(de) Bericht vom FdA-Treffen in Ludwigsburg 2015 von LB Quadrat (en)

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Fri Mar 6 19:52:46 CET 2015


Ende Januar fand im Demokratischen Zentrum (DemoZ) Ludwigsburg das erste von in der Regel 
drei FdA-Treffen pro Jahr statt. Zum zweiten Mal (nach 2012) wurde das Treffen vom 
Libertären Bündnis Ludwigsburg (im Folgenden (LB)² abgekürzt) ausgerichtet. Da das 
vorherige Treffen im September 2014 in Berlin stattfand, konnte mit Ludwigsburg wieder ein 
Ort in einer anderen geographischen Region gewonnen werden. Dies spielt vor allem für die 
Einladung von Gästegruppen eine Rolle. Dementsprechend kamen vor allem (aber nicht nur) 
Gruppen aus dem südlicheren deutschsprachigen Raum zum Treffen, die nicht Mitglied in der 
FdA sind. Neben Aktiven der Libertären Aktion Winterthur und der Anarchistischen 
Initiative Ortenau, die schon bei früheren FdA-Treffen als Gäste anwesend waren, konnten 
wir als neue Gäste Vertreter*innen der Anarchistischen Gruppe Dortmund, der Libertären 
Antifa München und Auf der Suche Nürnberg begrüßen. Vor allem die beiden letztgenannten 
Gruppen wurden mit großer Freude und Spannung empfangen, gab es doch bisher wenig 
Austausch mit organisierten Zusammenschlüssen aus Bayern auf FdA-Ebene.

Insgesamt nahmen ca. 35 Personen aus 15 verschiedenen Gruppen am Treffen teil. Ein 
Großteil davon fand sich bereits Freitag Abend im DemoZ Ludwigsburg ein. Da die erste 
Plenumsphase erst für Samstagmorgen vorgesehen war, blieb am Freitagabend genug Zeit, um 
in Ruhe anzukommen, sich kennenzulernen oder an vergangene Begegnungen anzuknüpfen. Zwei 
Infotische von (LB)² und dem Infoladen Karlsruhe versorgten alle Interessierten mit 
lesenswerter Literatur, Fahnen, Aufnäher, Sticker und Buttons. Auf dem weiten Weg aus 
Berlin wurde eine (gefühlte) LKW-Ladung an Broschüren mitgebracht, unter anderem der 
aktuelle CrimethInc-Aufruf ,,Alles verändern" und die frisch gedruckte Neuauflage der 
Broschüre ,,Anarchismus - Eine Einleitung" des Anarchistischen Netzwerks Südwest*. So fand 
ein reger Austausch von Materialien zwischen den Städten statt.

Ebenfalls auf Interesse stieß die im DemoZ gerade zu sehende Ausstellung ,,Salz und Brot" 
von Peter Schmidt. Eine über zwei Meter hohe Installation, bestehend aus einer 
nachempfundenen Packung Salz sowie einem Laib Brot auf einem Holztisch, bildet die 
traditionelle Geste des Willkommens ab. In die Rückseite der Salzpackung sind mehrere 
Installationen im Modellbaumaßstab 1:87 wie Schubladen übereinander eingebaut. Zu sehen 
sind Szenen der Unterstützung von Flüchtlingen (z.B. das Refugee-Camp auf dem 
Oranienplatz), aber auch deren Ablehnung, der Umgang mit ihnen und die 
Auseinandersetzungen um sie und mit ihnen. Das Spannungsfeld der sogenannten 
Willkommenskultur und der Ausländerfeindlichkeit in Deutschland ist Thema der Ausstellung. 
Alle Szenen sind als große Fotografien im DemoZ-Kneipenraum nochmal abgebildet. Sehr 
anschaulich bekamen die Besucher*innen so einen kleinen Eindruck der kulturellen Vielfalt 
des DemoZ. Die Veranstaltungen und Aktivitäten im DemoZ reichen von Vorträgen, 
Filmvorführungen, praktischen Workshops über Ausstellungen, Voküs, Konzerte und 
(Frauen-)Discos bis hin zu Kampfsporttraining oder Zeichenkurse. Als selbstverwaltetes, 
nicht-kommerzielles Zentrum setzt das DemoZ auf eine ,,Kultur von unten", die eine 
Gegenposition zu diskriminierenden gesellschaftlichen Entwicklungen einnimmt. Das Zentrum 
besteht schon seit 1980. Maßgeblich an der Gründung und dem Aufbau des Zentrums beteiligt 
waren die sozialen Bewegungen der 70/80er Jahre, vor allem die lokale Anti-AKW-Bewegung.

Obwohl sich die geselligen Gespräche am Freitagabend noch sehr lange in die Nacht zogen 
(und ebenso die Anreise einiger Personen - die letzten kamen um halb vier Uhr nachts an), 
begann das erste Gesamtplenum pünktlich am nächsten Morgen. Nach der offiziellen Begrüßung 
und Vorstellung aller Teilnehmenden wurden allen neuen und interessierten Personen in 
einem Extraraum die FdA, ihre Strukturen und Arbeitsweisen vorgestellt und Raum für Fragen 
gegeben.

Als alle sich wieder im Großplenum versammelt hatten (der Rest hatte inzwischen 
Organisatorisches besprochen) sah die Tagesordnung eine erste AG-Phase vor. Unter anderem 
sollte in einer AG ein Austausch der Gruppen über die Planungen der 1. Mai-Aktivitäten 
stattfinden. Leute aus dem Ruhrgebiet gaben bekannt, dass dieses Jahr eine anarchistische 
1. Mai-Demonstration in Dortmund geplant sei, was auf positive Resonanz stieß. Diskutiert 
wurden Formen der Unterstützung durch die FdA bzw. föderierte Gruppen außerhalb des 
Ruhrgebiets. Die Frage einer zentralen Mobilisierung am 1. Mai nach Dortmund wurde 
kontrovers diskutiert. Letztlich hatte bei einigen Gruppen, welche in eigenen 1. 
Mai-Bündnissen involviert sind, die Teilnahme vor Ort Priorität. Gruppen, welche nicht in 
lokale 1. Mai-Bündnisse eingebunden sind, werden voraussichtlich auf die Anarchistische 1. 
Mai-Demonstration nach Dortmund mobilisieren.

Eine Person vom Anarchistischen Radio Berlin stellte das das Projekt ,,Radio aktiv" vor - 
ein interaktives Projekt, welches von anarchistischen Radio-Gruppen in Brasilien schon 
umgesetzt wird. Dabei handelt es sich um eine gestreamte Radio-Livesendung. Ein extra 
dafür eingerichteter Online-Chat gibt den Zuhörer*innen die Möglichkeit schon während der 
Radio-Sendung Rückmeldung zu geben oder eigene Ideen und Inhalte einfließen zu lassen und 
damit die Radiosendung mitzugestalten. Nachdem dieses Konzept vorgestellt wurde fand eine 
produktive Diskussion statt über potentielle Umsetzungsformen, Grenzen und Hürden sowie 
Unterstützungsmöglichkeiten des Projekts durch andere FdA-Gruppen. Ob und wie das Projekt 
(testweise) umgesetzt wird, ist noch offen - ihr dürft gespannt sein.

Emma Goldmans Autobiographie ,,Gelebtes Leben" (Originaltitel "Living my life", 1931 
erschienen) gibt es in der deutschen Übersetzung schon seit Ende der 1970er Jahre. Ins 
Russische (der Geburtssprache Emma Goldmans) wurde das Buch bisher jedoch aus 
verschiedenen Gründen nicht übersetzt. Ein russisches Übersetzungskollektiv (RTP) findet 
ihr Buch immer noch so lesenswert, aktuell und wichtig, dass sie es in die russische 
Sprache übersetzen wollen. Da ein erster Finanzierungsversuch über Crowdfunding in 
Russland nicht funktionierte, wurde an eine Person in der FdA die Bitte nach Unterstützung 
der Finanzierung herangetragen. Hier ist wichtig zu wissen, dass das Übersetzungskollektiv 
als wirtschaftlicher Zusammenhang mit Löhnen funktioniert. Eine Schätzung geht davon aus, 
dass für die Übersetzung der fast 1000 Seiten (im Original) etwa 8000EUR benötigt werden. 
Als Finanzierungsmöglichkeit sollen Postkarten mit Zitaten von Emma Goldman gedruckt und 
verkauft werden. Weitere Unterstützungsmöglichkeiten durch die FdA wurden im Plenum 
gesammelt. Ein Spendenkonto wird eingerichtet, es werden durch verschiedene FdA-Gruppen 
Veranstaltungen stattfinden.

In einer weiteren AG-Phase fand am Nachmittag unter anderem ein Erfahrungsaustausch über 
den Aufbau von Lokalföderationen bzw. Lokalvernetzungen statt. Zunächst stellten Personen 
der Anarchistischen Föderation Rhein-Ruhr (AFRR) ihr Konzept des offenen anarchistischen 
Organisierungstreffens vor sowie den Ablauf und die Entwicklung, wie die AFRR entstanden 
ist. In Dortmund wurden von der lokalen Anarchistischen Gruppe 2 offene 
Organisierungstreffen veranstaltet. Hier hatten Leute, welche noch nicht in 
(anarchistischen oder lokalen) Gruppen aktiv sind, die Möglichkeit miteinander und mit 
aktive Leute von lokalen anarchistischen/libertären Projekte ins Gespräch zu kommen und 
Anschluss zu finden. Die bisher bestehenden Projekte stellten sich kurz vor und im 
weiteren Lauf des Treffens wurden die Interessengebiete der Interessierten gesammelt. Die 
Interessierten konnten so mit Gleichgesinnten verschiedene thematische Arbeitsgruppen 
bilden und sich mit den schon bestehenden Initiativen vernetzen. So entstanden beim 1. 
offenen Organisierungstreffen in Dortmund 9 AGs, unter anderem zu den Themen 
Anarcha-Feminismus, Bildung & Jugend oder eine Lesekreis-AG. In der anschließenden 
Diskussion wurde die Übertragbarkeit dieses Konzepts auf Regionen mit anderen 
Rahmenbedingungen (z. B. ländliche Region anstatt großstädtischem Ballungsraum) 
diskutiert, aber auch Aspekte wie Offenheit für Repressionsorgane.

Danach wurde der Gründungsprozess des Anarchistischen Netzwerks Südwest* (A-Netz Südwest*) 
von daran beteiligten Personen vorgestellt. Im Gegensatz zu der AFRR, welche erst eine 
übergeordnete Kommunikations- und Austauschstruktur aufgebaut hat um danach die 
Voraussetzungen für eine lokale Gruppenbildung zu schaffen, verlief dieser Prozess beim 
A-Netz Südwest* genau andersherum: Es bestanden schon anarchistische Gruppen in 
verschiedenen Städten im Südwesten*, bevor erste Vernetzungstreffen zwischen den 
Lokalgruppen stattfanden. Das Netzwerk bildete sich nach einer ersten gemeinsam 
organisierten Veranstaltungsreihe/Kampagne. Nach fast 5-jährigem Bestehen blickten die 
Beteiligten außerdem kritisch auf Möglichkeiten, Entwicklungen, aber auch Probleme einer 
regionalen Vernetzung. Der gesamte Erfahrungsaustausch innerhalb der AG wurde von den 
Teilnehmenden interessiert aufgenommen, insbesondere da es auch in anderen Regionen im 
deutschsprachigen Raum Ideen und Pläne für eine (formellere) Vernetzung von Lokalgruppen gibt.

Nach den offiziellen Plenum und der Diskussion weiterer Themen verlief der Samstagabend 
entspannt bei geselliger Atmosphäre zwischen den anwesenden Personen.

Am Sonntag gab es noch zwei große Arbeitsgruppen: Zur Föderationszeitung Gaidao sowie zur 
internationalen Vernetzung und speziell zur Internationalen der Anarchistischen 
Föderationen (IFA). Neben regelmäßig zu besprechenden Themen in der Gaidao-AG wie 
beispielsweise die Aufgabenverteilung bei der Erstellung der Gaidao oder Werbemaßnahmen, 
wurden auch mögliche Neuerungen besprochen. So gibt es die Idee für die Audio-Version der 
Gaidao ausgewählte Texte von realen Sprecher*innen vorlesen zu lassen (in der aktuellen 
Audio-Version geschieht dies durch eine Computerstimme). Dies würde die Qualität der 
Audio-Version deutlich steigern, ist jedoch eine Frage der Beteiligung und der verfügbaren 
Kapazitäten. Außerdem wird es bei der Anarchistischen Buchmesse im April in Mannheim 
wieder einen Gaidao-Stand geben. Und auch dieses Jahr sind wieder ein bis zwei 
Gaidao-Sonderausgaben geplant.

Die AG Internationales diskutierte unter anderem die Themen für das kommende 
Delegiertentreffen der IFA (siehe dazu den Erfahrungsbericht der CRIFA in Paris in diesem 
Heft). Ebenfalls besprochen wurde das anarchistische Mittelmeertreffen, das im Oktober in 
Athen stattfinden soll. In Vorbereitung dazu wird es bereits im März ein Vortreffen in 
Tunesien geben. Hierfür will die FdA finanzielle Unterstützung leisten.

Nach einem ausführlichen Feedback der Teilnehmenden zum Treffen ging zumindest der 
offizielle Teil des Treffens dem Ende entgegen. Als Fazit bleibt festzuhalten: Sowohl die 
hohe Anzahl an Teilnehmer*innen als auch die Vielzahl an vertretenen Gruppen/Städten 
(inklusive 5 Gästegruppen) zeigen, dass es ein großes Interesse gibt an Austausch und 
Vernetzung im Allgemeinen sowie an der FdA im Speziellen. So konnten sich in den drei 
Tagen des Treffens persönliche Kontakte entwickeln. Aber es ist auch konkrete 
Zusammenarbeit an verschiedenen Projekten geplant worden, die für die Zukunft ein in 
Austausch bleiben fördern werden. Insgesamt beinhaltete das FdA-Treffen in Ludwigsburg 
eine spannende und gelungene Mischung aus Informations- und Erfahrungsaustausch, konkreter 
praktischer Planung und Raum für informelles Miteinander.

http://fda-ifa.org/bericht-vom-fda-treffen-in-ludwigsburg-2015/


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