(de) FDA-IFA - Gai Dào #53 - Der FACC-Kongress in der Karibik - ein kurze Bericht aus der IFA Von: Daniel Pinós (Federation Anarchiste / GALSIC) / Übersetzung: jt

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Fri May 29 09:45:13 CEST 2015


Anm. d. Red.: Wir haben bereits in zahlreichen Ausgaben über diesen historischen Kongress 
berichtet. Dieses Mal bieten wir euch die Sicht von Daniel Pinós an, der als 
IFA-Beobachter dem Geschehen beiwohnte. ---- Ich kehre soeben aus der Dominikanischen 
Republik zurück, wo ich als Beobachter der IFA (Internationale der Anarchistischen 
Föderationen) und als Delegierter von GALSIC (Gruppen zur Unterstützung der Libertären und 
der unabhängigen Syndikalist*innen in Kuba) am Gründungskongress der Anarchistischen 
Föderation in Mittelamerika und der Karibik (FACC) teilnahm, der am 21. und 22. März in 
Santiago de los Caballeros stattfand. Hier möchte ich einige Eindrücke über den Ablauf 
wiedergeben.

Vom Taller Libertario Alfredo López aus Kuba hat leider nur ein
Genosse am Kongress teilnehmen können. Die dominikanischen
Behörden haben die nötigen Visumspapiere, die zwei weiteren
Genoss*innen die Teilnahme ermöglicht hätten, nicht rechtzeitig
zugestellt. Die doppelte kubanisch-russische Staatsbürgerschaft eines
Genossen aus Havanna sicherte diesem aber immerhin die rechtzeitige
Bearbeitung seiner Anträge, so dass er dabei sein konnte. Eine große
Überraschung erwartete mich bei meiner Ankunft in Santo Domingo
mit der Anwesenheit von Frank Fernández, eines alten Genossen aus
dem kubanischen Exil, Autor des Buches "Der Anarchismus auf Kuba",
der mit seinen 84 Jahren aus Miami anreisend ebenfalls am Kongress
teilnahm. Es war eine besonders bewegende Erfahrung, diese beiden
Generationen kubanischer Libertärer zu erleben - die aus dem Exil und
die von heute - wie sie sich zum allerersten Mal leibhaftig begegneten.

Die Gruppe Kiskeya Libertaria (aus der Dominikanischen Republik) war
vollzählig mit seinen neun Mitgliedern (drei Frauen und sechs
Männern) anwesend, die aus den Städten Santo Domingo und Santiago
de los Caballeros stammen. Zu den weiteren Teilnehmer*innen
gehörten: ein Delegierter des Frente de Estudiantes Libertarios aus El
Salvador, ein Delegierter der Libertären Bewegung aus Puerto Rico und
eine libertäre Aktivistin der karibischen Insel Bonaire. Zu den
Beobachter*innen gehörten: drei Genoss*innen der Black Rose
Federation aus den USA (Los Angeles und Miami), die Teil des
plattformistischen Anarkismo-Netzwerks sind, ein Aktivist einer
libertären Gruppe aus Puerto Rico sowie Freund*innen von Kiskeya
Libertaria.

Der Kongress wurde im Haus der Frauen von Santiago
de los Caballeros abgehalten. Beinahe hätte er nicht
stattgefunden, weil eine der Verantwortlichen für das
Haus (eine autoritäre Marxistin) die dominikanische
Polizei und den Geheimdienst gebeten hatte, für
unseren Rauswurf zu sorgen. Aufgrund unserer
Weigerung, die Räumlichkeiten zu verlassen, und der
Anwesenheit eines Journalisten als Zeugen, konnte der
Kongress dann doch wie geplant stattfinden. Der Saal
war einige Tage zuvor ordnungsgemäß angemietet
worden. An dieser Stelle erscheint es auch wichtig
darauf hinzuweisen, dass in der Dominikanischen
Republik noch immer ein Gesetz in Kraft ist (ein Relikt
aus dem vergangenen Jahrhundert), das ausländischen
Anarchist*innen verbietet, dominikanisches Territorium
zu betreten.

Zu Anfang wurden zahlreiche Grußbotschaften von den
verschiedensten Gruppen und Organisationen des Kontinents verlesen
(Mexico, Costa Rica, Venezuela, Honduras, Kolumbien, Uruguay,
Argentinien, Chile etc.).

Dieser Kongress gab unseren Genoss*innen aus Kuba die Möglichkeit in
die Hand, ihre Isolierung zu durchbrechen. Angesichts ihrer
Schwierigkeiten einer Kommunikation nach außen aufgrund der
allgegenwärtigen Zensur und eines Internets, das unter Kontrolle des
Staates steht, ist die Schaffung eines solidarischen Netzwerks von
besonderer Bedeutung für sie.

Nächstes Jahr wird es den zweiten Kongress der Föderation geben. Die
Genoss*innen aus Costa Rica wurden darum gebeten, das Event
auszurichten. Die Wahl fiel auf sie aufgrund von geografischen
Erwägungen, da für die meisten Gruppen und Organisationen der
Landweg mit dem Bus nach Costa Rica um vieles preiswerter ist als ein
Flug. Die hohen Flugpreise sind auch ein wichtiger Grund für das
Fehlen vieler Delegationen beim Kongress in der Dominikanischen
Republik.

Alles in allem zeichnete sich dieser Kongress durch eine äußerst
herzliche Atmosphäre aus: viel Humor, Scherze und Lachen - der
tropische Anarchismus hilft dabei ungemein. Die Organisierung des
Ganzen durch die Genoss*innen von Kiskeya Libertaria war einfach
perfekt: Ein gut ausgestatteter Kongresssaal mit einer Leinwand für den
Beamer, das Equipment in sehr gutem Zustand, überbordendes Essen
von höchster Qualität (typische dominikanische Speisen) und
abendliche Musik (Bachata, Merengue, Hardrock, Liedermacher*innen)
sorgten dafür, dass wir uns gut kennenlernen konnten.

Auf Bitten der Teilnehmer*innen habe ich einige Informationen über
Struktur und Arbeitsweise der Federation Anarchiste zum Besten
gegeben, über ihre Gründung, die Rolle ihrer Mitglieder und ihre
konkreten Aktivitäten. Als Vertreter der IFA wurde ich wunderbar
aufgenommen, womöglich auch wegen meiner Verbundenheit mit den
kubanischen Genoss*innen. Wir sehen große Entwicklungspotenziale:
die Genoss*innen aus Kuba und der Dominikanischen Republik sind
der IFA sehr offen gegenüber. Angesichts ihrer Rolle als treibende
Kräfte hinter diesem Vernetzungsprojekt, ist es durchaus möglich, dass
ein Konsolidierungsprozess schließlich beim kommenden Kongress
dazu führt, dass eine neue Föderation der IFA beitritt.

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Der Artikel ist ursprünglich aufSpanisch erschienen in Tierra
y Libertad 321:
(http://www.nodo50.org/tierraylibertad/321articulo4.html)
Mehr Informationen in den Gaidao-Ausgaben Nr. 47 und 52.


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