(de) FdA-IFA, Diskussionsbeitrag: Stadtentwicklung - von Blog der Libertären Aktion Frankfurt (Oder)

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Mon Mar 16 15:18:05 CET 2015


...anstelle eines Yachthafens[1], der für eine privilegierte Elite nutzbar ist und für den 
ein weiteres Stück grün in Frankfurt weichen musste, würde in der Lebuser Vorstadt ein 
Naturerholungszentrum entstehen, von dem jede*r profitiert. Natürlich ohne das umliegende 
Gebiet danach zu einer Gegend zu erklären, die im Nachhinein durch höheren Marktwert und 
Wohlfühlfaktor und damit verbunden steigenden Mieten wieder nur für einen privilegierten 
Teil der Bevölkerung bewohn- und deshalb direkt nutzbar ist. Nehmt auch den Bau eines 
Luxuseinkaufszentrums[2] an der Oderbrücke nicht einfach so hin, hinterfragt ihn. Birgt es 
vielleicht mehr Risiken, als dass es Nutzen bringen wird - bringt es die restlichen, übrig 
gebliebenen Einzelhandelsgeschäfte in der Magistrale in Gefahr?[3] Erhöhen im Konsumtaumel 
schwebende Menschen und das Abtauchen in eine vorübergehend zufriedenstellende Scheinwelt 
wirklich unsere Zufriedenheit? Würde nicht vielleicht die Umwandlung der Gegend um die 
Stadtbrücke in eine Kreativfläche, die für alle Menschen und Initiativen nutzbar ist, 
unsere Lebensqualität erhöhen? Oder eventuell doch ein internationaler Wochenmarkt mit 
frischem Obst und Gemüse und kulturellen Beiträgen?

Manchmal kommen wir um Abriss einfach nicht drum herum. Aber müssen deshalb halbe 
Stadtteile dem Erdboden gleichgemacht werden[4] und im gleichen Atemzuge die Innenstadt in 
einer Art und Weise aufgewertet werden, die die sozial schwächsten in unserer ohnehin von 
monetären Werten geprägten Gesellschaft einfach nicht mitdenkt, sondern ausschließt.[5] 
Eine Aufwertung, die auch zunehmend Einzelhändler*innen das Leben schwer macht, und die 
die Entwicklung in der Innenstadt mehr und mehr zahlungsstarken Privatinvestor*innen 
überlassen, die im Allgemeinen nicht nach der Meinung der Stadtbevölkerung fragen.[6] Wir 
denken, dass Lebensqualität in gemeinschaftlichem Handeln und Miteinander schneller 
wachsen kann - zu diesem Miteinander gehört auch das Mitdenken in irgendeiner Art und 
Weise sozial schwächer gestellter Menschen. Wie sonst sollte man geprägt von Existenzangst 
und Daseinszwängen eine Motivation dafür entwickeln, sich am gesellschaftlichen Leben zu 
beteiligen? In Frankfurt (O.), einem Ort, der im herrschenden System ohnehin viele 
berechtigterweise unzufriedene Menschen hervorbringt, ist diese Demotivation tagtäglich 
sichtbar. Diese äußert sich aber viel zu oft in offen zur Schau getragenem Rassismus und 
der Abwertung vermeintlich ,,anderer" Menschen, um seine eigene, vermeintliche soziale 
Besserstellung aufgrund einer bestimmten Staatszugehörigkeit zu manifestieren.[7]

Das Lichtspieltheater der Jugend war ein kleiner Lichtblick. Viele Menschen aus Frankfurt 
(Oder), auch Menschen, die nicht unbedingt politische Ämter bekleiden, diskutierten zum 
Ende letzten Jahres lebhaft über die Zukunft des Lichtspieltheaters. Viele Ideen kamen 
zusammen, vom Café, über ein Retro-Kino bis hin zu einem Mehrgenerationenhaus war alles 
dabei.[8] Letztendlich wurde aber auch an der Diskussion dieses Objekts wieder sichtbar, 
dass eine starke Spaltung zwischen Menschen, die Politik machen und Menschen, für die 
vermeintlich Politik gemacht wird, existiert. Die Initiative um das Theater scheint noch 
nicht ganz eingeschlafen, jedoch scheint auch dieses Objekt wieder einmal zu einem 
Verwaltungsakt verkommen zu sein.[9] Könnte es anders laufen? Was wäre, wenn das 
Lichtspieltheater in die Hand der Stadt käme und diese die Gründung eines 
Bürger*innenkomitees anregen würde, das durch entsprechende Expert*innen unterstützt wird. 
Ein Komitee, das über die Zukunft des Lichtspieltheaters gemeinsam entscheidet. 
Schließlich gab es ja doch viele verschiedene Vorstellungen, was mit dem Lichtspieltheater 
geschehen könnte. Vor- und Nachteile aller Vorschläge sollten auch fernab von Profit- und 
Prestigeinteressen bewertet werden.

Lebensqualität wird nicht durch die verstärkte Durchsetzung von Kapitalinteressen erhöht. 
Ladet ALLE Nachbar*innen in euren Häusern und Straßen ein und schließt euch zu 
Straßengemeinschaften zusammen. Bestimmt selbst und gemeinsam, wie ihr euer näheres 
Lebensumfeld gestalten und verändern könnt. Vielleicht könnt ihr auch eure Häuser und 
Wohnungen als Hausvereine übernehmen - Lebensraum darf schließlich nicht länger eine Ware 
bleiben, die zu einem marktwirtschaftlichem Spekulationsobjekt verkommt. Wohnraum muss 
bezahlbar bleiben - auch für die Schwächsten in unserer Gesellschaft. Ihr könntet eure 
Anliegen in die Stadtverordnetenversammlung tragen und verteidigen - mit Nachdruck und 
gemeinschaftlich. Wir wurden schließlich nicht dazu geboren, unser Leben von 
Stellvertreter*innen, zum Beispiel Wohnungsbaugesellschaften und Stadt, gestalten und 
verwalten zu lassen.

Unsere kleine Reise in die Utopie eines aus unserer Sicht für alle lebenswerteren 
Frankfurts kann im wahrsten Sinne sehr utopisch anmuten. Realistisch und nach 
(markt)wirtschaftlichen Gesichtspunkten betrachtet, würden wir aber zu ähnlichen Schlüssen 
kommen: Mit mehr Mitbestimmung, Eigeninitiative und Selbstverwaltung einer Stadt von 
Bürger*innen für Bürger*innen kommt Frankfurt als Konsumstandort eine sekundäre Rolle zu - 
jedoch würden die Verwaltungskosten durch die Stadt in ebenso hohem Maße sinken. Was unser 
utopischer Ausflug nicht beantworten kann, ist die Frage, wie wir zu mehr Selbstbestimmung 
und Selbstverantwortung kommen. Wie wir von passiv verwalteten Bürger*innen zu aktiv 
handelnden Individuen werden, gesellschaftlicher Vereinzelung vorbeugen und eine merkliche 
Politikverdrossenheit in der Gesellschaft in selbstbestimmtes Handeln umwandeln. Wäre es 
nicht viel schöner, wenn wir unsere Nachbar*innen einfach an die Hand nehmen könnten, 
zufrieden vor unsere Haustür in eine bunte, vielfältige Stadt treten könnten, in der auch 
unsere eigenen Vorstellungen, unsere eigenen Fähigkeiten und unser eigenes Können Platz 
gefunden haben? Das Konzept ,,Wir im Quartier" bietet bereits einen guten Ansatz für 
solcherlei Projekte, wobei es noch wesentlich ausbaufähiger ist und die Beteiligung noch 
stark erhöht werden könnte. Es wurden in den letzten Jahren unzählige Konzepte entworfen 
und verworfen (kein Komma) die Kaufkraft in Frankfurt (Oder) zu erhöhen, um damit auf 
einen Weg zu Glück und Wohlstand zu gelangen. Das Scheitern sämtlicher Konzepte liegt 
nicht nur an der Stadtverwaltung, sondern an der allgemein verbreiteten Gleichsetzung des 
Kapitals als unhinterfragbaren Heilsbringer oder übermächtige Gottheit, die den Menschen 
irgendwann schon auf den Weg in ein zufriedenes Leben geleiten wird.
Wir denken, es ist Zeit, einen anderen Weg zu gehen - unzählige Beispiele auch über 
Frankfurt (Oder) hinaus beweisen das.

[1]http://www.moz.de/artikel-ansicht/dg/0/1/1319113
[2]http://www.moz.de/details/dg/0/1/1361617/
[3]http://www.moz.de/artikel-ansicht/dg/0/1/1132965
[4]http://www.moz.de/artikel-ansicht/dg/0/1/1018154
[5]http://www.blickpunkt-brandenburg.de/nachrichten/frankfurt-oder/artikel/29542.html
[6]http://www.moz.de/heimat/lokalredaktionen/frankfurt-oder/artikel9/dg/0/1/1311289/
[7]http://www.blickpunkt-brandenburg.de/nachrichten/frankfurt-oder/artikel/30260/Altes+Kino+in+Licht+getaucht
[8]http://www.moz.de/heimat/lokalredaktionen/frankfurt-oder/artikel9/dg/0/1/1311289/
[9]http://www.moz.de/heimat/lokalredaktionen/frankfurt-oder/artikel9/dg/0/1/1344446/

http://fda-ifa.org/diskussionsbeitrag-stadtentwicklung/


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