(de) FAU-IAA: Direct Aktion #227 - Deutscher Dachschaden -- Ein Kommentar von Hedwig Hegel

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Tue Mar 10 08:57:28 CET 2015


Die Welt brennt. Seit dem Zweiten Weltkrieg hat es nicht so viele Menschen gegeben, die 
aufgrund von Krieg, Hunger und Not dazu gezwungen wurden, ihre Heimat zu verlassen: Laut 
UNHCR-Schätzung waren es bereits im Juni (also noch vor Erstarken des IS) über 50 
Millionen Menschen, die weltweit auf der Flucht waren. ---- Auch vielen Menschen 
hierzulande macht die globale humanitäre Katastrophe große Sorge. Leider aber ist ihre 
Sorge eine ganz andere, als man sie von verständigen und mitfühlenden Wesen in dieser 
Situation erwarten würde: denn ihre Sorge ist die Sorge um sich und um die Nation, der sie 
zufälligerweise angehören; um ihre Identität, ihr Deutschtum, ihr Volk. Ihre Feinde sind 
der IS sowie angeblich der Faschismus; aber ihre Feinde sind gleichermaßen diejenigen, die 
gegen den IS kämpfen und der Antifaschismus. Die gleiche " postideologische" Verwirrung, 
die zur politischen Kapitulation der Piratenpartei geführt hat, weder links noch rechts 
sein zu wollen, setzt sich bei AfD, Pegida, neuen Friedensbewegten, besorgten Bürgern usw. 
fort.

Wie bei einem leeren Gefäß, das mit den unterschiedlichsten Flüssigkeiten aufgefüllt 
werden will, bildet sich ihre gesellschaftspolitische Verwirrung aus sich diffus 
zusammensetzenden Versatzstücken der unterschiedlichsten und sich häufig widersprechenden 
Ideologien wie Christenheit (Abendland) und Nationalismus, Humanismus ("Werte") und 
Chauvinismus, Religiosität und Atheismus. Sie verstehen im wahrsten Sinne des Wortes 
nicht, was auf der Welt und was in der Gesellschaft, in der sie leben, vor sich geht. 
Ihnen fehlt eine begriffliche Apparatur genauso wie ein moralischer Kompass, der auf ihr 
gründen könnte. Große Teile der Berufspolitik, allen voran die CSU, nutzen seit Langem den 
einzigen gemeinsamen Nenner der Bewegung, die Ausländerfeindlichkeit, zum Stimmenfang und 
schüren diese damit weiter. Ihre Vorschläge wie zuletzt etwa die völlig hirnverbrannte 
Forderung danach, seine Muttersprache nicht mehr im Familienkreis zu sprechen, folgen dem 
Zweck, dem eigenen und dem allgemeinen Ressentiment zu entsprechen und sich anzubiedern. 
Auch dahinter stecken die Ablehnung und die Angst vor dem Fremden, dem Anderen. Dem 
Anderen, durch dessen Erfahrung gelungene Bildung notwendig erst immer noch hindurchgehen 
muss.

https://www.direkteaktion.org/227/deutscher-dachschaden


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