(de) berlin.fau.org - Mall of Shame: Konflikt um ausstehende Lohnzahlungen für Bauarbeiter der "Mall of Berlin"

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Wed Mar 18 11:56:33 CET 2015


Mall of Shame - erbaut auf Ausbeutung - Die Chronik
Für den Bau des Shopping- und Wohnungs-komplexes "Mall of Berlin", der im Herbst 2014 
trotz unfertiger Baustellen und Mängeln beim Brandschutz feierlich eröffnet wurde, haben 
verschiedene Subunternehmen - nach Aussagen der Kollegen - hunderte Arbeiter aus Rumänien 
für kaum sechs Euro Stundenlohn zehn Stunden am Tag schuften lassen. Am Ende wurde nicht 
einmal dieser rechtswidrig niedrige Lohn vollständig an die Arbeiter ausgezahlt. ---- 
[Mall of Shame] Neuigkeiten ---- Veröffentlicht am 16.03.2015 -- Kategorie: Mall of Berlin 
---- +++ Klagen eingereicht +++ Kundgebung vor Metatec in Kreuzberg +++ Erneute Demo 
angedacht +++ Mall-Anwalt will Namen unserer Anmelder +++ BSS-Prozess in Frankfurt +++ 
Chronik online +++ ---- Die Klagen: ---- Nach langer Vorbereitung und den vergeblichen 
Versuchen die Verantwortlichen zu außergerichtlichen Einigungen zu bewegen wurden nun am 
Freitag per Fax die Klagen gegen die openmallmaster GmbH eingereicht. Sollte diese Firma 
nicht zahlen, greift die Klage auf die insolvente ex-Generalübernehmerin FCL und die HGHI 
durch.

Die Klagen werden heute (Montag) um 11 Uhr in Anwesenheit von Mall-Arbeitern und unserer 
Anwälte beim Arbeitsgericht eingeworfen.

Metatec-Ausbeuter: Bezahlt die Arbeiter!

Nochmals wird die FAU Berlin an diesem Mittwoch in der Prinzissenstraße 8, von 14 Uhr bis 
16 Uhr am Firmensitz von Metatec in Kreuzberg protestieren. Auch gegen Metatec werden in 
Kürze Klagen vor dem Arbeitsgericht eingereicht werden.

Mall of Shame - Pay the Workers: Vol. 2 geplant

Die FAU Berlin erwägt eine erneute Demonstration rund um die Mall of Shame. Angesichts der 
Tatsache, das die Mall nichts für die Ausbezahlung der Arbeiter und der Aufklärung der 
Ausbeutungsvorwürfe geleistet hat - wir denken, die Gründe dafür sind offensichtlich - 
wird es Zeit erneut an diesem Symbol für die Ausbeutung migrantischer ArbeiterInnen 
vorbeizuziehen. Wir wollen den Verantwortlichen die Hoffnung nehmen den Konflikt einfach 
auszusetzen, zumal selbst die "Verurteilungen" aus der Politik zahnlose Sprechblasen blieben.

Dafür zieht die FAU Berlin eine zweite Demo ernsthaft in Betracht.

Mall-Anwalt will Namen unserer Anmelder

Mall-Anwälte haben Mitte Februar bei der Versammlungsbehörde ein Auskunftsersuchen auf die 
Namen unserer Anmelder gestellt, mit dem Hinweis auf angestrengte juristische Schritte. 
Der FAU Berlin ist von all dem bisher nichts bekannt. Ebenso passiert dies nicht etwa zu 
Beginn der Proteste. Nein, man wartete bis die Berichterstattung abebbte um nun mit diesem 
Einschüchterungsversuch weitere Proteste der FAU Berlin zu unterbinden. Die FAU Berlin hat 
dagegen juristische Mittel eingelegt.

BSS-Prozess in Frankfurt

Die FAU Berlin stieß bereits früh in Recherchen auf die Firma Beton-System-Schalungsbau 
(BSS) GmbH. Diese war vor Fettchenhauers FCL mit 99% Anteilen an der "Arbeitsgemeinschaft 
Leipziger Platz" als Generalübernehmerin beteiligt. Die BSS ging 2013 insolvent. Auch in 
dieser Firma war Fettchenhauer als Gesellschafter, "Assistent" - und später als "Mitglied 
der Geschäftsführung" tätig. Für die BSS trat er an der Mall of Berlin auch schon hier als 
Pressesprecher auf. Gegen seinen Mitgesellschafter und Geschäftsführer der BSS, Peter 
Kories, wird nun neben sieben weiteren Angeklagten in Frankfurt der Prozess gemacht. Die 
BSS stand im Fokus mehrjähriger Ermittlungen. Die Vorwürfe gegen Kories und Co.: 
Hinterziehung von Steuern und Abgaben, Vorenthaltung von Arbeitsentgelt, Bestechlichkeit 
und Betrug. All diese Vorwürfe wurden medial auch bei der Mall of Berlin aufgeworfen. 
Wundern tut uns das nicht...

Die FAU Berlin konnte eine Prozessbeobachtung organisieren und hofft eventuelle 
Rückschlüsse auf den Fall der Mall of Berlin ziehen zu können.

Chronik Online:

Die Chronik zum Lohnkampf rund um die Mall of Shame ist nun online. 
https://berlin.fau.org/text/mall-of-shame-die-chronik

https://berlin.fau.org/news/mall-of-shame-neuigkeiten
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Ein Bauarbeiter erklärt: "Uns wurde nicht nur der Lohn vorenthalten. Wir haben mehrfach 
Willkür und Drohungen (auch von Gewalt) erfahren. Uns wurden schriftliche Arbeitsverträge 
vorenthalten und es wurden gar keine oder völlig unzureichende und überteuerte Unterkünfte 
gestellt." Auf vielen deutschen Baustellen scheint solch üble Ausbeutung und 
menschenunwürdige Behandlung nicht unüblich zu sein. Neu ist nun, dass sich die geprellten 
Arbeiter zur Wehr setzen! Eine Gruppe dieser Arbeiter hat sich in der Gewerkschaft FAU 
Berlin organisiert, um für die  ausstehenden Löhne zu kämpfen.

Ein weiterer Kollege sagt: "Ich hatte zwei Ziele, als wir mit den Protesten begonnen 
haben: Erstens wollte ich um unsere Würde kämpfen, zweitens um das Geld." Dann hält er 
inne: "Ersteres haben wir schon geschafft." Mit tagtäglichen Kundgebungen und einer 
lautstarken Demonstration machte die Basisgewerkschaft in der Vorweihnachtszeit 2014 die 
"Mall of Shame" zum Symbol der Ausbeutung migrantischer ArbeiterInnen aus dem EU-Ausland 
und, so schreibt die Märkische Allgemeine Ende Januar, "zum Gegenstand der 
Berichterstattung sämtlicher Berliner Medien".

Der Bau der "Mall of Berlin" soll nach rbb-Angaben ca. eine Milliarde Euro gekostet haben. 
In Auftrag gegeben wurde er von der HGHI Leipziger Platz GmbH, die Ausführung übernahm 
eine "Arbeitsgemeinschaft Leipziger Platz N° 12" unter Geschäftsführung der inzwischen 
insolventen Fettchenhauer Controlling und Logistic GmbH. Direkt verantwortlich für den 
Lohnbetrug sind die Subunternehmen Metatec-Fundus GmbH & Co. KG aus Berlin-Kreuzberg sowie 
openmallmaster GmbH aus Frankfurt am Main, jedoch liegt die Hauptverantwortung für die 
Zustände auf der Baustelle bei der "Arbeitsgemeinschaft" und letztlich beim Auftraggeber.

Diese Verantwortung besteht nicht nur moralisch, sondern auch nach dem Gesetz: "Ein 
Unternehmer, der einen anderen Unternehmer mit der Erbringung von Werk- oder 
Dienstleistungen beauftragt, haftet für die Verpflichtungen dieses Unternehmers ... zur 
Zahlung des Mindestentgelts an Arbeitnehmer oder Arbeitnehmerinnen ... wie ein Bürge".

Die FAU Berlin setzt die gewerkschaftlichen Proteste auch 2015 fort und unterstützt die 
Kollegen dabei, nun auch vor dem Arbeitsgericht Berlin zunächst Klage gegen die 
Subunternehmen zu erheben. Denn: Die Ausbeutung muss ein Ende haben.

Wir haben eine Petition eingerichtet: Wenn ihr eure Solidarität kundgeben wollt, dann 
unterschreibt doch hier und hinterlasst einen Kommentar: change.org.

Der Arbeitskampf ist kostenintensiv. Derzeit betreut die FAU mehrere weitere Konflikte und 
gewerkschaftlichen Aktivitäten die ebenfalls unsere Kasse strapazieren. Wenn ihr also den 
Kampf unterstützen wollte, könnt ihr uns spenden: Spendenaufruf.

https://berlin.fau.org/kaempfe/mall-of-shame


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