(de) fda-ifa, rauchzeichen aus frankfurt am main

a-infos-de at ainfos.ca a-infos-de at ainfos.ca
Tue Mar 24 10:35:30 CET 2015


viele tausend menschen nahmen am 18.03.2015, dem tag der eröffnung des neuen ezb-gebäudes 
in frankfurt am main, an unterschiedlichsten aktionen teil und drückten damit vieles aus. 
---- als wir um 6 h 45 morgens völlig ohne vorkontrollen in frankfurt ankamen, erkannten 
wir gleich, dass einige auf krawall gebürstet waren: neben dem verglasten, neuen  tower 
der ezb stieg eine große, dunkle rauchwolke auf. ---- angekommen am blockadepunkt 
flösserbrücke/schöne aussicht waren schon einige hundert menschen da und blockierten die 
kreuzung. es war ein bunter haufen: von parteimenschen über gewerkschaftler*innen bis hin 
zu gut ausgerüsteten aktivist*innen war so ziemlich das gesamte linke spektrum vertreten. 
die straßen rund um den blockadepunkt waren verstopft. da ging nichts mehr für menschen, 
die zur lohnarbeit mussten.

die sonnemannstraße in richtung ezb war von bullen abgesperrt, als um 7 uhr 05 die 
blockade darauf losstürmte, um die party von draghi und co zu stören. die bullen 
reagierten, wie wir es in deutschland nicht gewöhnt sind: sie schossen mit 
tränengaskartuschen in die menge. auf so etwas nicht vorbereitet zogen sich die menschen 
nach einem kurzen scharmützel schnell zurück. viele waren desorientiert, bekamen keine 
luft, konnten kaum etwas sehen. ein trost war, dass viele bullen ihr eigenes gas in die 
fressen bekommen haben...
der orga sei dank, waren viele demosanitäter*innen vor ort und konnten verletzte und 
tränengasgeschädigte versorgen.

nun begann ein mehrstündiges katz-und-maus-spiel: nachdem einige leute mülltonnen, 
chemietoiletten, baustellenmaterial und vieles andere auf die straße gezerrt und den 
ganzen haufen angezündet hatten, wollten die bullen die kreuzung unbedingt räumen, was 
ihnen immer wieder gelang. im gegenzug konnte der blockadepunkt aber auch immer wieder 
besetzt werden, trotz völlig aufgedrehter cops, wasserwerfern, tränengas, pfefferspray und 
knüppeln.
zuletzt wurde die kreuzung den bullen überlassen und versucht auf anderen brücken über den 
main zu kommen, doch diese wurden schnell von den bullen dicht gemacht.

nach und nach begaben sich die menschen in kleingruppen über umwege auf die nordseite des 
flusses und viele suchten den weg zum no-troika-center naxos, um dort etwas zu essen und 
die eindrücke und blessuren des langen und intensiven vormittags zu verarbeiten. auf dem 
weg dorthin kam mensch an unzähligen überresten von riots vorbei: überall waren 
schaufenster zersört, lagen steine und andere gegenstände auf der straße. die polizeiwache 
auf der zeil war (wieder mal...) gesmasht und auf dem bullenparkplatz direkt davor waren 
vier schwarze, klumpige rechtecke zu erkennen, die kläglichen überreste von 
einsatzfahrzeugen (hier könnt ihr ein polizeivideo anschauen, das währenddessen aus dem 
inneren der wache aufgenommen wurde. achtung! bullentwitter: 
twitter.com/Polizei_Ffm/status/578160253193363456). in den parkanlagen lümmelten unzählige 
aktivist*innen herum und erholten sich.

das naxos war völlig überlaufen, die schlange an der vokü länger als lang. aber das tat 
der stimmung keinen abbruch: die leute waren zwar erschöpft, viele waren schon seit den 
frühen morgenstunden auf den beinen, aber gut gelaunt. mit spannung wurde der verlauf des 
restlichen tages erwartet. gerüchte, dass die bullen die abschlussdemo nicht laufen lassen 
würden, machten die runde. überall wurden die erlebnisse des vormittags diskutiert: viele 
waren darüber überrascht, dass die bullen (auch entgegen vorheriger aussagen) tränengas 
eingesetzt hatten und das auch noch in solchen mengen.
immer mehr menschen, aus gesas, den kesseln und von anderen blockadepunkten, strömten zum 
naxos, so dass eine art schichtwechsel erbeten wurde: wer gegessen und getrunken hatte, 
solle bitte platz für die neu ankommenden machen.

so begaben sich viele in einer art demo in richtung römer/paulskirche, wo gerade die 
kundgebung zwischen der dgb- und der abschlussdemo stattfand. der platz war schon gut 
gefüllt und es kamen immer mehr menschen: das mussten weit über die anvisierten 10 000 
sein. unzählige redner*innen, hauptsächlich irgendwelche polit-prominenz, aber auch 
aktivist*innen aus anderen eu-ländern hielten ihre reden, während die mehrheit der leute 
in der sonne ausspannte und sich für die demo aussruhte.

kurz nach 17 uhr gings dann los: die blöcke stellten sich auf. in den ersten reihen, das 
fronttransparent in den händen, ging der frauen-und-lesben-block. ganz vorne wurde die 
demo von einem massiven bullenaufgebot begleitet. jede seitenstraße war von starken 
bulleneinheiten blockiert, um zu verhindern, dass leute aus der demo ausscherten. der 
demozug nahm kein ende. das waren auf jeden fall weitaus mehr als 10 000 menschen und die 
stimmung war trotz oder wegen (wer weiß das schon?) der morgendlichen action gut und 
ausgelassen. gegen 18 uhr erreichte die demospitze die alte oper, wo die 
abschlusskundgebung stattfinden sollte. der platz füllte sich rasch. eng gedrängt standen 
die vielen tausend menschen und waren wohl auch froh, dass der anstrengende tag zu ende ging.

rückblickend empfand ich den tag als ein wechselbad der gefühle: wir waren mit wut im 
bauch gekommen, um gegen ein symbol der unmenschlichen eu-politik zu protestieren. manche 
wollen diese politik reformieren, manche wollen etwas ganz anderes. der spagat an diesem 
tag in den straßen (und wohl auch im blockupy-bündnis) war ein sehr breiter und viele 
transparente, schilder und parolen lösten bei mir entweder ein lachen oder einen brechreiz 
aus: mit was für leuten bin ich hier unterwegs? dennoch machten die aktionen, seien es die 
blockaden, die riots, die demos oder die reden, klar, dass immer mehr leute keinen bock 
mehr auf was auch immer (hier bitte entsprechendes einfügen...) haben. wie immer finde ich 
es an solchen tagen schön zu sehen, wie viele menschen sich dann trauen, sich selbst zu 
ermächtigen. und das gegenüber einer militärisch hochgerüsteten bullenarmee, die vor fast 
nichts mehr zurückschreckt (warum tragen bullen bei demoeinsätzen eigentlich 
schusswaffen?). einfach mal den bullen rechts liegen lassen und trotzdem weiter 
blockieren. gemeinsam mit anderen dem räumungsversuch durch robocops widerstehen. 
hindernisse auf straßen bauen, obwohl das ja eigentlich ein gefährlicher eingriff in den 
straßenverkehr sein könnte. eine markierte kreidelinie überschreiten. einen brutalen 
bullen angehen.

das bullenaufgebot war erschreckend groß und die materialschlacht völlig irre. mindestens 
vier helikopter, ein flugzeug, angeblich 28 wasserwerfer, panzerfahrzeuge, schiffe der 
wasserpolizei, unzählige wannen, kamerawagen. 8000 bullen in immer perfekteren rüstungen 
bis an die zähne bewaffnet zeigten in kombination mit einem enormen gewaltpotenzial, dass 
wir, wenn es hart auf hart kommt zur zeit auf den straßen keine chance haben: wenn sie uns 
weg haben wollen, schaffen sie das auch. jede*r, der*die gestern tränengas abbekommen hat, 
weiß, was ich meine. der nächste schritt bei solchen großveranstaltungen werden weitere 
non-lethal-weapons sein: flashballs, lärmgranaten, blendgranaten, etc. es gibt viele 
weitere spielzeuge, die sie in petto haben. der g7-gipfel steht vor der tür...

auf unserer seite wurde enormes geleistet: eine bundesweite mobilisierung, begleitet von 
vielen kreativen und militanten aktionen im vorfeld, pressearbeit, die verpflegung durch 
die genialen veganen voküs, die schlafplatzbörse, die infopunkte, mahnwachen, der 
ermittlungsausschuss, die demo-sanitäter*innen, die out of action, das info-telefon und 
vieles andere. weit mehr als 10 000 menschen, die dann an diesem tag unter der woche 
teilweise von sehr weit her anreisten, um einen ganzen tag bei aktionen am start zu sein 
und ihr bestes zu geben. das ist cool.

smash capitalism. start everywhere.

[fotos zum vergrößern anklicken.]

http://fda-ifa.org/rauchzeichen-aus-frankfurt-am-main/


More information about the A-infos-de mailing list