(de) FAU Berlin: Can-Can vor'm Cancún! -- Foreigners Keine Arbeit ohne Lohn

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Tue Oct 20 10:20:10 CEST 2015


Gegen Lohnbetrug an migrantischen Arbeitern: FAU Berlin fordert von dem Restaurant 
"Cancún" Lohnnachzahlung und Urlaubsabgeltung. Unterstützt die Gewerkschaft und kommt zur 
Kundgebung am Samstag, den 24. Oktober! ---- Es ist nicht alles Gold was glänzt. 
Insbesondere wenn es um Lohnarbeit - kapitalistische Ausbeutung - in der Gastronomie geht. 
Kennzeichnend scheint, dass niemand so richtig auf die Arbeitsbedingungen achtet. Der 
Konkurrenzdruck ist groß. Die Preise und Löhne sind, bei gleichzeitig wenig attraktiven 
Arbeitszeiten, sehr niedrig. In der Touristenmetropole Berlin eine schier unüberblickbare 
Branche, in der auch viele migrantische ArbeiterInnen tätig sind. Abermals wehrt sich nun 
einer von ihnen.

Der Kollege hatte im "Cancún" seit Oktober 2014 als Barmann gearbeitet, bevor er im Juli 
2015 wegen andauernder Unregelmäßigkeiten bei den Lohnzahlungen und Arbeitsstunden - und 
wegen mangelnder Fairness im Umgang mit den Beschäftigten kündigte. Die Forderungen 
belaufen sich auf einen niedrigen vierstelligen Betrag - keine "Peanuts" für prekär 
Beschäftigte - und setzen sich zum Großteil aus der absolut unstrittigen Urlaubsabgeltung 
zusammen. Dabei sieht auf dem Papier alles chic aus: schriftlicher Arbeitsvertrag, 
Spätschichtzuschläge, Sozialversicherung, bezahlter Urlaub. Längst nicht alltäglich. Ein 
zweiter Blick jedoch genügt: Papier ist geduldig, und nicht jeder Vertrag ist rechtlich 
einwandfrei.

Besonders auffällig ist, dass der Arbeitsvertrag keine Mindestarbeitszeit ausweist: ein 
Null-Stunden-Vertrag, der das unternehmerische Risiko auf die ArbeiterInnen abwälzt, wie 
man ihn bisher nur aus Großbritannien (den USA und Finnland) kennt. Außerdem enthält der 
Vertrag eine völlig überzogene Klausel über 1.000 Euro Schadenersatz an den "Arbeitgeber" 
für den Fall, dass die zweiwöchige Kündigungsfrist nicht eingehalten wird. Ordentlich zu 
kündigen, war für den Kollegen aber gar nicht so einfach: drei Mal wollte er das Schreiben 
persönlich übergeben, drei Mal wurde das abgelehnt, und außerdem bekam er in der Folge 
weniger Schichten - sprich weniger Lohn - zugeteilt.

Seit September hat die FAU Berlin die Ansprüche des Gewerkschaftsmitglieds mehrmals 
schriftlich und persönlich geltend gemacht. Die Geschäftsführer Jeannette und Badol A. 
Shek betreiben zwei Restaurants selbst (in dem am Alex arbeiten zu Spitzenzeiten rund 22 
Personen in einer Schicht), zwei weitere Restaurants werden von einem anderen Inhaber 
betrieben.

Herr Shek aber stritt - direkt vor den Augen ungläubiger Gäste - bei einem ersten Treffen 
Mitte September rundweg ab, das Einschreiben überhaupt erhalten zu haben. Ein zweites 
Schreiben überstellten dann Anfang Oktober rund ein Dutzend GenossInnen persönlich. Alles 
verlief ruhig und freundlich, außer die Reaktion des Bosses: Der wies seinen Manager an, 
dieser solle die Türen schließen und die Gewerkschafter einsperren! Eine doch recht 
ungewöhnliche Reaktion für einen Anhänger der Awami Liga, der sozialdemokratischen 
Regierungspartei in Bangladesch.

Die Veranstaltung "Arbeit und Gegenwehr in der Gastronomie" am Mittwoch, den 21.10.2015, 
um 19:00 Uhr im Gewerkschaftslokal der FAU Berlin, Lottumstr. 11 (U-Bahn Rosenthaler Platz 
bzw. Rosa-Luxemburg-Platz). Geprellte ArbeiterInnen berichten über ihre Erfahrungen - 
Restaurant Cancún, Pizzeria Due Forni, Veganladen yoyo's -, die Gewerkschaft informiert 
über Handlungsmöglichkeiten. Die Veranstaltung findet in englischer Sprache statt; eine 
Übersetzung wird ggf. gewährleistet.

Kundgebung - Samstag, 24. Oktober - 19 Uhr - Rathausstraße 5-13 (beim Fernsehturm). Die AG 
"Cancún" der FAU Berlin rät: Bringt euch warme Getränke mit!

https://berlin.fau.org/news/can-can-vor-m-cancun


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