(de) FAU-IAA, Direct Action #231 - Überlastungsanzeigen entlasten -- Schriftlich und gemeinsam ist am wirkungsvollsten

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Wed Oct 21 09:18:35 CEST 2015


Die Überlastungsanzeige ist die Mitteilung des Beschäftigten in der Pflege an den 
Vorgesetzten, dass Sicherheit oder Gesundheit des Mitarbeiters oder der Mitarbeiterin 
gefährdet sind und dies die Folge von organisatorischen Mängeln ist, auf die der oder die 
Anzeigende keinen Einfluss hat. Diese kann schriftlich oder mündlich an den oder die 
Vorgesetzte erfolgen. (Ein Dienstweg ist nicht einzuhalten.) ---- Grundlage ist das 
Arbeitsschutzgesetz (§§ 15, 16). Diese Anzeige, die manchmal auch Entlastungs-, 
Gefährdungs-, Gefahren- oder Präventionsanzeige genannt wird, kann von der 
Pflegehilfskraft, der Fachkraft, Wohnbereichsleiter oder -leiterin und auch dem 
Pflegedienstleiter oder -leiterin gestellt werden. Die Überlastungsanzeige überträgt die 
Verantwortung auf den Vorgesetzten, der auf den Arbeitgeber hinzuwirken hat, die Risiken 
oder Mängel zu beseitigen. Oft geht es darum, für mehr Personal zu sorgen.

Das Stellen der Überlastungsanzeige führt aber nicht dazu, dass der Mitarbeiter oder die 
Mitarbeiterin von seiner Sorgfaltspflicht entbunden wird, oder dass strafbare Handlungen 
entschuldigt werden.

Obwohl der oder die Anzeigende dem Arbeitgeber eigentlich hilft, einen Missstand zu 
erkennen, gewissermaßen seine Arbeit macht, sind sie bei vielen Vorgesetzten unbeliebt. 
Auf eine Überlastungsanzeige muss unverzüglich reagiert werden und sie wird Teil der 
Dokumentation. Das heißt bei Kontrollen durch den Medizinischen Dienst der Krankenkasse 
könnte bei einer Häufung ein genereller Missstand erkannt werden. Es kommt auch vor, dass 
Vorgesetzte, gerade wenn sie Angst vor intensiveren Nachforschungen haben, statt gegen den 
Missstand gegen den Anzeigensteller beziehungsweise die Anzeigenstellerin vorgehen. Das 
kann bis zu Mobbing, unbegründeter Freistellung oder Strafversetzung führen. Beliebt sind 
auch plötzliche Personalgespräche, in denen dann dem Mitarbeiter oder der Mitarbeiterinnen 
erklärt wird, dass er oder sie nicht den Blick für die größeren Zusammenhänge hat und der 
Mangel doch eigentlich in ihrer oder seiner Einstellung liegt. Deshalb ist es sinnvoll 
solche Überlastungsanzeigen teamweise zu stellen, jeder Mitarbeiter und Mitarbeiterin einzeln.

Thomas Bloch

https://www.direkteaktion.org/231/ueberlastungsanzeigen-entlasten


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