(de) FAU-IAA: Direct Aktion #229 - struggle: Nachrichten von der Klassenfront

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Thu Jun 25 14:15:07 CEST 2015


FRANKREICH: RADIO-ANGESTELLTE SORGEN FÜR FUNKSTILLE ---- Am 19. März starteten die 
Beschäftigten des staatlichen Rundfunkverbundes Radio France einen Streik, der nunmehr bis 
Mitte April andauert. Grund dafür sind Einsparungsvorhaben der Regierung, die die 
Kündigung von 330 bis 380 Beschäftigten der rund 4000 Angestellte umfassenden Sendeanstalt 
vorsehen, die seit Jahren rote Zahlen schreibt. Viele der ohnehin oft prekär beschäftigten 
Mitarbeiter sowie einige kritische Zeitungsartikel machen vor allem zweierlei Faktoren für 
die drohenden Kündigungen verantwortlich: Zum einen wäre da nach ihrer Auffassung konkret 
das Vorgehen des derzeitigen Intendanten Gallet, der durch unnötige und selbstherrliche 
Ausgaben Geld regelrecht verschwendet haben soll; zum anderen sind es die Auswirkungen 
einer etwas länger zurückliegenden Maßnahme: Damals ließ Sarkozy die Werbung im 
öffentlich-rechtlichen Fernsehen verbieten, was zu Defiziten im Sendehaushalt führte. Die 
Regierung sprang daraufhin den staatlichen Fernsehsendern bei, um die Millionenlöcher zu 
stopfen - allerdings zu Lasten der Radiosender.

So gibt es seit Streikbeginn Musik. Diese füllt den leeren Senderaum von Radio France, 
dessen Sender sonst eher intellektuelle Kultur- und Nachrichtenbeiträge ausstrahlen. 
Zwischendurch wird eine Stellungnahme zum Streik verlesen. Das bürgerliche Lager deutet 
den Konflikt hingegen als Widerstand einer "unvernünftigen" Minderheit, die angeblich die 
Existenz des ganzen Senderverbundes gefährde. Die Fronten haben sich verhärtet: Premier 
Valls missbilligte öffentlich das Vorgehen der Gewerkschaften (darunter auch Basis- und 
linke Gewerkschaften wie SUD und CGT). Diese für ihren Teil sind nicht mehr bereit, mit 
dem in Ungnade gefallenen Intendanten Gallet zu verhandeln. Daher hat die Regierung nun 
einen Vermittler eingesetzt, Dominique Jean-Chertier. Doch ist dieser für die 
Gewerkschaften eher ein rotes Tuch als eine neutrale Person, da er als Direktor der 
Arbeitslosenkasse in den 90er Jahren sowie als ehemaliger Berater des 
liberal-konservativen Premiers Raffarin eine arbeiterfeindliche Politik befördert hatte.

VIETNAM: 80.000 BESCHÄFTIGTE FÜR GESETZESÄNDERUNG

Anfang April streikten rund 80.000 Beschäftigte der Pou Yuen Schuhfabrik in Ho Chi Minh 
Stadt eine Woche lang. Dabei ging es nicht um höhere Löhne: Die ArbeiterInnen fordern eine 
Gesetzesänderung, die es ihnen ermöglicht, nach Beendigung des Beschäftigungsverhältnisses 
die vom Betrieb zurückgelegte Rentensumme auf einmal zu erhalten, anstatt sie sich 
monatlich auszahlen lassen zu müssen. Die Forderung kam vor allem deswegen auf, weil viele 
der Beschäftigten MigrantInnen sind, die mit der Aufgabe des Arbeitsverhältnisses meist 
zurück in ihr Heimatland gehen möchten und dort das Geld für den Aufbau bzw. Ausbau ihrer 
Existenz benötigen. Die Regierung versprach nun, das Gesetz zu ändern.

SÜDAFRIKA: 1000 ENTLASSUNGEN - ENERGIEKONZERN KÄMPFT MIT HARTEN BANDAGEN

Es waren 3000 Leiharbeiter, die Ende März im zum Energiekonzern Eskom gehörenden 
Medupi-Kraftwerk für einen Tag ihre Arbeit niederlegten. Dafür gab es zwei Gründe. Erstens 
stand die Auszahlung von Prämien aus. Zweitens sollten die Beschäftigten künftig keine 
Mietbeihilfen mehr erhalten, sondern in Wohnheimen untergebracht werden. Nach dem Streik 
kam es zu sage und schreibe 1000 Entlassungen durch die Subunternehmen. Die Maßnahme wurde 
- das ist recht unüblich - auch vom Hauptunternehmen Eskom massiv verteidigt. Dabei 
rechtfertigt die Firmenleitung den Schritt als legitime Reaktion auf den "wilden" Streik. 
Ob es zu weiterem Widerstand kommt, bleibt abzuwarten.

MEXIKO: MISSERFOLG DER LANDARBEITERINNEN WEGEN (FALSCHER) ZUGESTÄNDNISSE?

Vom 17. März an streikten beinahe 80.000 LandarbeiterInnen im Bundesstaat 
Niederkalifornien zwei Wochen lang für bessere Löhne. Mittlerweile wurden die Tageslöhne 
nach einem Abkommen mit den drei traditionellen Gewerkschaften von 110 Pesos (6,77 Euro) 
marginal auf 132 Pesos (ca. 8 Euro) angehoben, nachdem die ArbeiterInnen ihre eigenen 
Forderungen im Vorfeld von 300 auf 200 Pesos heruntergeschraubt hatten. Seitdem hat ein 
Großteil der Beschäftigten die Arbeit wieder aufgenommen. Doch etwa 25.000 ArbeiterInnen 
streiken zum jetzigen Zeitpunkt (Mitte April) immer noch. Wie entwürdigend der 
Arbeitsalltag der Beschäftigten sein muss, lassen neben der Forderung nach höheren Löhnen 
auch die Forderungen nach Einführung bezahlter Überstunden, einer Krankenversicherung und 
einigen frauenspezifischen Belangen erahnen.

Zusammengestellt von Redaktion Globales

https://www.direkteaktion.org/229/struggle


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