(de) FAU-IAA: Direct Aktion #228 - Dreck am Stecken -- Die Ergebnisse einer Umfrage...

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Sat May 16 09:20:55 CEST 2015


Die FAU Kiel hat im September vergangenen Jahres einen Fragebogen zu Arbeitsverhältnissen 
im Reinigungsgewerbe veröffentlicht und diesen im Kieler Stadt- und Einzugsgebiet 
verbreitet. Die Auswertung des Fragebogens zeigt ein erwartet bitteres Bild: In vielen 
Betrieben, hervorzuheben sind hier die Gastronomie und das Hotelgewerbe, finden sowohl 
Schwarzarbeit als auch systematische Hinhaltetaktiken seitens der Geschäftstreibenden 
statt. Angestellte werden regelmäßig später als vereinbart ausgezahlt und zum Teil gibt es 
regelmäßige Zahlungsaufschübe. Arbeitsverträge würden häufig nur mündlich oder in 
skizzierter Form vereinbart. ---- Migrantische Beschäftigte sind aufgrund der sprachlichen 
Hürden besonders von ausbeuterischen Formen der Beschäftigung betroffen. Die Unkenntnis 
der deutschen Sprache wird von ChefInnen genutzt, um entweder Falschinformationen zu 
streuen oder aber auch um Ängste zu schüren und somit die Beschäftigten erpressbar zu 
machen. Lohnfortzahlung im Krankheitsfall ist eher die Ausnahme in Betrieben, bei denen 
keine tarifliche Absprache getroffen wurde. Vereinzelt zeigt sich ein sklavenähnliches 
System, bei dem Menschen systematisch ausgebeutet werden. Grundlegend sind die sprachliche 
Hürde, Unkenntnis der eigenen Rechte, Schwarzarbeit und die Notwendigkeit alleinerziehend 
Geld zu verdienen. Vor allem migrantische Frauen leisten neben dem offiziellen 
450-Euro-Job unbezahlte oder nur sehr schlecht bezahlte Überstunden und werden auch 
abseits ihrer eigentlichen Tätigkeitsfelder eingesetzt. So musste eine Reinigungskraft 
etwa Kinder hüten und als Köchin arbeiten.

In Privathaushalten ist die Grenze noch fließender, denn neben der sozialen Einbindung als 
Quasi-Teil der Familie ist die finanzielle Abhängigkeit noch größer als bei Betrieben, da 
der Arbeitsbereich auch gleichzeitig den Wohnraum darstellt. So entsteht bei jederzeit 
möglichem Abruf zur Arbeit die Aufhebung der Trennung von Arbeit und Freizeit. Auch weisen 
einige Fragebögen auf das "Ausleihen" der Arbeitskraft an Bekannte hin. Besonders diese 
Form stellt einen Graubereich zu Zuständen dar, die offiziell als Sklavenhaltung und 
Menschenhandel tituliert werden. Arbeitgeber wissen um die Angst von schwarz arbeitenden 
Menschen vor Entdeckung und die Strafandrohung reicht meist aus, um diese folgsam - auch 
bei groben und wiederkehrenden Arbeits- und Menschenrechtsrechtverstößen - und gefügig zu 
halten. Auch zeigte sich in einem Fall eine Verbindung eines Hotelbetriebes zu einer 
stadtbekannten rechtsaffinen Naturheilpraxis.

Die Auswertung offenbarte, dass die Unzufriedenheit zwar groß, aber die Hürde doch sehr 
hoch ist sich diesen Zuständen entgegenzustemmen. Es bleibt die schwierige Frage, wie 
Menschen in solchen Verhältnissen unterstützt werden können, ohne ihre Angst zu befeuern 
oder sie zu bevormunden. Erst nach Beendigung solch ausbeuterischer Verhältnisse waren 
Einzelne bereit konkret über ihre Arbeitgeber und die Bedingungen, unter denen sie litten, 
zu sprechen. Die FAU Kiel wird die Betriebe, die bei der Umfrage als besonders 
ausbeuterisch zu Tage traten, im Auge behalten und weiterhin versuchen unbemerkt die 
Beschäftigten zu erreichen.

Benjamin Steilmann

https://www.direkteaktion.org/228/dreck-am-stecken


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