(de) FAU-IAA - Abschied von Emmely -- Kategorien: Nachruf Allgemeines Syndikat

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Tue Mar 31 16:18:05 CEST 2015


Mit Bestürzung haben wir vom Tod von Barbara "Emmely" Emme erfahren. Emmely war ein 
Vorbild für ArbeiterInnen die um ihre Würde und um ihre Rechte kämpfen. Die FAU erklärte 
sich stets solidarisch mit ihren Engagement gegen die Willkür der Arbeitgeber von der 
Verkaufskette Kaisers. Insbesondere als Verkäuferin war sie mit ihren gewerkschaftlichen 
Engagement und ihrem Durchhaltewillen in einem gewerkschaftsfeindlichen Arbeitsumfeld eine 
bewunderswerte Vorkämpferin! Mit Emmely verliert die Gewerkschaftsbewegung einen 
großartigen, stets engagierten Menschen. Wir wünschen ihren FreundInnen, nahestehenden 
UnterstützerInnen und ihrer Familie Kraft und Mut auf ihren weiteren Weg. ---- Wir 
dokumentieren hier ein Schreiben des "Komitee Solidarität mit Emmely"
?
Quelle: nrzh.de, Foto: Uwe Pohlitz, Erfurt

"Emmely ist tot.

Barbara Emme, auch bekannt als Emmely, ist in der Nacht von Montag auf Dienstag 
überraschend an Herzversagen gestorben, sie wurde 57 Jahre alt.  Sie hat 1977 begonnen, 
bei der HO (Handelsorganisation) zu arbeiten, und war damit 38 Jahre im selben 
Arbeitsverhältnis im Einzelhandel tätig.

  Einer breiteren Öffentlichkeit bekannt wurde sie durch den Kampf gegen ihre Kündigung. 
Die Kaiser's-Tengelmann AG hatte ihr im Februar 2008 kurz nach dem Streik im Einzelhandel 
gekündigt, Emmely hatte für ihre Gewerkschaft ver.di die Streikliste in ihrer Filiale in 
Berlin-Hohenschönhausen geführt.  Die Kaiser's-Tengelmann AG kündigte , Emmely wegen des 
Verdachts, sie habe Pfandbons zu insgesamt 1,30 Euro, die ein Kunde im Laden verloren 
hatte, zu Unrecht eingelöst.

Ihre Gewerkschaft hatte ihr immer wieder geraten, eine Abfindung zu akzeptieren, aber 
Emmely ging trotz zwei verlorener Verfahren beim Arbeitsgericht und Landesarbeitsgericht 
in Berlin vor das Bundesarbeitsgericht in Erfurt.  Alle drei Gerichte gingen davon aus, 
dass Emmely die Pfandbons zu Unrecht eingelöst hatte. Emmely hat diesen Vorwurf immer 
abgestritten.  Trotzdem gab das Bundesarbeitsgericht im Juni 2010 der Klage Emmelys gegen 
die Kündigung statt, indem es die Kündigung als unverhältnismäßig einstufte und Emmely 
erhielt ihren Arbeitsplatz zurück.

Für Emmely bedeutete der Kampf gegen die Kündigung einerseits viel Unterstützung durch die 
Öffentlichkeit, neue Bekanntschaften in ganz Deutschland und viele neue Erfahrungen, aber 
auch eine hohe nervliche Belastung: ständig wollte die Presse mit ihr sprechen, Juristen 
der Arbeitgeberseite bezeichneten sie als "notorische Lügnerin", sie musste in eine 
kleinere Wohnung ziehen und der Ausgang des Verfahrens war ungewiß.  Ihre Berühmtheit war 
ein hohes Risiko: Wer will schon eine engagierte Gewerkschafterin einstellen, die ihre 
Renitenz sogar in der Show von Johannes B.  Kerner bekräftigt?

  Es war beeindruckend, mit welcher Energie und welchem Trotz, die auch aus Stolz auf die 
von ihr geleistete Arbeit rührten, sich Emmely gegen die Anschuldigungen gegen sie und dem 
Verlust ihres Arbeitsplatzes gewehrt hat.  Noch am selben Tag, an dem Sie ihren zweiten 
Prozess verloren hatte und unter Tränen zur Presse sprach, fuhr sie mit ihrem Anwalt, 
Benno Hopmann, nach Hamburg, um abends im Fernsehen aufzutreten.  Niemand von den 
erfahrenen AktivistInnen, die sie unterstützt haben, hätte dazu den Mut aufgebracht.  Wir 
haben ihr sogar abgeraten, doch Emmely hatte keine Scheu davor.  "Jetzt erst recht." - 
dies war die Haltung, die sie ausgestrahlt hat.

  Nach ihrem Erfolg vor dem Bundesarbeitsgericht erhielt Emmely erst einmal auch den 
Urlaub und den Lohn für mehr als 2 Jahre und konnte so an der Weltfrauenkonferenz in 
Venezuela im Jahr 2010 teilnehmen.  An ihrem alten neuen Arbeitsplatz erhielt sie 
weiterhin viel Zuspruch von KundInnen und auch von MitarbeiterInnen, oft erhielt sie 
kleine Geschenke oder wurde nach Autogrammen gefragt.  Sie blieb weiterhin politisch 
engagiert, hat regelmäßig ihren Bildungsurlaub bei einer von GewerkschafterInnen 
organisierten Reise nach Frankreich verbracht und lernte dort viele AktivistInnen kennen, 
die wie sie gegen Ungerechtigkeit und Ausbeutung kämpften.  Im Einzelhandelsstreik 2013 
hat Emmely sich an Aktionen beteiligt, bei denen Berliner Beschäftigte KollegInnen in 
Brandenburg mit der Blockade einer Supermarktfiliale unterstützt haben.

Bei den Betriebsratswahlen 2014 wurde sie bei Kaisers in den Betriebsrat gewählt.  Wenige 
Monate später hat Kaisers Tengelmann das Aus für die Lebensmittelkette verkündet, die nun 
zwischen Edeka und Rewe aufgeteilt werden wird.  Emmely klagte häufig über lange 
zehnstündige Schichten, die sie sehr erschöpft haben. Zuletzt hat Emmely sich in einem 
Bündnis von GewerkschafterInnen gegen das Tarifeinheitsgesetz engagiert.  Ihr 
Bildungsurlaub in Frankreich im April dieses Jahres wurde nach langem Hin und Her mit dem 
Arbeitgeber genehmigt.  Sie kann ihn nicht mehr antreten. Emmely hinterläßt drei Töchter. 
  Wir werden Sie nicht vergessen.

An Emmelys Fall wurden Bagatell- und Verdachtskündigungen breit diskutiert und kritisiert. 
  In mehreren Städten der BRD fanden Veranstaltungen statt.  Zahlreiche vergleichbare 
Fälle wurden in den Medien aufgegriffen.  Emmelys Erfolg vor dem Bundesarbeitsgericht kam 
für alle erfahrenen Beobachter völlig überraschend.  Unmittelbar danach gewannen mehrere 
gekündigte ArbeiterInnen ihre Bagatellkündigungen vor Arbeitsgerichten, die zuvor immer zu 
Gunsten der Arbeitgeber geurteilt hatten.

ArbeitsrechtlerInnen beobachteten danach einen Rückgang von Bagatellkündigungen, aber auch 
eine Anpassung der Arbeitgeber: Die Zunahme von Abmahnungen auf Vorrat und die Hortung von 
abgelaufenen Abmahnungen in Parallelakten, um ArbeiterInnen weiterhin prozessfest kündigen 
zu können.

Nach unserem gegenwärtigen Wissenstand möchte die Familie eine Beerdigung im kleinen Kreis 
ohne öffentliche Aufmerksamkeit.

Aus dem Komitee "Solidarität mit Emmely": Jörg, Willi, Gregor"

Auch der FAU Berlin wird Emmely stets in Erinnerung bleiben. Ihr Engagement sollte für 
alle GewerkschafterInnen Inspiration sein weiter voran zu schreiten.

Emmely, möge die Erde dir leicht sein!

https://berlin.fau.org/news/emmely-ist-tothame-missstaende-


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