(de) FdA/IFA - Gai-Dao #54 - Die CNT beim ersten anarchistischen Mittelmeertreffen Von: Sekretariat für ausländische Beziehungen und Internationales der CNT-AIT / Übersetzung: unovato

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Wed Jun 24 12:55:08 CEST 2015


Die CNT (Confederation Nacional de trabajo) nahm beim ersten Anarchistischen 
Mittelmeertreffen teil, welches vom 27. - 29. März in Tunis abgehalten wurde, um 
Erfahrungen und Praktiken mit Organisationen aus dem Magreb und aus Europa gemeinsam zu 
teilen. ---- Weil zur selben Zeit in derselben Stadt auch das Weltsozialforum (WSF) 
veranstaltet wurde, beabsichtigten die Veranstalter*innen des anarchistischen Treffens das 
freizügige politische Klima auszunutzen - umrahmt vom offiziellen Ereignis und um die 
Sicherheit der Teilnehmenden zu garantieren. Außerdem um eine andere soziale und 
verändernde Perspektive auf den Bereich der regierungsnahen Linie des Weltsozialforums zu 
behandeln und zu veranschaulichen. ---- In einer Atmosphäre der politischen Turbulenzen, 
welche dringend einen sozialen Wandel benötigen, wo die Wände von Freiheit sprechen und 
man selbst viele "A im Kreis" sehen kann und überall po-
litische Botschaften mehrerer Veranstaltungen von politischem Tief-
gang vergangen sind. Auf der einen Seite war das Weltsozialforum,
welches die Möglichkeit eines weichen Kapitalismus darstellt, der
das Zwischenklassendenken in einem untergeordneten Beziehungs-
rahmen zu der parlamentarischen Vertretbarkeit erahnen lässt - ar-
beits- und institutionsbezogen. Andererseits hatte unser bescheide-
nes Treffen während dreier Tage in alternativer Form stattgefunden,
welches erreicht hat einige fünfzig Teilnehmende zu vereinigenm die
Organisationen des anarchistischen Umfelds zugehörig sind, unter
anderem von Frankreich, Italien, Spanien, Kurdistan, Belarus, Alge-
rien und Tunesien. Das Ziel war grundsätzlich internationale Erfah-
rungen zu teilen um gemeinsame Standpunkte zu finden, welche den
Stein von einem ersten Arbeitsaustausch ins Rollen bringen und die
tunesischen Kollektive in einem entscheidenden Zeitpunkt irgend-
wie für das Wachsen des Anarchismus anzuschieben.

Es ist nötig zu erwägen, dass die abgehalteten Parlamentswahlen
2014 die revolutionären und sozialen Aussichten eingeschränkt ha-
ben, die sich in Zeiten der Revolution von 2011 ereignet haben. Die
Entmachtung von Ben Ali und der Untergang im Aufzug von anderen
politischen Vermittler*innen, welche hektisch gekämpft haben um
die Höhen der Macht zur Schau zu stellen, haben sich für das Er-
richten eines politischen Wassertümpels geeignet, der die Bedeutung
der sozialen Kämpfe entkräftet hat. Unterschiedslos sind die Linke
ebenso sehr wie die Rechte enger zusammengerückt in ein hartes
Staatsmodell.

Die Tunesier*innen nahmen zu einem Zeitpunkt der Regression der
Freiheiten und Menschenrechte teil, beschönigt in einer haltlosen
Demokratie. Die Soldat*innen in den Straßen und die politische  Lage
berichten von einer zerbrechlichen politischen Umwelt, die das Auf-
blühen des Neuen gezeigt hat. Es ist nicht vergessen worden, dass alle
Ausschreitungen einen angeborenen und horizontalen Hintergrund
in vielerlei Hinsicht hatten. Die anarchistischen Gruppen, die sich
allmählich abgrenzen und sich von anderen politischen nicht-eman-
zipatorischen Strömungen befreien, finden ihren sozialen Raum und
entwickeln eine Praxis der Selbstorganisation.

Die Zeiten wirtschaftlicher Kolonisation sind andere. Das Establish-
ment und die Troika begünstigen die wirtschaftlichen Verträge von
einer Perspektive der Stabilität eines geostrategischen Nordafrika
aus, wo die Sektor-Tertiarisierung und die transnationale Siedlung
die Speerspitze für die Region ist.

Der Neoliberalismus wettet auf die demokratischen Wege, dass sie
auf Dauer kostengünstiger sind, obwohl nicht ohne einen despoti-
schen Nimbus, der den Gesellschaftsvertrag am Puls der wirtschaft-
lichen Handelszentren durcheinanderbringt. Es ist zu früh um den
revolutionären Syndikalismus bestätigen zu können, obwohl die
sozioökonomischen Bedingungen ein mögliches Szenario voraussa-
gen, in welchem es wütend macht einen Syndikalismus sui generis in
einem gesetzgebenden Rahmen von einschränkenden Arbeitsbezie-
hungen zu erwägen.  Die Atomisierung der arbeitenden Klasse und
eine Gesellschaft, die sich im Aufbau befindet und zur Arbeitspre-
karität verdammt ist, leiden folglich an Kampfmitteln nicht nur um
die soziale Emanzipation, sondern auch um die öffentlichen Mindest-
schutzmaßnahmen zu garantieren und der Massenarbeitslosigkeit
die Stirn zu bieten. Ohne Zweifel besteht eine Notwendigkeit den
Anarchosyndikalismus oder andere Formen der kollektiven Organi-
sierung auszubauen, welche  den aufgegebenen Raum zurückgewinnt
anstelle des Staates und der politischen Parteien, welche nicht die
Fähigkeit haben die Gesellschaft zu organisieren.

Generell müsste die anarchistische Umwelt in einem verworrenen
Terrain von Freiheiten ankämpfen, wo die Antiterrorgesetzgebung
mehr übertritt, falls die Menschenrechte und Koalitionsfreiheiten
passen. Der jüngste Terroranschlag im Museo del Bardo oder die mi-
litärische Entwicklung des "Islamischen Staates" in der Grenzregion
zu Algerien lässt nur die Politikformen zu einer verdeckten Dikta-
tur rochieren. Irgendeine Demonstration der Gesellschaft ist emp-
findlich als terroristisch zu gelten und man lebt die Unterdrückung.
Letztlich ist die einzige Begünstigte von diesen Geschehnissen das
staatliche Aufwallen und und die Errichtung einer ungestümen po-
litischen Sicherheit. Bei der Demonstration vom 29. März in der Ab-
lehnung von den terroristischen Anschlägen, angeführt durch große
internationale Machthaber*innen, einschließlich des spanischen Au-
ßenministers, trägt sie eine emotionale Last, welche die Gesellschaft
zu den heimatlichen Werten führt mit der einzigen Devise von der
nationalen Fahne.

Es sind interessante Zeiten um den Anarchismus abzustützen und
mit unseren Gefährt*innen in diesem Vorhaben Teilnehmende zu
sein, aber es sind auch schwierige Zeiten für die unabhängigen und
sozialen Organisationen. Um mit einigen Worten des Dankes an die
IFA-Sektionen (der Internationalen der anarchistischen Föderatio-
nen) abzuschließen, die Teil der Organisierung der Veranstaltung
mit den Gefährt*innen aus Tunesien gewesen sind und eine Eröff-
nungshandlung in der Organisierung gemacht haben, an der wir
teilnehmen gekonnt haben. Innerhalb der räumlichen und zeitlichen
Beschränkungen werden wir einige Gesichtspunkte von der CNT
verkünden und die Grußworte von unserer Internationalen IAA
(Internationale Arbeiterassoziation) vorlesen. Besonders anzuerken-
nen ist die Arbeit der tunesischen Gruppe "La Commun Libertaire",
welche dafür gesorgt hat, dass dies möglich geworden ist, sowie der
FFE, Assoziation Sieg für die ländlichen Frauen, und andere, welche
einige notwendige Erfahrungen des Kampfes zum verstehen der tu-
nesischen Wirklichkeit bekannt gegeben haben.
!
Quelle

http://www.cnt.es/noticias/cnt-en-el-primer-en-
cuentro-anarquista-del-mediterr%C3%A1neo


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