(de) Anarchist Group Freiburg - Alles Verändern - antikapitalistische Veranstaltungsreihe zum 1.Mai

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Fri May 1 08:43:55 CEST 2015


1.Die Welt heute ---- Nimmt man den 1. Mai, immerhin internationaler Kampftag der 
ArbeiterInnen, zum Anlass über die derzeitige Situation der Welt zu reflektieren, so 
scheint es zuerst schwer Positives zu entdecken. Noch immer erschüttert die 
kapitalistische Krise die meisten Staaten der Welt und da eine Wirtschaftskrise zuerst 
immer eine Krise im Leben der Lohnabhängigen ist, wird dies durch erhöhte 
Arbeitslosigkeit, sinkenden Löhne und Verelendung breiter Bevölkerungsschichten 
ersichtlich. Natürlich ist aber auch das Kapital von der Krise betroffen, auch dort gibt 
es "Verlierer" die pleite gehen, aber eben auch viele Gewinner, sodass es zu einer 
verschärften Konzentration von Reichtum kommt. Es ist also kein Zufall, dass genau zum 
Zeitpunkt der Krise die Kluft zwischen Arm und Reich schockierend schnell wächst: Vom 
kommenden Jahr an werde das reichste Prozent der Weltbevölkerung mehr als die Hälfte des 
weltweiten Wohlstands besitzen, erklärte die Nichtregierungsorganisation Oxfam. Weil durch 
die fortschreitende Automatisierung der Produktion immer mehr Arbeit überflüssig wird, 
geraten weltweit die Löhne und Lebensbedingungen der ArbeiterInnen unter Druck. In 
Deutschland leben beispielsweise mehr als drei Millionen Menschen unterhalb der 
Armutsschwelle, obwohl sie erwerbstätig sind.

2.Die überflüssigen Milliarden

Zwar hat es der Kapitalismus geschafft, sich über den gesamten Globus auszudehnen und die 
Welt nach seinem Bilde umzugestalten, aber ganze Regionen und die dort lebenden Menschen 
sind zur weiteren Verwertung nicht interessant: einige Regionen Afrikas und der Nahe Osten 
fallen zunehmend aus den weltweiten Wirtschaftskreisläufen heraus, den Menschen dort fehlt 
jede Möglichkeit sich nach den Regeln des Kapitalismus über Wasser zu halten. Schlimmer, 
als sich im Betrieb ausbeuten zu lassen, ist es in diesem Wirtschaftssystem nämlich, nicht 
einmal dazu die Möglichkeit zu haben - also arbeitslos zu sein. Denn wer keine Arbeit hat, 
ist in der Logik des Kapitalismus überflüssig. Das ist das Schicksal von immer mehr 
Menschen auf der ganzen Welt und als Überflüssige werden sie auch behandelt.

Im Kapitalismus wird nicht für die Bedürfnisse der Menschen, sondern nur für den Verkauf 
von Waren produziert. Wer also, wie die "überflüssigen Milliarden", keine Möglichkeit zum 
Gelderwerb hat, für den wird auch nicht produziert. Die steigende Produktivität, die ja 
eigentlich allen ein besseres Leben ermöglichen könnte, verschlimmert so deren Situation 
vielmehr: Weil immer weniger Menschen gebraucht werden, um die wachsenden Warenberge 
herzustellen, erhalten auch immer weniger Menschen einen Lohn, um an diesem Reichtum 
überhaupt teilzuhaben. So zerfallen ganze Gesellschaften: Vor dem politischen Kollaps der 
arabischen Staaten lag die Arbeitslosenquote dort jenseits der 25%.

3. Der Wachstumszwang und die Endlichkeit des Planeten

Wirtschaftliches Wachstum ist Grundlage für das Funktionieren des Kapitalismus - Wachstum 
ist im Kapitalismus ohne jede Alternative. Dieser Zwang, immer mehr zu produzieren, 
hinterlässt immer gravierendere Spuren. Auch wenn mittlerweile kaum noch jemand die 
Umweltkatastrophe leugnet, auf die wir zusteuern, ist innerhalb des Kapitalismus kein 
Kurswechsel möglich. Das zeigt sich am besten am Beispiel der "Klimarettungsmaßnahmen": 
Alle Staaten sind sich immer einig, dass die CO2-Emissionen gesenkt werden müssen und 
haben sich vertraglich dazu verpflichtet. Nichts davon führte je zu einem realen Rückgang 
von Treibhausgasemissionen, im Gegenteil. Nur in einem einzigen Jahr sanken global der 
Ausstoß von CO², nämlich 2009, als zu Beginn der gegenwärtigen Krise weltweit das 
Wirtschaftswachstum einbrach. Das zeigt: Die vielbeschworene Klimarettung ist im 
Kapitalismus nicht möglich. Die notwendigen Emissionsminderungen würden einen Bruch mit 
dem ökonomischen Wachstumszwang notwendig machen. Es gibt keinen "grünen Kapitalismus"!

4. Die Massenflucht aus dem kollabierenden globalen Süden

Außerhalb der Industrienationen nehmen bewaffnete Konflikte, Dürre- Sturm- und 
Flutkatastrophen, Hungersnöte und Armut zu. In den ökonomisch und politisch zerfallenden 
Randbezirken des kapitalistischen Weltsystems - zynisch "dritte Welt" genannt - gibt es 
für große Teile der Bevölkerung schon längst keine Zukunft mehr. Hunderttausende Menschen 
machen sich deshalb in der Hoffnung auf ein besseres Leben auf den Weg nach Europa. Über 
51 Millionen Geflüchtete weltweit sind kein zu akzeptierender Normalzustand, sondern 
Ausdruck einer eskalierenden globalen Krise. Armut und Not sind keine Naturkatastrophen, 
sondern Resultate des kapitalistischen Systems. Es gilt nicht, die Flüchtlinge zu 
bekämpfen, sondern das System, das Menschen zur Flucht zwingt.

5. Schrecken ohne Ende: Die Zukunft im Kapitalismus

Vor 25 Jahren hieß es, mit dem Ende des Ost-West-Konflikts würde es auch keine großen 
Kriege mehr geben. Das war offensichtlich schon in den 90ern falsch, heute aber wirkt die 
Behauptung geradezu grotesk. Kaum eine Weltregion, in der nicht irgendwo Bürgerkrieg 
herrscht, nicht einmal Europa ist noch die Insel des Friedens, für die man sie lange 
hielt. Selbst die herrschende Politik leugnet dies nicht. Finanzminister Schäuble etwa - 
sonst für seinen rigorosen Sparkurs berüchtigt - kündigte an, ab 2017 mehr Geld für die 
Bundeswehr bereitzustellen: Die Welt sei "ein gefährlicherer Ort geworden."
Angesichts solcher Bankrotterklärungen der herrschenden Politik, die auf das globale Elend 
nur die martialische Antwort der immer weiter steigenden Rüstungsausgaben kennt, ist es 
kein Wunder, dass das bürgerliche Glücksversprechen seine Anziehungskraft verloren hat. So 
sind die heute jungen Menschen die erste Generation in der Bundesrepublik, die nicht mehr 
glauben können, es einmal besser als die Eltern zu haben. Für sie klingen selbst die 
moderatesten Forderungen, wie etwa die 35-Stunden-Woche, nach einer unerreichbaren Utopie. 
Festanstellung, ein Häuschen im Grünen und eine sichere Rente sind für immer mehr Menschen 
einem Wechselspiel aus Arbeitslosigkeit, Zeitverträgen, Leiharbeit und unbezahlten 
Praktika gewichen.

6.Kein Zweites Wirtschaftswunder: Der unerfüllbare Traum von der sozialen Marktwirtschaft

Ein Zurück in eine "gute" und gerechtere Soziale Marktwirtschaft, wie sie so viele 
fordern, kann es aber nicht geben. Das sogenannte Wirtschaftswunder der Nachkriegszeit, 
auf das sich viele Befürworter eines "gerechten" Kapitalismus berufen, war eine auf wenige 
westliche Länder beschränkte Ausnahmesituation, für die es heute keine Grundlage mehr 
gibt. Das Kapital steckt seit den 1970er Jahren in einer dauerhaften Verwertungskrise, 
gekennzeichnet durch die massenhafte Produktion von Waren für die es keine KäuferInnen 
gibt. Zwar kaschiert eine künstliche Nachfrage, die durch immer wahnwitziger anmutende 
Schuldenberge finanziert wird, diese Krise - das ihr zu Grunde liegende Problem ist aber 
nichtsdestotrotz real und lässt eine zweite goldene Phase des Kapitalismus nicht zu.

7. Menschenfeindliche Reaktionen auf die Misere

Da das Glücksversprechen des Kapitalismus bröckelt und zur Durchhalteparole verkommt, 
gleichzeitig die sozialistischen Bewegungen auch in der "Dritten Welt" zunehmend 
verschwinden, wenden sich viele Menschen anderen "Weltanschauungen" und Bewegungen zu. 
Diese fallen aber oft hinter die Errungenschaften der bürgerlichen Demokratie zurück: 
Offen menschenfeindliche Ideologien wie der Islamismus, der Hindu-Nationalismus, das 
evangelikale Christentum usw. begeistern nun unzufriedene Massen. Auch in Europa gewinnen 
reaktionäre Bewegungen immer mehr an Bedeutung. So gab es etwa in Deutschland 2014 mehr 
als 150 Angriffe auf Flüchtlingsunterkünfte und fast wöchentlich kommt es zu rassistischen 
Demonstrationen - oft mit Duldung und Unterstützung der gesellschaftlichen Mitte.

8.Die Notwendigkeit einer revolutionären Perspektive

Als Antwort auf die sich zuspitzende Krise und die Austeritätspolitik kam es aber in den 
vergangenen Jahren weltweit auch zu massiven sozialen Kämpfen. Die Bilder des durch 
Protestierende belagerten Parlaments in Athen dürften noch etlichen Menschen im Gedächtnis 
sein. Im vergangenen Jahr kam es in den Balkanländern zu einer kurzen, aber wütenden 
Erschütterung der Staaten, woraufhin sich Versammlungen von Sarajevo bis Tuzla bildeten. 
Am eindrucksvollsten und kontroversesten artikulierte sich das im "Arabischen Frühling": 
Begonnen von säkularen Kräften wurde der Versuch unternommen, sich der Willkür der 
Diktatoren zu entledigen. Mittlerweile sind viele dieser Bewegungen jedoch von neuerlichen 
Diktaturen (Ägypten) oder Bürgerkriegen (Syrien) überrollt worden. Auch die anderen 
globalen Protestbewegungen von Hongkong über die Türkei bis Brasilien waren bisher nicht 
erfolgreich. Diese Beispiele zeigen einerseits, dass die Bewegungen noch lokal isoliert 
sind und begrenzte Ziele verfolgen, sie machen aber auch deutlich, dass sich im 
gemeinsamen Kampf die individuellen Ängste in kollektiven Widerstand verwandeln können - 
abseits von Institutionen wie Gewerkschaften und Parteien und abseits des Staates. 
Mitunter kann darin eine Gesellschaft anklingen die nicht mehr der Logik "JedeR gegen 
JedeN", sondern dem Prinzip "Alle für Alle" folgt. Eine Gesellschaft, in der alle Menschen 
"ohne Angst verschieden sein können".

Das klingt weit weg und utopisch und für eine befreite Gesellschaft gibt es keine 
Blaupause - die autoritären Regime des realsozialistischen Ostens sollten ein mahnendes 
Beispiel sein. Doch nach 200 Jahren technischem Fortschritt im Kapitalismus gibt es keinen 
materiellen Grund mehr, warum Armut und Verzweiflung noch die Menschheit plagen müssen - 
die technischen Mittel, den Kapitalismus zu überwinden sind längst da. Und die einzige 
Alternative ist eine Horrorvision: Das unendliche Fortdauern des unzähmbaren, 
zerstörerischen Kapitalismus.
Gemeinsame Veranstaltungsreihe der Gruppen: Anarchistische Gruppe Freiburg, 
Antifaschistische Initiative Freiburg und La Banda Vaga zum 1. Mai 2015:

Sin Patron - arbeiten ohne Chef

Argentiniens instandbesetzte Betriebe in Belegschaftskontrolle
Als Argentiniens Wirtschaft 2001 zusammenbrach lernten Tausende Werktätige Betriebe unter 
eigener Kontrolle weiterzuführen. Heute gibt es mehrere hundert solcher Betriebe in 
Argentinien, zum Teil von der Regierung kooptiert, zum anderen Teil aber weiterhin im 
Aufstand - wie die Keramikfabrik FaSinPat (Zanón), in der nach wie vor alle den gleichen 
Lohn bekommen und alle die gleiche Stimme in der Vollversammlung haben, der höchsten 
Autorität im Werk. Im Buch, im Original herausgegeben von einem Verlagskollektiv aus 
Buenos Aires, gibt es die Geschichten von 10 derartigen Instandbesetzungen, die in 
Argentinien "recuperación" heißen: Wiederinbetriebnahme, aber auch Genesung. Von Aneignung 
ist meist gar nicht die Rede - die Betriebe gehören sowieso dem Volk. Und 
konsequenterweise versorgen viele fábricas recuperadas ihre Nachbarschaft mit speziellen 
öffentlichen Diensten wie Volksschulen und Benefizveranstaltungen.
Vorgestellt wird das Buch von Daniel Kulla, der es übersetzt, aktualisiert und mit 
Praxisanregungen angereichert hat.

Montag, 27. April 2015, 19 Uhr Haus der Begegnung, Landwasser
Lesung: Work (Crimethinc)

Warum müssen wir, trotz all des technischem Fortschritts, mehr arbeiten als je zuvor? Wie 
kommt es, dass je härter wir arbeiten, wir letztendlich im Vergleich zu unseren Bossen 
umso ärmer werden? Warum konzentrieren sich die Leute einzig darauf, ihre Jobs zu retten, 
wenn die Wirtschaft zusammenbricht - obwohl eigentlich von vornherein keine*r die Arbeit 
mag? Kann der Kapitalismus ein weiteres Jahrhundert der Krisen überstehen?

Übesetzt von einer Crew rund um den anarchistischen Mailorder black mosquito ist das Buch 
"Work" nun auch auf deutsch erschienen. Ursprünglich wurde es vom CrimethInc-Collective in 
den USA herausgegeben. Wir laden ein zu Lesung, Buchvorstellung und anschließender 
Diskussion mit Mitgliedern des Übersetzungskollektivs.

Mittwoch, 29. April 2015, 19 Uhr Hofcafé Corosol, Stühlinger

"Wohin das Kapital auch geht, der Konflikt folgt ihm"

Seminar zu weltweiten Arbeiter_innenunruhen mit Christian Frings

Oft dominiert in Diskussionen um die Globalisierung das Bild immer schlechter werdender 
Arbeitsbedingungen, sogar vom Verschwinden der Arbeiter_innenklasse ist immer öfter die 
Rede. Dieser Vorstellung eines "Wettlaufs nach unten" stellt die amerikanische Autorin 
Beverly Silver in ihrem Werk "Forces of Labor" den umfassenden Versuch, die Dynamiken und 
Muster des weltweiten Klassenkonflikts zu analysieren entgegen. Der Frage nach der Zukunft 
der internationalen Weltarbeiter_innenklasse folgend untersucht Berverly Silver die 
Entwicklung und räumliche Verlagerung von Arbeiter_innenkämpfen der letzten 150 Jahre, 
ohne diese auf die organisierten Arbeiter_innenbewegungen zu reduzieren.
Am Sonntag den 10. Mai wollen wir mit euch und unserem Gast Christian Frings über die 
Grundlagen, die politischen Implikationen und die Aktualität dieses Konzepts diskutieren. 
Zur Vorbereitung des Seminars stellen wir frühzeitig mehrere Textausschnitte auf unsere 
Hompage. Diese sollten von allen Teilnehmer_innen für das Seminar gelesen werden.
Sonntag, 10. Mai 2015, 14-18 Uhr Fabrik, Habsburger str. 9

Flüchtlingselend und Systemkrise

Vortrag von Thomas Konicz zu globalen Fluchtursachen

Über 50 Mio. Flüchtlinge gibt es zurzeit auf der Welt; nach dem Zweiten Weltkrieg hat es 
nie mehr gegeben. Nur die wenigsten von ihnen schaffen es bis in unsere Breitengrade und 
noch viel weniger schaffen es überhaupt, der steigenden Zahl gewaltträchtiger Konflikte 
und der nicht-abnehmen-wollenden Armut zu entkommen. Was es mit diesen Krisentendenzen 
weltweit - als den Hauptursachen für steigende Flüchtlingszahlen - auf sich hat und warum 
in diesem krisenhaften Zusammenhang brutalste Phänomene wie ISIS um sich greifen, wird uns 
der freie Autor und Journalist Tomasz Konicz darlegen.
Montag, 11. Mai 2015, 20 Uhr Uni Freiburg, Kollegiengebäude 1, HS 1098
Infostand am 1. Mai 2015
Vormittag: Stühlinger Kirchplatz
Nachmittag: Straßenfest im Grün (Adlerstr. / Rempartstr.)

http://www.ag-freiburg.org/cms/texte/alles-veraendern-antikapitalistische-veranstaltungsreihe-zum-1-mai


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