(de) FDA-IFA, Gai Dao #52 - Diskussionsbeitrag zur Stadtentwicklung Von: Libertäre Aktion Frankfurt Oder

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Sun May 24 10:14:39 CEST 2015


Stellt euch vor, ---- ... anstelle eines Yachthafens(1), der für eine privilegierte Elite 
nutzbar ist und für den ein weiteres Stück grün in Frankfurt weichen musste, würde in der 
Lebuser Vorstadt ein Naturerholungszentrum entstehen, von dem jede*r profitiert. Natürlich 
ohne das umliegende Gebiet danach zu einer Gegend zu erklären, die im Nachhinein durch 
höheren Marktwert und Wohlfühlfaktor sowie damit verbunden steigenden Mieten wieder nur 
für einen privilegierten Teil der Bevölkerung bewohn- und deshalb direkt nutzbar ist. 
Nehmt auch den Bau eines Luxuseinkaufszentrums(2) an der Oderbrücke nicht einfach so hin, 
hinterfragt ihn. Birgt es vielleicht mehr Risiken, als dass es Nutzen bringen wird - 
bringt es die restlichen, übrig gebliebenen Einzelhandelsgeschäfte in der Magistrale in 
Gefahr?(3) Erhöhen im Konsumtaumel schwebende Menschen und das Abtauchen in eine 
vorübergehend zufriedenstellende Scheinwelt wirklich unsere Zufriedenheit? Würde nicht 
vielleicht die Umwandlung der Gegend um die Stadtbrücke in eine Kreativfläche, die für 
alle Menschen und Initiativen nutzbar ist, unsere Lebensqualität erhöhen? Oder eventuell 
doch ein internationaler Wochenmarkt mit frischem Obst und Gemüse und kulturellen Beiträgen?

Manchmal kommen wir um Abriss
einfach nicht drum herum. Aber
müssen deshalb halbe Stadtteile dem
Erdboden gleichgemacht werden(4)
und im gleichen Atemzuge die
Innenstadt in einer Art und Weise
aufgewertet werden, die die sozial
Schwächsten in unserer ohnehin von
monetären Werten geprägten
Gesellschaft einfach nicht mitdenkt,
sondern ausschließt.(5) Eine
Aufwertung, die auch zunehmend
Einzelhändler*innen das Leben
schwer macht, und welche die
Entwicklung in der Innenstadt mehr und mehr zahlungsstarken
Privatinvestor*innen überlassen, die im Allgemeinen nicht nach der
Meinung der Stadtbevölkerung fragen.(6) Wir denken, dass
Lebensqualität in gemeinschaftlichem Handeln und Miteinander
schneller wachsen kann - zu diesem Miteinander gehört auch das
Mitdenken in irgendeiner Art und Weise sozial schwächer gestellter
Menschen. Wie sonst sollte man geprägt von Existenzangst und
Daseinszwängen eine Motivation dafür entwickeln, sich am
gesellschaftlichen Leben zu beteiligen? In Frankfurt (O.), einem Ort, der
im herrschenden System ohnehin viele unzufriedene Menschen
hervorbringt, ist diese Demotivation tagtäglich sichtbar. Diese äußert
sich aber viel zu oft in offen zur Schau getragenem Rassismus und der
Abwertung vermeintlich "anderer" Menschen, um seine eigene,
vermeintliche soziale Besserstellung aufgrund einer bestimmten
Staatszugehörigkeit zu manifestieren.(7)

Das Lichtspieltheater der Jugend war ein kleiner Lichtblick. Viele
Menschen aus Frankfurt (Oder), auch Menschen, die nicht unbedingt
politische Ämter bekleiden, diskutierten zum Ende letzten Jahres
lebhaft über die Zukunft des Lichtspieltheaters. Viele Ideen kamen
zusammen, vom Café, über ein Retro-Kino bis hin zu einem
Mehrgenerationenhaus war alles dabei.(8) Letztendlich wurde aber
auch an der Diskussion dieses Objekts wieder sichtbar, dass eine starke
Spaltung zwischen Menschen, die Politik machen und Menschen, für
die vermeintlich Politik gemacht wird, existiert. Die Initiative um das
Theater scheint noch nicht ganz eingeschlafen, jedoch scheint auch
dieses Objekt wieder einmal zu einem Verwaltungsakt verkommen zu
sein.(9) Könnte es anders laufen? Was wäre, wenn das Lichtspieltheater
in die Hand der Stadt käme und diese die Gründung eines
Bürger*innenkomitees anregen würde, das durch entsprechende
Expert*innen unterstützt wird. Ein Komitee, das über die Zukunft des
Lichtspieltheaters gemeinsam
entscheidet. Schließlich gab es ja
doch viele verschiedene
Vorstellungen, was mit dem
Lichtspieltheater geschehen könnte.
Vor- und Nachteile aller Vorschläge
sollten auch fernab von Profit- und
Prestigeinteressen bewertet werden.

Lebensqualität wird nicht durch die
verstärkte Durchsetzung von
Kapitalinteressen erhöht. Ladet ALLE
Nachbar*innen in euren Häusern und
Straßen ein und schließt euch zu
Straßengemeinschaften zusammen.
Bestimmt selbst und gemeinsam, wie ihr euer näheres Lebensumfeld
gestalten und verändern könnt. Vielleicht könnt ihr auch eure Häuser
und Wohnungen als Hausvereine übernehmen - Lebensraum darf
schließlich nicht länger eine Ware bleiben, die zu einem
marktwirtschaftlichem Spekulationsobjekt verkommt. Wohnraum muss
bezahlbar bleiben - auch für die Schwächsten in unserer Gesellschaft.
Ihr könntet eure Anliegen in die Stadtverordnetenversammlung tragen
und verteidigen - mit Nachdruck und gemeinschaftlich. Wir wurden
schließlich nicht dazu geboren, unser Leben von Stellvertreter*innen,
zum Beispiel Wohnungsbaugesellschaften und Stadt, gestalten und
verwalten zu lassen.

Unsere kleine Reise in die Utopie eines aus unserer Sicht für alle
lebenswerteren Frankfurts kann im wahrsten Sinne sehr utopisch
anmuten. Realistisch und nach (markt)wirtschaftlichen Gesichtspunkten
betrachtet, würden wir aber zu ähnlichen Schlüssen kommen: Mit mehr
Mitbestimmung, Eigeninitiative und Selbstverwaltung einer Stadt von
Bürger*innen für Bürger*innen kommt Frankfurt als Konsumstandort
eine sekundäre Rolle zu - jedoch würden die Verwaltungskosten durch
die Stadt in ebenso hohem Maße sinken. Was unser utopischer Ausflug
nicht beantworten kann, ist die Frage, wie wir zu mehr
Selbstbestimmung und Selbstverantwortung kommen. Wie wir von
passiv verwalteten Bürger*innen zu aktiv handelnden Individuen
werden, gesellschaftlicher Vereinzelung vorbeugen und eine merkliche
Politikverdrossenheit in der Gesellschaft in selbstbestimmtes Handeln
umwandeln. Wäre es nicht viel schöner, wenn wir unsere
Nachbar*innen einfach an die Hand nehmen könnten, zufrieden vor
unsere Haustür in eine bunte, vielfältige Stadt treten könnten, in der
auch unsere eigenen Vorstellungen, unsere eigenen Fähigkeiten und
unser eigenes Können Platz gefunden haben? Das Konzept "Wir im
Quartier" bietet bereits einen guten Ansatz für solcherlei Projekte,
wobei es noch wesentlich ausbaufähiger ist und die Beteiligung noch
stark erhöht werden könnte. Es wurden in den letzten Jahren unzählige
Konzepte entworfen und verworfen die Kaufkraft in Frankfurt (Oder)
zu erhöhen, um damit auf einen Weg zu Glück und Wohlstand zu
gelangen. Das Scheitern sämtlicher Konzepte liegt nicht nur an der
Stadtverwaltung, sondern an der allgemein verbreiteten Gleichsetzung
des Kapitals als unhinterfragbaren Heilsbringer oder übermächtige
Gottheit, die den Menschen irgendwann schon auf den Weg in ein
zufriedenes Leben geleiten wird.

Wir denken, es ist Zeit, einen anderen Weg zu gehen - unzählige
Beispiele auch über Frankfurt (Oder) hinaus beweisen das.

Endnoten

(1) http://www.moz.de/artikel-ansicht/dg/0/1/1319113
(2) http://www.moz.de/details/dg/0/1/1361617/
(3) http://www.moz.de/artikel-ansicht/dg/0/1/1018154
(4) http://www.moz.de/artikel-ansicht/dg/0/1/1132965
(5) http://www.blickpunkt-brandenburg.de/nachrichten/frankfurt-oder/
artikel/29542.html
(6) http://www.moz.de/heimat/lokalredaktionen/frankfurt-oder/artikel9
/dg/0/1/1311289/
(7) http://www.moz.de/heimat/lokalredaktionen/frankfurt-oder/artikel9
/dg/0/1/1311289/
(8) http://www.blickpunkt-brandenburg.de/nachrichten/frankfurt-oder/
artikel/30260/Altes+Kino+in+Licht+getaucht
(9) http://www.moz.de/heimat/lokalredaktionen/frankfurt-oder/artikel9
/dg/0/1/1344446/
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BERLIN

In den letzten Jahren hat sich die Hauptstadt rasant verändert.
Wohnungen, die lange als unattraktiv galten, werden von Anlegern
als sichere Geldanlagen genutzt. Massenhafte Umwandlungen in
Eigentumswohnungen und Mietsteigerungen in bisher unbekanntem
Ausmaß werden alltäglich. Die sichtbaren Mieterproteste in der
schillernden Metropole Berlin sind eine Reaktion auf die zunehmend
mangelhafte Versorgung mit bezahlbarem Wohnraum.
Der Film ist ein Kaleidoskop der Mieterkämpfe in Berlin gegen die
Verdrängung aus den nachbarschaftlichen Lebenszusammenhängen.
Eine Besetzung des Berliner Rathauses, das Camp am Kottbusser Tor,
der organisierte Widerstand gegen Zwangsräumungen und der
Kampf von Rentner*innen um ihre altersgerechten Wohnungen und
eine Freizeitstätte symbolisieren den neuen Aufbruch der urbanen
Protestbewegung.
"MIETREBELLEN"
Ein Dokumentarfilm von
Gertrud Schulte Westenberg und Matthias Coers
D 2014 | 78 min. | OmeU


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