(de) FDA-IFA - Gai Dào #53 - Von Reiz, Respekt und Repression Von: Iggy, 08/15

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Sat Jun 13 16:36:01 CEST 2015


Dass Dortmund, die Ruhrmetropole schlechthin, ein gehöriges Problem mit seiner rechten 
Szene hat, ist allgemein bekannt.. Die ganze Stadt steht hinter den Antifas, BlockaDOs und 
anderen linken Aktivist*innen: Schulen erklären sich solidarisch, der BVB, die 
Bürger*innen und selbst das Dortmunder U verkündet am 28.03.: "Ich der Turm fand Nazis 
schon damals voll uncool!". ---- Doch gibt es eine Institution die auffallende Tendenzen 
im Dortmunder Kampf gegen Rechts aufweist: ---- Dortmunder Polizist*innen; stetig helfend, 
Hand in Hand, für das Recht im Vaterland, stehen selten auf Seiten der bürgerlichen 
Antifaschist*innen. Es folgt ein Bericht über Polizeirepression und institutioneller 
Willkür auf den Straßen der Nordstadt.

Am Montag den 20.04., Adolf Hitlers Geburtstag, veranstaltete die
Dortmunder Partei "Die Rechte" eine Mahnwache am Evinger Markt.
Unter dem Motto "Eving sagt nein zum Asylantenheim" versuche die
Gruppe aus ca. 30 Neonazis mit ihrem unverkennbaren roten Astra
Eving von der Überflüssigkeit der Flüchtlingsaufnahme zu überzeugen.

Nach einer ganzen Zeit rückte bei den Nazis eine Frau in den
Vordergrund, die sich mit einem Beutel in Richtung Gegendemo
positionierte. Der Beutel trug die Aufschrift "I ? NS" und damit eine
klare Botschaft.

Wir sprachen eine Beamtin auf den Beutel an und verwiesen sie auf den
Rechtsstatus des Nationalsozialismus. Mit einer Handlung seitens der
Polizei war nicht zu rechnen, so erwarteten wir Musteraussagen wie
"Wir haben das zur Kenntnis genommen" oder "Wir werden uns nach
der Kundgebung darum kümmern". Wider erwarten war die schlichte
Antwort der Beamtin, die sich nicht im geringsten dafür interessierte
auch nur einen Blick nach hinten zu werfen, "Sehe ich nicht."

Diese Blindheit der Polizei, die sich im Laufe der Demo auf Stille-Post-
Grundschul-Niveau immer wieder über die Transparente und ihre
Eigentümer*innen lustig machten, entsetzte uns und führte zu kleineren
"Respektlosigkeiten" seitens der Antifas. So duzte ein Antifaschist eine
Einheit durch das benutzen der 2. Person Plural ("Ihr solltet euch lieber
mal um die verdammten Rechten kümmern!"). Dieses Verschulden
wurde doch, bis auf ein Wortgefecht durch die grammatikalisch
degradierten Polizist*innen, weitestgehend unbestraft gelassen.

Nach der Kundgebung stiegen die Nazis in die Linie 410 ein. Wenige
blieben am Markt.

Wir bewegten uns in einer Gruppe von 10 Menschen in Richtung
Evinger Mitte. Nach ca. 500 Metern bemerkten wir eine Gruppe aus 10-
15 Nazis, begleitet von 3 Streifenpolizist*innen, die sich in
angriffslustiger Gangart auf uns zu bewegten. Als wir stehen blieben
und uns auf einen scheinbar aussichtslosen Zusammenstoß der
Fraktionen vorbereiteten, wurden die Nazis auf die andere Straßenseite
geleitet und wir von 8 Mannschaftswagen eingekreist und mit
gezogenem Schlagstock der Provokation beschuldigt.

"Ihr hättet ja nicht stehen bleiben müssen! Ihr hättet doch eh keine
Chance gehabt!

Nachdem die Nazis abgezogen waren wurden wir aus dem Kessel
gelassen. Die Polizei hatte sich mit provokant sadistischen Blicken auf
den Weg zum Rewe gemacht, in dem sich die Nazis nun aufhielten.

Wir kamen gut durch, bis wir plötzlich am Park von einer Gruppe aus
20 Nazis flankiert wurden. Flaschen fielen in unsere Gruppe.

Auf der Flucht auf die Grünfläche zwischen den Straßenspuren kam
schließlich die Polizei um zu kesseln... UNS zu kesseln. Erneut der
Provokation beschuldigt und von der Polizei gewaltsam auf die Straße
und schließlich auf die andere Straßenseite gedrängt, wurde eine
Begleitschutzanfrage in das Wohngebiet hinter dem Park mit der
Aussage "Soll ich dich zu Mami ins Bett bringen?" beantwortet.

Diese Beleidigungen seitens der Polizei, die in diesem Fall ganz klar die
Nazis schützten, ist eine ungeheure Verletzung der Menschenwürde und
zeigt die institutionelle Willkür der Dortmunder Polizei. Alles ist ganz
klar als Sympathiehandlung mit der rechten Partei zu sehen.

Ein Problem bleibt nun am Ende: Dass Dienstaufsichtsbeschwerden in
Dortmund häufig zur Gegenanzeige führen...


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