(de) FAU-IAA: Direct Aktion #227 - »Ich hab den Krieg verhindern wollen.« -- Georg Elser - Arbeiter, Antifaschist und Hitlerattentäter

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Fri Mar 13 17:45:42 CET 2015


Auf welche Traditionen sollen sich die Lohnabhängigen, Ausgebeuteten und einfachen Leute 
hierzulande in Bezug auf die Zeit der Naziherrschaft positiv beziehen? ---- Die bis heute 
von offizieller Seite gefeierten Widerstandsgruppen aus dem Militär (20. Juli 1944) und 
der bürgerlichen Studierendenschaft (Weiße Rose) wurden erst aktiv, als sich die 
Niederlage im Weltkrieg bereits abzuzeichnen begann. Insbesondere das alljährliche 
Abfeiern des militärischen Widerstandes seitens der staatlichen Behörden und des 
Politikbetriebs in der Hauptstadt lässt tief blicken. Wer sich das Programm der 
Verschwörer des 20. Juli einmal genau durchliest, der oder die kann feststellen, dass die 
Wehrmachtsangehörigen Hitler beseitigen und eine erzreaktionäre Militärdiktatur errichten 
wollten. In dieser Tradition sieht sich also die politische Elite der BRD...Da kann es 
kaum verwundern, dass die illegalen Tätigkeiten der verschiedenen sozialistischen, 
kommunistischen und anarchistischen Gruppen sowie des Arbeiterwiderstandes in den 
Betrieben, die praktisch vom ersten Tag der Naziherrschaft an aufgenommen wurden, nicht in 
das von den Mächtigen gepflegte antikommunistische Bild passen.

In der offiziellen Erinnerungskultur der kapitalistisch-bürgerlichen BRD, die sich nach 
dem Zweiten Weltkrieg erklärtermaßen als Nachfolgestaat Nazideutschlands betrachtete, 
spiegelte sich ein ungebrochenes Bekenntnis zu den traditionellen deutschen Tugenden. 
Zudem widerspricht der antifaschistische Kampf der linken Gruppen und der antinazistischen 
ArbeiterInnen den Ausreden vieler Deutscher nach der Niederlage, Widerstand sei nicht 
möglich gewesen.Der lange kolportierten Meinung über die angeblich fehlenden 
Widerstandsmöglichkeiten in Nazideutschland eindrucksvoll entgegengesetzt ist das Attentat 
auf Hitler am 8. November 1939. An diesem Abend explodierte eine von dem Schreiner Georg 
Elser in einer Säule des Bürgerbräukellers1 in München versteckte Bombe. Bei der 
Gedenkveranstaltung für die »alten Kämpfer« des 1923 versuchten Naziputsches war neben 
viel NS-Prominenz und 1500 begeisterten AnhängerInnen auch Hitler selbst anwesend. Die 
Bombe detonierte exakt zu der von Elser vorgesehenen Zeit um 21:20 Uhr. Das Attentat 
misslang jedoch, da Hitler wegen schlechten Wetters nicht mit dem Flugzeug, sondern mit 
der Reichsbahn zurück nach Berlin fahren musste. Er redete deshalb viel kürzer als sonst 
und verließ den Saal 13 Minuten vor der Explosion des Sprengsatzes. Dieser verwüstete den 
Saal, tötete acht und verletzte 63 Besucher, davon 16 schwer. Unter den Toten waren sieben 
Mitglieder der NSDAP.

JEDES HERZ IST EINE ANTINAZISTISCHE ZELLE

Einer der Gründe, warum das Attentat des damals 36jährigen Georg Elser bis heute so wenig 
beachtet wird, liegt in seiner Einzeltäterschaft. Ein einfacher, sozialistischer Arbeiter 
aus dem württembergischen Königsbronn nahm extra eine schwere Arbeit in einem Steinbruch 
an, um über Monate hinweg kleine Mengen Sprengstoff abzuzweigen. Im Sommer 1939 zog dieser 
Antifaschist nach München und mietete in der Stadt eine kleine Werkstatt an. Den Nachbarn 
gegenüber gab er sich als Erfinder aus und konnte so unauffällig die Bombe und einen 
Zeitzünder herstellen. Ab Ende August 1939 suchte Elser den Bürgerbräukeller jeden Abend 
auf, nahm dort zunächst eine einfache Arbeitermahlzeit für 60 Pfennig zu sich und wartete 
eine günstige Gelegenheit ab, um sich unbemerkt in der Besenkammer verstecken zu können. 
Dort verharrte er noch mehrere Stunden, bis das Gasthaus abgeschlossen wurde. Insgesamt 30 
Nächte lang höhlte er dann in mühevoller, riskanter Kleinarbeit einen Pfeiler aus, um die 
Bombe darin zu deponieren. Die anfallenden Späne versteckte er in einem zusammengerollten 
Teppich.Elser stützte sich bei dem Attentat auf keine Widerstandsgruppe und folgte nur 
seiner antifaschistischen und antimilitaristischen Überzeugung. Diese Tatsache lässt die 
weitverbreitete Einstellung des: »man konnte ja nichts tun« durchaus in einem anderen 
Licht erscheinen. Georg Elser flüchtete nach dem Scharfstellen des Zeitzünders in einem 
Zug in die Schweiz, wurde jedoch von Grenzbeamten noch vor der der Explosion der Bombe 
durch einen unglücklichen Zufall festgehalten. Als die Grenzpolizei unter seinem 
Jackenaufschlag ein Abzeichen des Roten

Frontkämpferbundes (RFB - militanter Selbstschutzverband der KPD) entdeckte, überstellte 
sie ihn an die Gestapo. Nun verrieten ihn seine wunden, eitrigen Knie, die er sich bei den 
nächtlichen Arbeiten im Bürgerbräukeller zugezogen hatte. Nach Verhören und Folter 
verschleppten ihn die Nazis in das KZ Sachsenhausen und überführten ihn später in das KZ 
Dachau. Die Nazis planten zu einem späteren Zeitpunkt einen großen Schauprozess gegen den 
Führerattentäter Elser.

FALSCHE FREUNDE UND ECHTE GRÜNDE

Als eine der ersten internationalen Reaktionen drückte die Sowjetregierung (!) zwei Tage 
nach der Tat dem deutschen Botschafter Friedrich-Werner von der Schulenburg »ihr Bedauern 
und ihre Entrüstung über den ruchlosen Anschlag von München, ihre Freude über die 
glückliche Errettung Adolf Hitlers aus der Lebensgefahr und ihr Beileid für die Opfer des 
Attentats« aus. Sofort nach dem Attentat begannen die üblichen Spekulationen über Motive 
und angebliche Auftraggeber des Attentäters. Ähnlich wie schon beim sogenannten 
Reichstagsbrand im Februar 1933 - den der niederländische Wanderarbeiter und Rätekommunist 
Marinus van der Lubbe als verzweifeltes Fanal an das (untätige) deutsche Proletariat 
alleinverantwortlich ausgeführt hatte - beteiligten sich an der Verschleierungstaktik 
nicht nur die offizielle NS-Propaganda sondern auch die westlichen Geheimdienste sowie die 
kommunistischen ParteifunktionärInnen.

Neben den Zeugenaussagen von Elsers Verwandten und FreundInnen finden wir in den 
Verhörprotokollen der Gestapo vom November 1939 die Motive dieses proletarischen 
Antifaschisten, die ihn zum Attentat auf die Spitzenleute des NS-Regime bewegt hatten. 
Zunächst waren es die verschlechterten Lebensbedingungen seit der Machtübertragung der 
bürgerlichen Eliten an die Nazis im Januar 1933:»So z. B. habe ich festgestellt, dass die 
Löhne niedriger und die Abzüge höher wurden. [...] Der Stundenlohn eines Schreiners hat im 
Jahr 1929 eine Reichsmark betragen, heute wird nur noch ein Stundenlohn von 68 Pfennigen 
bezahlt. [...] Der Arbeiter kann z. B. seinen Arbeitsplatz nicht mehr wechseln, wie er 
will; er ist heute durch die HJ2 nicht mehr Herr seiner Kinder.«Später kamen neben den 
klassenkämpferischen Argumenten noch Anti-Kriegs-Motive hinzu:»Die von mir angestellten 
Betrachtungen zeitigten das Ergebnis, dass die Verhältnisse in Deutschland nur durch eine 
Beseitigung der augenblicklichen Führung geändert werden könnten. Unter der Führung 
verstand ich die ,Obersten', ich meine damit Hitler, Göring und Goebbels. Durch meine 
Überlegungen kam ich zu der Überzeugung, dass durch die Beseitigung dieser 3 Männer andere 
Männer an die Regierung kommen, die an das Ausland keine untragbaren Forderungen stellen, 
,die kein fremdes Land einbeziehen wollen' und die für eine Verbesserung der sozialen 
Verhältnisse der Arbeiterschaft Sorge tragen werden.«Seinen antifaschistischen und 
antimilitaristischen Überlegungen ließ Georg Elser auch Taten folgen. Dafür verbrachte er 
fünfeinhalb Jahre im KZ. Kurz vor der Befreiung durch die US-Armee wurde er am 9. April 
1945 im KZ Dachau von der SS durch Genickschuss hingerichtet.

NICHTS WIRD VERGESSEN...

Eine gefühlte Ewigkeit lang wurde Georg Elser nach Ende des Zweiten Weltkriegs als 
Widerstandskämpfer totgeschwiegen. Erst ab den 1990er Jahren gab es endlich ein gewisses 
Umdenken. 70 Jahre nach dem Attentat sind 36 Straßen und Plätze in Deutschland nach Elser 
benannt. In München - am Ort seines Fanals - erinnerten die im Sommer 2008 abgerissenen 
Georg-Elser-Hallen in der Rosenheimer Straße 134 eine Zeit lang an diesen Antifaschisten. 
Und seit 1997 trägt ein kleiner und unscheinbarer Platz an der Türkenstraße 68 den Namen 
des Attentäters.

Immerhin gab die Deutsche Post anlässlich seines 100. Geburtstags im Januar 2003 eine 
Sondermarke mit seinem Konterfei heraus.

Roman Danyluk

[1] ? Der Bürgerbräukeller in der Rosenheimer Straße existiert heute nicht mehr. An diesem 
Ort steht nun das snobistische Kulturzentrum Gasteig.

[2] ? Hitlerjugend. Nachwuchsverband der NSDAP. Ab 1933 der einzige noch zugelassene 
Jugendverband.


https://www.direkteaktion.org/227/Krieg-verhindern-Georg-Elser


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