(de) fda-ifa: Anarchistisches Statement: Kapitalistische Normalität angreifen! - EZB Feierlichkeiten stören

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Thu Mar 12 10:28:37 CET 2015


Am 18.März 2015 findet in Frankfurt am Main die Eröffnungsfeier des neuen Gebäudes der 
Europäischen Zentralbank statt. Auch Anarchist*innen werden sich an diesen Protesten 
beteiligen. Allerdi?ngs fahren wir nicht in das Zentrum der Finanzpolitik Europas, um für 
eine bessere Finanzpolitik oder gegen die Sparmaßnahmen, sondern um gegen das Bestehende 
und seine Anhänger*innen zu demonstrieren und klar zu machen, dass unsere Ziele jenseits 
von Krisen und Wirtschaftswachstum, von Schulden und Sparpolitik liegen. Die EZB stellt 
dabei zum einen einen Ort dar, an dem sich die Herrschenden verschiedenster europäischer 
Länder treffen, um im Einklang mit ihren nationalen Interessen in der Wirtschafts- und 
Währungspolitik eine gemeinsame Linie zu finden; allen voran Deutschland mit seiner 
sagenumwobenen "deutschen Sparmentalität".

Zum anderen ist die EZB eine der zentralen Kräfte hinter der Austeritäts-Politik, die 
gerade im Süden Europas zu sozialem Kahlschlag und massiver Verarmung geführt hat. Seit 
dem Anfang der Krise wird Armut nun auch in Europa sichtbarer. Allerdings bedeutet dies 
nicht, dass sie vorher nicht vorhanden war. Im Gegenteil: Armut und Kapitalismus gehen 
miteinander einher. Während einige wenige enorme Reichtümer anhäufen und selbst in 
Krisenzeiten weiterhin Profite machen, spüren Menschen mit geringeren Einkommen selbst in 
Zeiten des Booms nur unbedeutende Verbesserungen. Es nützt also nichts, die Krise als die 
Verursacherin der Armut auszumachen und nur die Krisenpolitik der EZB zu kritisieren. Es 
ist der Kapitalismus, den es zu kritisieren gilt und der überwunden werden muss, um ein 
schönes Leben für alle möglich zu machen.

Alles verändern

Als Antiautoritäre und Menschen, die Herrschaft ablehnen, stellen wir uns mit unserer Idee 
einer Gesellschaft abseits von kapitalistischer Logik auch gegen die repräsentative 
Demokratie als solche, da sie die Herrschaft eines Teils der Gesellschaft über einen 
anderen bedeutet. Dies stellt für uns keinen Zustand dar, in dem wir frei und 
selbstbestimmt leben können. Wir wollen eine Gesellschaft, in der Armut nicht möglich 
werden kann, in der jede*r frei und nach seinen*ihren Bedürfnissen leben und handeln kann. 
Diese, unsere Idee verstehen wir als Anarchie; dies ist es, was wir als Anarchist*innen 
anstreben.

Tag der politischen Gefangenen

Wenn wir an jenem Mittwoch dann auf die Straße gehen, tun wir dies, um unsere offene 
Feindschaft mit den herrschenden Verhältnissen zu artikulieren, ein Stück weit der 
täglichen Ohnmacht zu trotzen - im Gedanken bei den vielen Genoss*innen deren Kampf und 
Engagement für unsere gemeinsame Utopie mit Repression und Knast beantwortet wurde und 
wird. So entbehrt es nicht einer gewissen Ironie, dass dieses symbolische Datum nicht nur 
auf den Jahrestag der Pariser Kommune, sondern auch auf den internationalen Tag der 
politischen Gefangenen fällt. Durch die Verfasstheit des bürgerlichen Rechtsstaates mit 
seinen Repressionsinstrumenten wird rebellisches Verhalten mit der Androhung von 
Einsamkeit und dem gewaltsamen Herausreißen aus dem sozialen Umfeld sanktioniert - eine 
sehr alte und besonders erfolgreiche Methode der Herrschenden.

Für etwas ganz anderes

Wir fahren aber am 18. März auch nach Frankfurt um zu zeigen, dass wir für etwas ganz 
anderes sind. Wir sehnen uns selbst nach einer Welt, in der wir statt der täglichen 
Demütigung in einer von Konkurrenz und Ablehnung durchzogenen Gesellschaft unsere Stärke 
und unsere Verantwortung füreinander erkennen. Wir sehnen uns nach einer Welt, in der 
nicht mehr versucht wird, uns mit Hilfe von Grenzen, Geschlechterrollen, Standort- und 
Verwertungslogik, auseinander zu bringen, sondern in der wir erkennen, was uns eint.
Das werden wir am 18. März in Frankfurt zeigen, direkt vor dem hässlichen Neubau der 
hässlichen EZB als Symbol ihrer kapitalistischen Herrschaft.

Lasst uns die Party der Herrschenden unmöglich machen!
Gegen dieses System und seine Freund*innen!
Für den Anarchismus!

Anarchistische Föderation Rhein/Ruhr und Föderation deutschsprachiger Anarchist*innen

http://fda-ifa.org/anarchistisches-statement-kapitalistische-normalitaet-angreifen-ezb-feierlichkeiten-stoeren/


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