt, wie Revolutionär-
*innen -kurdische, türkische und
internationale- mit dem Kampf
beschäftigt sind. Wir haben gesehen,
dass der Konflikt in Rojava und Bakur,
trotz seiner breiten Aufstellung, von den "offiziellen"
Organisationsstrukturen der Bewegung - den verschiedenen
Verflechtungen politischer Strukturen die zusammen Öcalans Ideologie
umsetzen wie z.B. die PKK, HDP, PYD, DTK, KCK usw. - nicht gelöst
werden kann. Soweit wir uns bewusst sind, hat sich jede linke Gruppe,
die ernsthaft in der kurdischen Freiheitsbewegung beschäftigt ist -von
Stalinist*innen über aufständische Anarchist*innen bis hin zu Apocu-
in irgendeiner Weise mit einer dieser offiziellen Strukturen
zusammengetan. Allerdings gibt es solche, die diese Bündnisse komplett
in die Strukturen gelöst haben, während andere das unter Beibehaltung
unterschiedlicher Grade organisatorischer und politischer Autonomie
taten. Diese verschiedenen Modelle präsentieren ein sehr komplexes
Feld von Möglichkeiten, wie Revolutionär*innen aus großer Entfernung
sich durch das Arbeiten mit Genoss*innen in Kurdistan mit den
verschiedenen sozialen und politischen Kräften in der Bewegung
engagieren können. Solche Entscheidungen müssen vorsichtig beurteilt
werden, basierend auf der Situation in Kurdistan und unserer eigenen
Situation, Kapazität und politischen Zielen.

Trotz der umfassenden Unterstützung und dem Interesse an der
Revolution in Rojava unter den Linken in den Vereinigten Staaten und
in Kanada, gibt es trotz einer aufkommenden Organisierung in den
letzten Wochen nur wenig organisierte Unterstützung. Es gibt in zwei
Großstädten Rojava-Solidaritätsgruppen und vereinzelte Online-
Bemühungen. Wir sehen die Gründe hierfür als erstes in der
unorganisierten und fragmentierten Natur der Linken, speziell der
freiheitlichen Linken, in den Vereinigten Staaten und Kanada. Ein
zweiter bedeutender Faktor ist das Fehlen einer großen kurdischen
Gemeinde in den Vereinigten Staaten und Kanada und ein Fehlen einer
Verbindung zwischen den Linken in Nordamerika und den Linken in
Kurdistan oder der Region darum. Wir glauben, dass es unsere
Verantwortung ist das zu ändern und die Gruppen der Linken und
sozialen Bewegung dazu zu bringen, sich für die Revolution in Rojava
zu engagieren und währenddessen aus der Geschichte der Zapatista-
und Palästina-Solidaritätsbewegungen zu lernen.

Unsere Aufgaben

Black Rose/Rosa Negra setzt setzt sich folgende Organisationsziele:

Schaffen einer internationalen Kommission zum Koordinieren der
Bemühungen von Black Rose/Rosa Negra, sowie Zusammenarbeit mit
anderen Solidaritätsgruppen zum Schaffen eines kontinentalen Rojava-
Solidaritätsnetzwerk. Ein größeres Netzwerk kann helfen koordinierten
Protest an türkischen Konsulaten zu organisieren, das Embargo
aufzuheben, Material zu sammeln für die Unterstützung legaler
Teilgebiete der kurdischen Freiheitsbewegung, direkte Beziehungen zur
Bewegung herzustellen, politische Bildung über Rojava und die Politik
der Autonomie anzubieten und die USA dazu bringen, die PKK von der
Liste der Terrororganisationen zu streichen.

Entwickeln einer Reihe klarer politischer Prinzipien, auf welchen unsere
Arbeit basiert, unsere Kontakte in Kurdistan weiter ausbauen,
Fundraising und materielle Unterstützung für spezifisch anarchistische
Organisationen in Kurdistan und breitere Koalitionsarbeit.

Priorisieren des Austauschs von Aktiven zwischen den USA und
Kurdistan, organisierte Sprachreisen und Senden von Genoss*innen, um
beim Wiederaufbau von Kobanê zu helfen.

Bewerben des revolutionären Kampfes in Rojava und Verbreiten von
regelmäßigen Berichten der solidarischen Arbeit, das Teilen von
Neuigkeiten und Erstellen von Analysen zu der Situation in Kurdistan
und Übersetzen von Material.


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