(de) FDA-IFA - Gai Dào #53 - Wiederaufbau eines Gedenksteins für Gustav Landauer auf dem Münchner WaldfriedhofVon: Peter Kühn & Dr. Siegbert Wolf

a-infos-de at ainfos.ca a-infos-de at ainfos.ca
Wed Jun 10 12:30:53 CEST 2015


Vorwort der Redaktion: Die Föderation deutschsprachiger Anarchist*innen unterstützt 
folgenden Aufruf. ---- "Es hat in Deutschland in der Zeit seiner größten Gottesferne einen 
Mann gegeben, der wie kein anderer Mensch dieses Landes zur Umkehr aufrief. Um einer 
kommenden Menschheit willen, die seine Seele schaute und begehrte, stritt er gegen die 
Unmenschlichkeit, in der er leben musste." ---- Mit diesen Sätzen beginnt Martin Buber in 
der Düsseldorfer Halbmonatsschrift"Masken" im Jahre 1919 seinen Aufsatz"Landauer und die 
Revolution" für seinen langjährigen Freund Gustav Landauer (1870 Karlsruhe - 1919 
München-Stadelheim), dessen Werke er letztwillig herausgab. ---- Unmittelbar nach dem 1. 
Weltkrieg und dem Beginn der Novemberrevolution hatte Kurt Eisner den Schriftsteller und 
Übersetzer Gustav Landauer in einem Brief vom 14. November 1918 zur Teilnahme
an der Revolution in Bayern eingeladen:"Was ich von Ihnen möchte,
ist, dass Sie durch rednerische Betätigung an der Umbildung der Seelen
mitarbeiten." Landauer folgte diesem Aufruf und wurde in der
Räteregierung am 7. April 1919 Beauftragter für Volksaufklärung. Nach
der Niederschlagung der Räteregierung durch Reichswehr und
Freikorpsverbände wurde Gustav Landauer am 1. Mai 1919 verhaftet
und am nächsten Tag im Zuchthaus Stadelheim mit großer Brutalität
ermordet.

Landauers Asche wurde zunächst in der Urnenhalle des Schwabinger
Friedhofs beigesetzt, dann wurde die Urne auf den Waldfriedhof
überführt. Mitglieder der Freien Arbeiter-Union aber auch prominente
Persönlichkeiten führten auf Anregung von Landauers Tochter
Charlotte eine Geldsammlung durch und setzten Landauer 1925 einen
Obelisken als Grabdenkmal.

1933 beschloss das Münchener Stadtparlament die Zerstörung der
Grabdenkmäler"marxistischer Revolutionäre". Auch das Landauer-
Denkmal wurde dabei zerstört, der Obelisk zerschlagen und die Asche
exhumiert. Seine sterblichen Überreste sandte man an die Jüdische
Gemeinde München und stellte darüber auch noch eine Rechnung aus.
Am 2. Mai 2019 jährt sich der Jahrestag von Landauers Ermordung zum
100. Mal. Bis zu diesem Zeitpunkt könnte das Münchner Stadtparlament
das in der Nazizeit begangene Unrecht in so weit korrigieren, dass
wieder ein Gedenkstein für Gustav Landauer auf dem Waldfriedhof
errichtet wird.

Hierzu müsste im Jahr 2015 ein Beschluss gefasst werden, damit die
Planungen mit einem Bildhauer-Wettbewerb beginnen können. Eine
anteilige Summe könnte auch durch Spendenaufrufe erbracht werden.
Wir fordern die Mitglieder des Münchner Stadtparlaments auf, einen
dahingehenden Beschluss zu fassen.

----------------------------------
Eine Liste der Unterstützer*innen und alle weiteren Infos
finden sich hier:
http://www.edition-av.de/info/gedenkstein.html


More information about the A-infos-de mailing list