(de) FAU Berlin: Bundeskongress in Berlin

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Wed Jun 17 13:21:07 CEST 2015


Vom 23. bis zum 24. Mai fand der 39. Bundeskongress der Freien Arbeiterinnen- und 
Arbeiter-Union in Berlin statt. ---- Im "Haus der Demokratie und Menschenrechte" trafen 
sich am Pfingstwochenende Delegierte aus über 20 FAU-Syndikaten, Partnersektionen der 
Internationalen ArbeiterInnen-Assoziation sowie Vertreter*innen weiterer 
Basisgewerkschaften. Berichte und Wahlen, Podiumsdiskussionen und Arbeitsgruppen prägen 
die jährliche Routine des Kongresses. Besonders spannend wird es immer am 
Sonntagvormittag, wenn die Voten der Syndikate zu den vorliegenden Anträgen 
zusammengetragen werden - das allerdings zum letzten Mal, denn die Änderung des 
Abstimmungsprozesses war einer der mit großer Mehrheit getroffenen Beschlüsse: Künftig 
soll mehr Zeit für Diskussionen zur Verfügung stehen.

Auch die Verabschiedung eines neuen Grundlagentexts und die Außerkraftsetzung der 
Prinzipienerklärung von 1990 machen diesen Kongress zu einem, der Langzeitwirkung 
entfalten sollte. Jenseits dieser symbolträchtigen Entscheidungen prägten hingegen 
praxisbezogene und strategische Diskussionen das Bild. Der Kampf der FAU Berlin um di 
Löhne von Bauarbeitern der "Mall of Berlin", der erfolgreiche Aufbau der 
Gefangenengewerkschaft GG/BO, die vielfältigen "kleinen" Arbeitskämpfe unserer Sektionen 
und Partnergewerkschaften und die Tatsache eines erheblichen Mitgliederwachstums sind 
Indikatoren für eine zunehmende Bedeutung basisgewerkschaftlicher Aktivität.

Diesen positiven Zukunftsperspektiven stehen große Herausforderungen gegenüber: Einerseits 
ist mit dem Tarifeinheitsgesetz ein staatlicher Angriff auf die Handlungsmöglichkeiten von 
Gewerkschaften geplant, andererseits nehmen Kämpfe zu, die von der Basis direkt ohne Umweg 
über die zentralisierten Gewerkschaftsapparate ausgehen. Diese Kämpfe sind - hier stimmten 
die internationalen Gäste mit den Aktiven der FAU überein - auch Ausdruck einer tiefen 
Krise des Kapitalismus, die keineswegs überwunden ist, sondern zu einer Verschärfung von 
Ausbeutungsverhältnissen führt, denen gerade Arbeitsmigrant*innen besonders stark 
ausgesetzt sind. Umso wichtiger ist der grenzüberschreitende Austausch von Gewerkschaften, 
der auf diesem Kongress viel Raum einnahm: Delegierte aus Italien (USI-AIT), Spanien 
(CNT-AIT ), Großbritannien (SolFed Brighton), Frankreich (CNT-F and CNT-SO), Griechenland 
(Rocinante), der Schweiz (FAU Bern), Schweden (SAC) und des IAA-Sekretariats aus Polen 
berichteten über ihre Erfahrungen und Aktivitäten.

Wie wir auf die neuen Herausforderungen reagieren, aber auch die Chancen aus der 
zunehmenden öffentlichen Wahrnehmung unserer Kämpfe und Ansätze nutzen können, ist jedoch 
genauso "Work in Progress" wie unsere neue Prinzipienerklärung und ein neues 
Erscheinungsbild unserer Print- und Onlinemedien, die Zeitung Direkte Aktion und die 
Webpräsenz www.fau.org. Letzteren Baustellen werden sich im kommenden Jahr Arbeitsgruppen 
widmen, um zum nächsten Kongress abstimmungsreife Ergebnisse präsentieren zu können.

Wie neue oder inaktive Mitglieder am Besten in die aktive Gewerkschaftsarbeit einbezogen 
werden können, ist gerade in Zeiten zunehmender Kämpfe und wachsender Syndikate eine 
drängende Frage. Eine Referentin der Foreigners' Section der FAU Berlin stellte hier das 
Modell der schwedischen Gewerkschaft SAC vor. Auf einer Podiumsdiskussion stellten die 
IWW, Labournet.tv und die GG/BO Beispiele erfolgreicher Organisierung vor.

Einen Schatten voraus warf die bevorstehende Gründung einer Föderation von 
gewerkschaftlich organisierter Kollektivbetriebe, den Union Coops: Sowohl Kaffee als auch 
Bier wurden von Kollektiven produziert, die sich dieser Initiative angeschlossen haben. 
Für eine hervorragende Verpflegung mit Friedrichshainer Spezialitäten danken wir dem 
Kochkollektiv der Rigaer Straße 94.

https://berlin.fau.org/news/bundeskongress-in-berlin


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