(de) FdA-IFA - Gai Dào #51 - Erfahrungsbericht: Die CRIFA in Paris Von: Ben (Referat Internationales)

a-infos-de at ainfos.ca a-infos-de at ainfos.ca
Mon Mar 23 11:11:16 CET 2015


Im Februar 2015 traf sich in Paris die 'Kommission der Beziehungen der Internationale der 
Anarchistischen Föderationen' ('Commission de Relations de l'Internationale des Fédératons 
Anarchistes'/CRIFA). Die CRIFA ist das in der Regel halbjährlich stattfindende Treffen der 
IFA, in der 10 anarchistische Föderationen, größtenteils aus Europa, organisiert sind. Da 
Kongresse bestenfalls nur alle 4 Jahre stattfinden, sind diese Treffen für das 
Funktionieren der Internationale sehr wichtig. Sie werden vom Sekretariat der IFA 
geleitet, das zu jedem Kongress wechselt und aktuell von der französischen Föderation 
ausgefüllt wird. ---- Es war meine erste CRIFA und als ich mich freitags auf den Weg nach 
Paris machte, war ich deshalb gespannt, was mich dort erwarten würde.

Spät abends in der französischen Hauptstadt angekommen, wurde ich an der Metrostation 
abgeholt. Ich übernachtete bei einem französischen Anarchisten, der nahe der 
Sitzungsräumlichkeiten wohnt und die CRIFA mit organisiert hatte.

Das Treffen fand statt in einem sozialen Laden der Federation anarchiste (FA) in einem 
Pariser Banlieu, wo diese ökologisch und fair gehandelte Lebensmittel verkauft (ohne 
festen Preis, jeder zahlt wieviel er will und kann) und eine politische Bücherei betreibt. 
Der Raum war für seine vielfältige Nutzung erstaunlich klein, reichte für die ca. 25 am 
Treffen teilnehmenden Personen aber aus.

Nach Frankreich gekommen waren Vertreter*innen aus Italien, Spanien, Britannien, Slowenien 
und von der FdA sowie Gäste aus Griechenland, der Türkei und Kurdistan.

Die CRIFA begann mit der Vorstellung der Berichte der Föderationen der IFA. Immer wieder 
musste dabei staatliche Repression angesprochen werden: die slowenisch-kroatische FAO 
wartet das Ende auf zwei Gerichtsverfahren gegen ihre Genoss*innen, in Italien wurde die 
von der FAIt unterstützte NoTAV-Bewegung gegen eine Hochgeschwindigkeits-Zugstrecke mit 
1000 Anklagen überhäuft und die spanische 'Operation Pandora', bei der Anarchist*innen als 
Terroristen festgenommen worden waren, hatte internationale Aufmerksamkeit erregt.

Danach beschäftigten wir uns mit Orten und Terminen der nächsten CRIFAs und strukturellen 
Angelegenheiten der Internationale.

Positive Berichte aus Lateinamerika prägten dann den Nachmittag. In der GaiDao konnte man 
schon den Aufruf für eine Anarchistische Föderation der Karibik (Nr. 47) und den Bericht 
von einer anarchistischen Buchmesse in Sao Paulo in Brasilien (Nr. 48) lesen. Nachdem 
mehrere anarchistische Föderationen Interesse bekundet haben, scheint es nun möglich, dass 
die IFA (neben momentan einer Gruppe aus Argentinien) weitere Mitglieder in Lateinamerika 
gewinnt.

Am Abend spazierten wir zusammen zu einem anderen sozialen Zentrum der (Vor)Stadt, wo der 
Genosse der 'Revolutionären Anarchistischen Aktion' ('Devrimci Anarsist Faaliyet'/DAF) 
einen Vortrag zur Lage in der Türkei und in Syrien hielt. Danach ließen wir mit dem 
Abendessen bei klassischer Musik einen langen Tag ausklingen.

Am nächsten Morgen setzte der türkische Anarchist, jetzt intern, seinen Bericht fort. Die 
DAF existiert seit 8 Jahren und besteht aus verschiedenen Untergruppen (z. B. einer 
Frauenorganisation, der anarchistischen Jugend und einem ökologischen Kollektiv). Sie ist 
in verschiedenen Kämpfen aktiv und gibt eine monatliche Zeitung heraus, die auf der Straße 
und in Infoläden verteilt wird. Aufgrund ihrer Beteiligung am kurdischen Befreiungskampf 
gewinnt sie in Kurdistan Mitglieder und Unterstützer. Trotz dieses Erfolgs sind ihre 
Beziehungen mit der PKK gut und wird sie von dieser nicht als Konkurrenz gesehen.

Danach wurde über ein Mediterranes Treffen, das im Oktober in Athen stattfinden soll, 
gesprochen. Beginnen soll es in den nächsten Monaten mit drei "Brücken der Solidarität" 
zwischen Griechenland sowie Südeuropa, dem Balkan und dem östlichen Mittelmeerraum. Die 
IFA unterstützt dieses Projekt.

Am Nachmittag wurde noch die Einladung zu einem internationalen anarchistischen 
Radiotreffen in Ljubljana vorgestellt sowie ausführlich über anarchistische Solidarität 
mit Rojava diskutiert.

Als ich von Paris zurück nach Deutschland fuhr, war ich voll beeindruckender und 
inspirierender Erlebnisse über die Vielfalt der anarchistischen Bewegung weltweit. Vieles, 
was mir bisher weit weg und abstrakt schien, hat mir dieses Wochenende nähergebracht und 
veranschaulicht.


More information about the A-infos-de mailing list