(de) FAU-IAA, Direct Action #231 - "Das Recht auf Faulheit" -- Wenn die Arbeit etwas Schönes und Erfreuliches wäre, hätten die Reichen sie nicht den Armen überlassen

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Sun Oct 18 08:11:11 CEST 2015


Im Jahre 1880 erschien in der französischen Zeitschrift L'Égalité ein Text, der nochmals 
eine ganz andere Sichtweise auf das Thema Arbeit werfen sollte: Le droit à la paresse - 
Das Recht auf Faulheit. Drei Jahre später erschien die Schrift nochmals als Broschüre, ins 
Deutsche wurde der Text von Eduard Bernstein übersetzt, und erschien in der Zeitschrift 
Sozialdemokrat. Die Schrift Le droit à la paresse wurde als Gegenargumentation zu Marx' 
Das Recht auf Arbeit verfasst. ---- AUS WESSEN FEDER ENTSTAMMT DER TEXT? ---- Im Jahre 
1842 erblickte Paul Lafargue (Taufname war Pablo) das Licht der Welt. Er verbrachte seine 
Kindheit in Santiago de Cuba, auf der Karibikinsel Kuba. Seine Eltern hatten 
französischen, kreolischen und jamaikanischen Hintergrund und besaßen eine Kaffeeplantage. 
Im Jahre 1851 zog es die Familie nach Frankreich. Genauer gesagt nach Bordeaux. Dort 
beendete der junge Lafargue das Gymnasium und ging dann zum Studieren nach Paris. In der 
französischen Hauptstadt lernte er Menschen aus der republikanischen Opposition kennen. Im 
Herbst 1868 trat Paul Lafargue der französischen Sektion der Internationalen Arbeiter 
Assoziation (Gegründet 1864 in London von Karl Marx) bei. Diese Sektion war beeinflusst 
von Proudhon und Blanqui. Ebenso wurde er in das Organisationkomitee des 
Studenten-Kongresses gewählt, der wegen polizeilicher Behinderung in Lüttich (Belgien) 
stattfand. Nach dem Kongress bekam er für zwei Jahre ein Verbot in Frankreich zu 
studieren, und er ging nach London um sein Studium zu beenden. Dort begegnete er Karl 
Marx, dessen Tochter Laura Paul Lafargue im Jahre 1868 heiratete. Während seiner Zeit in 
London wurde Lafargue in den Generalrat der Internationalen Arbeiter Assoziation gewählt. 
Dort vertrat er Spanien.

FRANKREICH, SPANIEN UND WIEDER ZURÜCK

Im Jahre 1868 kehrte Paul Lafargue nach Frankreich zurück. Er begann dort eine 
erfolgreiche Laufbahn als Journalist. Als sich 1870 die Erste Internationale gegründet 
hatte, war Paul Lafargue in Gründungsgruppe der französischen Sektion. Bei Beginn des 
Deutsch-Französischen Krieges (1870 - 1871) gingen Paul und Laura Lafargue von Paris in 
den Südwesten Frankreichs, wiederum nach Bordeaux. Da er von dort aus versuchte, die 
Pariser Kommune zu unterstützen, ging die Familie mit der gewaltsamen Auflösung des 
sozialistischen Experimentes in Paris ins Exil nach Spanien. In seiner neuen Heimat 
übersetzte Paul Lafargue die Schriften von Marx und Engels ins Spanische. Es waren die 
ersten spanischen Übersetzungen der Texte.

Die französische Regierung erließ im Jahre 1882 eine Amnestie für die Kämpfer_innen der 
Pariser Kommune. So stand der Rückkehr nach Paris, über Lissabon und London, für Paul 
Lafargue nichts mehr im Wege. Noch im gleichen Jahre war er Gründungsmitglied der Partei 
"Parti Ouvrier". Sie gilt als die erste Kommunistische Partei Frankreichs. Gegen Ende des 
Jahres 1882 bekommt Paul eine Vorladung: Ihm wird vorgeworfen, er würde bei seinen 
Ansprachen zu "Mord, Raub und Brandstiftung" aufrufen. Er erscheint nicht vor dem Gericht 
und geht in den Untergrund. Nach dreiwöchiger Fahndung wird Paul Lafargue gefasst und nach 
vier Tagen wieder entlassen. Er wird zu sechs Monaten Haft und einer Geldstrafe 
verurteilt. In den nächsten Jahren verbrachte Paul viel Zeit damit, Wahlkampf für die 
Partei zu machen. Die "Parti Ouvrier" konnte dann auch einige Erfolge für sich verbuchen. 
Sie schaffte es in verschiedene französische Parlamente bis hin in den Nationalrat. Des 
Weiteren unterstützte er Streikbewegungen in ganz Frankreich und sprach auf deren 
Veranstaltungen.

FREIWILLIGER ABGANG

Im Jahre 1911 entschieden sich Paul und Laura Lafargue die Welt für immer zu verlassen. 
Während das Umfeld nichts von der Auseinandersetzung mit dem Tod wahrnahm, lief die 
Vorbereitung bei beiden längst. Am Samstag den 25. November besuchten sie gemeinsam eine 
Oper in Paris. Danach kehrten sie nach Hause zurück, nach Dravail. Den nächsten Morgen 
erlebten sie nicht mehr. Paul Lafargue hinterließ noch eine Botschaft:"Gesund an Körper 
und Geist gab ich mir den Tod, bevor das unerbittliche Greisenalter einen Teil des 
Vergnügens und der Freude des Daseins nimmt und mich der physischen und geistigen Kräfte 
beraubt, meine Energie lähmt, meine Sinne bricht und mich zur Last für mich selbst und die 
anderen macht. Seit Jahren habe ich mir das Versprechen gegeben, das 70. Lebensjahr nicht 
zu überschreiten. Ich habe die Jahreszeit für meinen Abschied aus dem Leben längst 
bestimmt und die Ausführung meines Entschlusses vorbereitet, nämlich eine Einspritzung von 
Zyankali. Ich sterbe mit höchster Freude, die mir die Gewissheit bereitet, dass die Sache, 
der ich 45 Jahre meines Lebens gewidmet habe, in nicht allzu ferner Zeit triumphieren 
wird. Es lebe der Kommunismus. Es lebe der internationale Sozialismus!"

Die Beerdigung war groß, es kamen bis zu 15.000 Menschen zum Friedhof Père-Lachaise, um 
dem Sarg zu folgen.

LE DROIT À LA PARESSE

Als seine bekannteste Schrift im Jahr 1880 erschien, saß Paul Lafargue im Gefängnis 
Sainte-Pélagie. Um was dreht sich diese Broschüre mit dem provokanten Titel? Zu 
zuallererst war es eine Antwort auf die Schrift Das Recht auf Arbeit seines 
Schwiegervaters Karl Marx:

"Ich will den Einfluss der Kirche umfassend wieder herstellen, weil ich auf sie zähle in 
der Verbreitung jener guten Philosophie, die anderen Menschen lehrt, dass er hier ist, um 
zu leiden, und nicht jener anderen Philosophie, die im Gegenteil zum Menschen sagt: 
Genieße" (Seite 3). Mit diesem Zitat beginnt das Vorwort. Es ist ein Zitat eines Herrn 
Thiers, Mitglied der Kommission für den Grundschulunterricht. Weiter schreibt Paul 
Lafargue dann: "Herr Thiers drückte damit die Moral der Bourgeoisie aus, deren brutaler 
Egoismus und deren engherzige Denkart sich in ihm verkörpert" (ebd.). Im späteren Verlauf 
des Textes nennt Paul Lafargue sie nur noch Moralisten.Am Anfang beschreibt der Verfasser 
das Bild der Arbeitsverhältnisse seiner Zeit in Frankreich, er wirft den arbeitenden 
Menschen vor sie sind dem Dogma der Moralisten auf dem Leim gegangen, Er nennt es in einer 
Überschrift "Das verderbliche Dogma".Paul Lafargue meint damit, dass die Menschen ihren 
Müßiggang vergessen haben. Und stattdessen lieber arbeiten gehen, und wenn die Moralisten 
es wollen auch 12 bis 14 Stunden am Tag. Dadurch erschaffen sie ihr eigenes Elend.

Um seine Thesen zu untermauern fügt er immer wieder Zitate ein: Im ersten Teil lässt er 
Villermé ausführen, "dass die Sträflinge in den Zuchthäusern nur zehn Stunden, die Sklaven 
auf den Antillen nur neun Stunden durchschnittlich arbeiteten, während in Frankreich, das 
die Revolution von 1789 gemacht, das die hochtrabenden Menschenrechte proklamiert hat, es 
Manufakturen gibt, wo der Arbeitstag 16 Stunden dauert, von denen den Arbeitern 1,5 
Stunden Eßpausen bewilligt werden." (Seite 9). Sowie ein paar Sätze später ein Zitat des 
Ökonomen Destutt de Tracy: "Die armen Nationen sind es, wo das Volk sich wohl befindet, 
bei den reichen Nationen ist es gewöhnlich arm" (ebd.). Auf den nächsten Seiten führt er 
weiter aus, wie er die arbeitenden Menschen in Frankreich sieht und klagt an "Arbeitet, 
arbeitet, Proletarier, vermehrt den gesellschaftlichen Reichtum und damit euer 
persönliches Elend. Arbeitet, arbeitet, um, immer ärmer geworden, noch mehr Ursache zu 
haben, zu arbeiten, und elend zu sein. Das ist das unerbittliche Gesetzt der Produktion" 
(Seite 10). Eine Seite später: "Statt in den Zeiten der Krise eine Verteilung der Produkte 
und allgemeine Belustigung zu verlangen, rennen sich die Arbeiter vor Hunger die Köpfe an 
den Toren der Fabrik ein" (Seite 11).

WAS DER ÜBERPRODUKTION FOLGT

"Eine gute Arbeiterin verfertigt auf dem Handklöppel gerade fünf Maschen in der Minute; 
gewisse Klöppelmaschinen fertigen in derselben Zeit dreißigtausend. Jede Minute der 
Maschine ist somit gleich hundert Arbeitsstunden der Arbeiterin, oder vielmehr, jede 
Minute Maschinenarbeit ermöglicht der Arbeiterin zehn Tage Ruhe" (Seite 13). Der Autor 
schreibt über mehrere Seiten von der Wohltat der Maschine. Sie verrichtet ein Vielfaches 
mehr an Arbeit wie der Mensch, dadurch hat dieser wieder mehr Zeit sich zu zerstreuen und 
das Leben zu genießen. Für ihn dient die Staatsgewalt hauptsächlich zur Unterdrückung 
einer Revolution " So sind die Festungen von Paris oder Lyon nicht gebaut worden, um die 
Stadt nach außen zu verteidigen, sondern um Revolten zu unterdrücken" (Seite 16) oder ein 
paar Sätze später: " Die europäischen Nationen haben keine Volks-, sondern eine 
Söldnerarmee zum Schutz der Kapitalisten gegen die Wut des Volkes (...)". Zum Ende dieses 
Teils weist der Verfasser noch darauf hin, dass es in anderen Ländern, z.B. England, eine 
kürzere Arbeitszeit gibt und dabei noch eine höhere Produktivität.

Im dritten Teil gibt Paul Lafargue nochmals ein Plädoyer ab: Er möchte einen Arbeitstag 
von drei Stunden, er sieht darin auch die Chance auf Vollbeschäftigung. Er möchte auch den 
Kapitalisten keine Arbeitsschicht von zehn Stunden aufbürden: "verbieten muss man die 
Arbeit" (Seite 21). Die einzigen, die nicht in den Genuss der Faulheit kommen sollen, sind 
die Moralisten. "Aber bittere und lange Rache wird man an den Moralisten nehmen, welche 
die menschliche Natur verdreht haben, an den Betbrüdern, Heuchlern, Scheinheiligen und dem 
anderen derartigen Gesindel, das sich verstellt, um die Leute zu betrügen."

F. Rönberg

https://www.direkteaktion.org/231/das-recht-auf-faulheit

LITERATUR

Lafargue, Paul

Das Recht auf Faulheit

erhältlich zum Beispiel im Programm des Trotzdem Verlags für 10 Euro.


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