(de) FAU-IAA: Direct Aktion #228 - Sudanesischer Frühling

a-infos-de at ainfos.ca a-infos-de at ainfos.ca
Sun May 10 12:50:59 CEST 2015


Die Opposition gegen al-Bashir vereint sich ---- Gute Nachrichten aus dem Sudan sind 
selten. Amnesty International konnte letztes Jahr einen viel beachteten Erfolg verbuchen, 
als es der NGO gelang, durch internationalen Druck die schwangere Meriam Yehya Ibrahim 
zuerst vor dem Tod durch Steinigung zu bewahren und dann sogar ihre Ausreise aus 
sudanesischen Gefängnissen nach Europa durchzusetzen. Der Erfolg der Kampagne dürfte 
dadurch begünstigt worden sein, dass sich der Sudan seit einigen Jahren wieder bester 
Handelsbeziehungen gerade mit westlichen Staaten erfreut, die durch derart unschöne 
Meldungen nicht getrübt werden sollen. ---- Diktator al-Bashir: Sind die Tage des Tyranns 
gezählt (Quelle: Wikipedia) Diese Beziehungen sind für das Regime im Sudan nicht nur 
wirtschaftlich von Vorteil, sondern auch politisch: Ebenfalls letztes Jahr musste der 
Internationale Gerichtshof in Den Haag die Ermittlungen gegen Präsident Umar Hasan Ahmad 
al-Baschir einstellen, obwohl in Den Haag schon seit vielen Jahren ein Haftbefehl wegen 
Völkermordes gegen ihn vorliegt. Begründung des Gerichtshofes: Die internationale 
Gemeinschaft hatte die Ermittlungen schlichtweg unzureichend unterstützt. Derweil leiden 
diejenigen Opfer des Regimes, die nicht wie Meriam als gut vernetzte Akademiker*innen die 
Möglichkeit haben, Amnesty International auf sich aufmerksam zu machen, weiterhin unter 
Folter, Verfolgung und Mord.

SCHWIERIGES BÜNDNIS FÜR EIN SCHWERES ZIEL

Al-Bashir steht international so gut da wie noch nie in seiner über 25-jährigen Diktatur. 
Ein Land, in dem es nur eine staatliche Einheitsgewerkschaft gibt, die die Löhne nach den 
wirtschaftlichen Interessen des Landes und so auch seiner Partner festlegt, hat durchaus 
globale Attraktivität. Die kämpferischen Gewerkschafter*innen der 80er Jahre wurden fast 
alle nach dem Putsch al-Bashirs inhaftiert und hingerichtet.

Und doch ereignen sich derzeit wichtige Umbrüche im Land, die dem Präsidenten gefährlich 
werden könnten. Die verschiedenen Oppositionsgruppen haben begonnen, sich zu vernetzen. 
Dabei könnten die einzelnen Akteur*innen unterschiedlicher nicht sein, sowohl hinsichtlich 
ihrer politischen Ideen als auch ihrer Methoden: Von bürgerlich-liberal bis kommunistisch, 
von atheistisch bis christlich und sogar islamistisch oder von sozialer Bewegung bis 
bewaffneter Miliz - aus diesem Flickenteppich soll eine große Oppositionsbewegung 
hervorgehen. Die soziale Not und die politische Unterdrückung im Land lassen einen solchen 
Schritt aus der Sicht vieler als notwendig erscheinen. In der Region Darfur sind nach wie 
vor die größten Flüchtlingscamps der Welt, Millionen leben in Zeltdörfern oder Baracken 
und sind auf fremde Hilfe angewiesen. Der Terror der regierungsnahen islamistischen 
Milizen, die außerhalb der Camps jede auch nur vermutete Abweichung vom Dogma der 
islamistischen Partei bestrafen, sorgt für den unablässigen Zustrom von Flüchtlingen in 
die Camps. Bereits vor Monaten schlug das UNHCR Alarm: angesichts der UN-Hilfslieferungen 
zugunsten der Flüchtlinge aus Syrien und dem Irak könnte es nun zu einem schweren Engpass 
in Darfur kommen, Hunderttausenden droht die Unterversorgung.Die sich neu formierende 
Oppositionsbewegung möchte mit diesen Zuständen Schluss machen. Unter dem Slogan 
"Verschwinde, al-Bashir" tritt sie für die Absetzung des Präsidenten, die Beendigung der 
Diktatur und die Durchführung freier und allgemeiner Wahlen ein. Dies wäre auch die 
Bedingung für jegliches freies Gewerkschaftsleben im Sudan.

Marcus Munzlinger

https://www.direkteaktion.org/228/sudanesischer-fruhling


More information about the A-infos-de mailing list