(de) FDA-IFA, Gai Dao #52 - Was Anarchist*innen tun, anstatt wählen zu gehen,Von: Anarchist Federation (Britain); aus: Resistance No. 158 / Übersetzung: Leo

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Fri May 15 08:58:19 CEST 2015


Die landesweiten Wahlen stehen vor der Tür und einmal mehr verfolgen uns die Parteien 
überall auf Schritt und Tritt, während sie versprechen, dass sie die Dinge richten werden. 
Aber du musst kein*e Anarchist*in sein um zu wissen, dass sich nichts ändern wird, egal 
wer gewählt wird. Daher kommt es, dass Politiker*innen von neuen Methoden begeistert sind, 
wie beispielsweise von der Briefwahl. Labour (1), Tory (2), Liberaldemokratische, 
nationalistische (Plaid Cymru (3), SNP (4), Sinn Fein (5) ), "bewahrende" oder "radikale" 
(die Grüne Partei oder Linke in einigen Bündnissen), oder national-rassistische (UKIP (6) 
etc.) Parteien, die Grundsätze des Systems sind die gleichen. Ob wir das gegenwärtige 
Wahlsystem beziehungsweise das Verhältniswahlsystem haben, oder wieviele Leute bei einer 
Wahl oder einem Referendum wählen gehen oder nicht - wie wir gerade in Schottland gesehen 
haben - hält der Kapitalismus weltweit die Zügel in der Hand.

Als lohnabhängige Menschen
werden wir ausgebeutet - ob
wir nun an "freien" Wahlen
teilnehmen können oder unter
einem autoritären Regime
leben. Die Kapitalist*innen und
Eigentümer*innen werden
weiterhin den Reichtum, den
wir erschaffen, beherrschen.
Und sie schützen ihn durch die
Polizei, die Rechtsordnung und
das Militär.

Du darfst dich nicht beschweren

Nicht-Wähler*innen wird
gesagt, "Wenn du nicht wählen gehst, darfst du dich auch nicht
beschweren". Aber Wählen gehen unter diesen Umständen ist nur
vorgeben, dass das System, welches wir haben, im Grunde in Ordnung
ist. Es nimmt die siegreiche Partei aus der Verantwortung. Tatsächlich
haben wir bei den nächsten Entscheidungen, welche von den durch uns
gewählten Leuten getroffen werden, nichts zu melden. So wird
"repräsentative Demokratie" genannt. Anarchist*innen organisieren
sich durch "direkte Demokratie", in welcher wir bei jeder Entscheidung
mitreden können - falls wir dies wollen. Wir legen unsere Macht nicht
in fremde Hände, deshalb kann uns niemand betrügen und unsere
Macht missbrauchen. Dieses Vorgehen könnte weltweit funktionieren!
Frag uns wie...

Anti-Wahl-Kampagnen

Eine Anti-Wahl-Kampagne alleine ist ebenso gut wie
Zeitverschwendung. Dasselbe gilt für eine Protestwahl für einen linke*n
oder zum ersten Mal antretende*n Kandidat*in. Für die Kampagne
aufgewendete Zeit und Geld könnten besser verwendet werden um
einige Probleme in unserem Alltag zu lösen. Protestieren, sei es einen
Wahlzettel ungültig zu machen oder Demonstrationen auf der Straße,
scheitert daran eine echte Kampfansage zu bieten. Deshalb meinen
Anarchist*innen: Geh wählen oder lass es bleiben - es macht keinen
Unterschied. Viel wichtiger ist zu erkennen, dass Wahlen ein korruptes
System stützen und uns ablenken echte Möglichkeiten zu erringen.

Geh nicht zur Wahl, organisiere dich!

Wir sollten uns
zusammenschließen mit
unseren Nachbar*innen,
Arbeitskolleg*innen, anderen
Leuten, mit denen wir
Interessen teilen, und anderen
Menschen, die nicht die
Privilegien wie manch andere
haben. Wir sind Expert*innen
für unsere Bedürfnisse und wie
Dinge am besten für das Wohl
der Gesellschaft funktionieren.
Wir müssen direkte Aktionen
anwenden um dies zu
erreichen. Eine direkte Aktion
findet statt, wenn wir ein
Problem lösen ohne dass uns
jemand anderes vertritt. Damit
meinen wir nicht nur
protestieren und nach einer
Veränderung fragen, sondern
Vorgänge wie besetzen,
sabotieren, Erledigung der Lohnarbeit nur nach Vorschrift ohne
weitergehendes Engagement, die Weigerung ihre Preise oder die Miete
zu bezahlen, oder zu streiken (aber wir meinen nicht abzuwarten bis die
Gewerkschaftsführer*innen uns sagen, zu welchem Zeitpunkt wir
streiken können und wann nicht).

Wenn Arbeiter*innen beispielsweise nicht ihren zustehenden Lohn
bezahlt bekommen, ergreifen wir Maßnahmen um die
Unternehmer*innen zum Lohn auszahlen zu bringen, anstatt die
Regierung zu ersuchen uns besseren rechtlichen Schutz zu gewähren.
Das Ministerium für Arbeit und Altersrente hat sogar die
Anarchistische Föderation und die Solidaritäts-Föderation (7) unter den
Gruppen angegeben, die eine ernsthafte Gefährdung der
Arbeitsaufnahmepflicht bei Sozialleistungsbezug (8) darstellen, weil wir
Arbeitsprogramme stillgelegt haben. Dies wurde nur mit wenigen
hundert Leuten erreicht. Stell dir vor, was mit tausenden Leuten
erreicht werden könnte!

In der Realität scheuen sich die Menschen verständlicherweise davor es
mit dem Staat aufzunehmen. Aber direkte Aktionen müssen keinen
Kampf aufs Äußerste bedeuten um den Kapitalismus auf einen Schlag
zu besiegen. Anarchist*innen meinen, dass es letztlich eine vollständige
Revolution geben muss. Aber indem wir dem System an einem
beliebigen Punkt direkt die Stirn bieten, können wir beginnen es zu
beeinflussen. Wenn wir vielmehr all die Errungenschaften betrachten,
als wurden sie vom Staat errichtet - das kostenlose Gesundheitssystem,
die kostenlose Bildung, Gesundheits- und Sicherheitsgesetze zu unserem
Schutz am Arbeitsplatz, Wohnungsbaubestimmungen,
Lohnfortzahlungen im Krankheitsfall, Arbeitslosengeld,
Rentenzahlungen - kamen historisch zustande um organisierten
Kampagnen kollektiver direkter Aktionen ein Ende zu machen, welche
die Staatsmacht bedrohten. Wo wir als Individuen scheitern, können
wir gemeinsam siegen.

Endnoten:

(1) Die Labour Party (dt.: "Arbeitspartei"), bei ihrer Gründung
sozialistisch-gewerkschaftlich geprägt, bekennt sie sich heute zur
Marktwirtschaft und ist mit der SPD zu vergleichen (Anm. der
Übersetzung)

(2) "Tories" ist die . konservative Partei im Vereinten Königreich (Anm.
der Übersetzung)

(3) Plaid Cymru ist die "walisische Partei", sozialdemokratisch und
walisisch-national (Anm. der Übersetzung)

(4) SNP ist die "Scottish National Party", separatistische, linksliberale,
schottische nationale Partei (Anm. der Übersetzung)

(5) Sinn Fein ist eine irisch-republikanische, separatistische Partei, die
v.a. in Nordirland (und der Republik Irland) verankert ist (Anm. der
Übersetzung)

(6) UKIP ist die "Partei für die Unabhängigkeit des Vereinten
Königreichs", eine EU-skeptische, rechtspopulistische Partei (Anm. der
Übersetzung)

(7) Solidarity Federation (Anm. der Übersetzung)

(8) im Original "workfare": Eine arbeitsmarktpolitisches Konzept,
welches staatliche Transferleistungen mit einer Verpflichtung zur
Arbeitsaufnahme verknüpft (Anm. der Übersetzung)


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