(de) FDA-IFA, Gai Dao #52 - Was die Frauenrechtler*innen für uns taten Von: Anarchist Federation (Britain); aus: Resistance No. 158 / Übersetzung:Leo

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Sun May 17 13:08:04 CEST 2015


Es ist wieder Wahlzeit und einmal mehr werden anarchistische Frauen über unsere 
Pflichterfüllung belehrt gegenüber denjenigen, welche für unser Stimmrecht gestorben sind. 
---- Um es einmal festzuhalten: Die Forderung der Frauenrechtler*innen lautete, dass 
Frauen überall dort gewählt werden sollten wo auch Männer vertreten waren. Sie kämpften 
nicht dafür, dass jede Frau für alle Zeiten moralisch verpflichtet ist jedes politische 
System zu unterstützen, welches die Wahl benutzt hat um sich selbst zu legitimieren. Sie 
vertrauten auf künftige Frauen, welche ihre eigenen Entscheidungen treffen. Sylvia 
Pankhurst zum Beispiel lebte um die parlamentarische Demokratie als einen "veralteten 
Apparat" abzulehnen und weigerte sich ihre Stimme abzugeben oder selbst zu kandidieren. 
Bei dieser Wahl würde sie wütend sein auf jede Teilnahme einer Partei, die Einschnitte bei 
wesentlichen Frauenleistungen macht, nicht auf Frauen, die ihre Wahlzettel zerreißen oder 
von der Wahl wegbleiben.

Mehr als die Wahl

Es ging um viel mehr als nur um die
Wahl für die Frauenrechtler*innen. Es
ging um Solidarität unter Frauen, unsere
Fähigkeit zusammen zu arbeiten und zu
kämpfen, von unserem eigenen Erleben
aus zu schreiben und zu sprechen -
nicht nur über die Wahl, sondern über
sexuelle, soziale und berufliche
Freiheiten, wie gerechte Bezahlung und
Rechte in Bezug auf Gebähren und
Fortpflanzung. Die Aberkennung des
Stimmrechts war eine Beleidigung der
Frauen als intelligente, rationale
Menschen, gleichgültig wie viel Nutzen
das Stimmrecht selbst hatte. Das Stimmrecht zu gebrauchen war fast
irrelevant verglichen damit, was es für Frauen mit Stimmrecht bedeuten
würde nicht mehr als reines Anhängsel ihrer Ehemänner gesehen zu
werden.

Das Stimmrecht zu erhalten war ein Sieg, im Wesentlichen weil Frauen
etwas erreicht hatten durch den Fortschritt dafür zu kämpfen. Die
Reden, Veröffentlichungen, zertrümmerten Scheiben, Kämpfe mit der
Polizei, Kampfsportübungen, Haftstrafen, Hungerstreiks, Widerstand
gegen Zwangsernährung und Weigerung nachzugeben: dies sorgte
wesentlicher dafür den Status und das Selbstbewusstsein der Frauen als
öffentliche und politische Personen steigen zu lassen, als es das reine
Stimmrecht jemals getan hat. Viel mehr als weibliche
Parlamentsabgeordnete oder Karrieremacher*innen getan haben,
welche Frauenkämpfe zynisch genutzt haben um sich selbst zu
begünstigen.

Uns erzählen zu wollen, dass wir wählen müssen, weil das Stimmrecht
für Frauen mühsam erkämpft worden ist, ist herablassende,
paternalistische Kacke. Arbeiterklassemänner kämpften ebenfalls für
das Stimmrecht, werden jedoch weit weniger kritisiert, wenn sie darauf
hinweisen, dass es effektivere Mittel des Wandels gibt als die Wahlurne.
Für Frauen wurde Wählen eine Frage von Angepasstheit anstatt ein
Bewusstsein, in direktem Gegensatz wer Frauenrechtler*innen waren
und für was sie gekämpft hatten. Die Frauenrechtler*innen
beabsichtigten niemals ihren Kampf mit dem Erhalt des Stimmrechts zu
beenden. Viele setzten ihre Kämpfe fort, als ihre Anführer*innen
vereinnahmt worden waren. Sie waren nicht zufriedengestellt und sie
sahen uns nicht vor.

Vereinnahmungen

Die Frauenrechtler*innen erreichten
ihre Ziele, weil sie eine radikale,
inspirierende und effektive Bewegung
der direkten Aktion waren. Sie
erreichten unglaubliche Dinge für sich
selbst und für zukünftige
Frauengenerationen. Ja, sie verdienen
unseren Respekt und unsere
Dankbarkeit. Aber mehr als das, sie
verdienen unser Lernen und unsere
Bemühungen das ungeheuerliche
Ausmaß und Komplexität ihrer Kämpfe
zu verstehen. Sie verdienen es mehr als
auf eine eindimensionale Kurzmeldung
reduziert zu werden.

Ob du nun wählen gehst oder dich
organisierst oder beides: Fasse diesen Wahltag auf als ehrende
Erinnerung an die Frauenrechtler*innen, indem du ihn nicht benutzt als
Stock um Frauen damit zu schlagen, wenn sie ihr Wahlrecht genauso
wie die Frauenrechtler*innen behandeln: Als ihr Eigenes, um es zu
nutzen oder nicht, nach ihren eigenen Vorstellungen.
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Quelle:
Die drei gerade abgedruckten Artikel sind alle aus der aktuellen
Resistance No 158 der Anarchist Federation (Britain) entnommen.
Mehr Infos und weitere Artikel unter:
http://afed.org.uk/res/resist158.pdf
www.afed.org.uk
info at afed.org.uk


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