(de) Weitreichende Beschlüsse und internationaler Austausch - Bericht vom 39. Jahreskongress der FAU in Berlin

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Sun Jun 7 11:38:55 CEST 2015


Im "Haus der Demokratie und Menschenrechte" trafen sich am Pfingstwochenende Delegierte 
aus über 20 FAU-Syndikaten, Partnersektionen der Internationalen ArbeiterInnen-Assoziation 
sowie Vertreter*innen weiterer Basisgewerkschaften. Berichte und Wahlen, 
Podiumsdiskussionen und Arbeitsgruppen prägen die jährliche Routine des Kongresses. 
Besonders spannend wird es immer am Sonntagvormittag, wenn die Voten der Syndikate zu den 
vorliegenden Anträgen zusammengetragen werden - das allerdings zum letzten Mal, denn die 
Änderung des Abstimmungsprozesses war einer der mit großer Mehrheit getroffenen 
Beschlüsse: Künftig soll mehr Zeit für Diskussionen zur Verfügung stehen. ---- Auch die 
Verabschiedung eines neuen Grundlagentexts und die Außerkraftsetzung der 
Prinzipienerklärung von 1990 machen diesen Kongress zu einem, der Langzeitwirkung 
entfalten sollte. Jenseits dieser symbolträchtigen Entscheidungen prägten hingegen 
praxisbezogene und strategische Diskussionen das Bild. Der Kampf der FAU Berlin um die 
Löhne von Bauarbeitern der "Mall of Berlin", der erfolgreiche Aufbau der 
Gefangenengewerkschaft GG/BO, die vielfältigen "kleinen" Arbeitskämpfe unserer Sektionen 
und Partnergewerkschaften und die Tatsache eines erheblichen Mitgliederwachstums sind 
Indikatoren für eine zunehmende Bedeutung basisgewerkschaftlicher Aktivität.

Diesen positiven Zukunftsperspektiven stehen große Herausforderungen gegenüber: Einerseits 
ist mit dem Tarifeinheitsgesetz ein staatlicher Angriff auf die Handlungsmöglichkeiten von 
Gewerkschaften geplant, andererseits nehmen Kämpfe zu, die von der Basis direkt ohne Umweg 
über die zentralisierten Gewerkschaftsapparate ausgehen. Diese Kämpfe sind - hier stimmten 
die internationalen Gäste mit den Aktiven der FAU überein - auch Ausdruck einer tiefen 
Krise des Kapitalismus, die keineswegs überwunden ist, sondern zu einer Verschärfung von 
Ausbeutungsverhältnissen führt, denen gerade Arbeitsmigrant*innen besonders stark 
ausgesetzt sind. Umso wichtiger ist der grenzüberschreitende Austausch von Gewerkschaften, 
der auf diesem Kongress viel Raum einnahm: Delegierte aus Italien (USI-AIT), Spanien 
(CNT-AIT ), Großbritannien (SolFed Brighton), Frankreich (CNT-F and CNT-SO), Griechenland 
(Rocinante), der Schweiz (FAU Bern), Schweden (SAC) und des IAA-Sekretariats aus Polen 
berichteten über ihre Erfahrungen und Aktivitäten.

Wie wir auf die neuen Herausforderungen reagieren, aber auch die Chancen aus der 
zunehmenden öffentlichen Wahrnehmung unserer Kämpfe und Ansätze nutzen können, ist jedoch 
genauso "Work in Progress" wie unsere neue Prinzipienerklärung und ein neues 
Erscheinungsbild unserer Print- und Onlinemedien, die Zeitung Direkte Aktion und die 
Webpräsenz www.fau.org. Letzteren Baustellen werden sich im kommenden Jahr Arbeitsgruppen 
widmen, um zum nächsten Kongress abstimmungsreife Ergebnisse präsentieren zu können.

Wie neue oder inaktive Mitglieder am Besten in die aktive Gewerkschaftsarbeit einbezogen 
werden können, ist gerade in Zeiten zunehmender Kämpfe und wachsender Syndikate eine 
drängende Frage. Eine Referentin der Foreigners' Section der FAU Berlin stellte hier das 
Modell der schwedischen Gewerkschaft SAC vor. Auf einer Podiumsdiskussion stellten die 
IWW, Labournet.tv und die GG/BO Beispiele erfolgreicher Organisierung vor.

Einen Schatten voraus warf die bevorstehende Gründung einer Föderation von 
gewerkschaftlich organisierter Kollektivbetriebe, den Union Coops: Sowohl Kaffee als auch 
Bier wurden von Kollektiven produziert, die sich dieser Initiative angeschlossen haben. 
Für eine hervorragende Verpflegung mit Friedrichshainer Spezialitäten danken wir dem 
Kochkollektiv der Rigaer Straße 94.

http://www.fau.org/artikel/art_150603-191116


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