(de) Demons­tra­tion anläss­lich des Anschlags auf die Soli­da­ri­täts­bri­ga­den in Pirsûs (Suruc)

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Wed Jul 22 11:44:13 CEST 2015


Wie in vie­len ande­ren Städ­ten ver­sam­mel­ten sich heute auch in Frei­burg zahl­rei­che 
Men­schen, um der Opfer des Anschla­ges in Pirsûs (türk. Suruc) zu geden­ken und ihre 
Soli­da­ri­tät mit dem demo­kra­ti­schen Pro­jekt in Rojava zu bekun­den. Nach kur­zer 
Mobi­li­sie­rungs­zeit betei­lig­ten sich etwa 200 Men­schen an einer Demons­tra­tion, die 
laut­stark durch die Frei­bur­ger Innen­stadt vom Holz­markt über die Kaiser-Joseph-Straße 
zum Sie­ges­denk­mal und wie­der zurück führte. Der Demons­tra­ti­ons­zug wurde dabei 
stän­dig von meh­re­ren Zivil­be­am­ten beob­ach­tet. Davon lie­ßen sich die 
Demonstie­ren­den aber nicht ein­schüch­tern und the­ma­ti­sier­ten mit Paro­len und Flyer 
den Anschlag. Auch die Rolle des NATO-Mitglieds Tür­kei wurde ange­spro­chen und betont, 
dass die AKP-Regierung durch ihre repres­sive Poli­tik und die — min­des­tens indi­rekte — 
Unter­stüt­zung des IS für die Toten von Pirsûs mit­ver­ant­wort­lich ist.

Bei dem heu­ti­gen Anschlag gegen 12:15 Uhr Orts­zeit wur­den min­des­tens 27 Men­schen 
getö­tet und über hun­dert ver­letzt. Das Selbst­mord­at­ten­tat traf das Kul­tur­zen­trum 
Amara. Dort befan­den sich zu dem Zeit­punkt über 300 Jugend­li­che, die einem Auf­ruf der 
För­de­ra­tion Sozia­list­scher Jugend­ver­bände gefolgt waren. Gemein­sam wur­den Pläne 
zum Wie­der­auf­bau der zer­stör­ten Stadt Kobanê dis­ku­tiert, um anschlie­ßend dort­hin 
zu rei­sen. Zum Zeit­punkt des Anschla­ges sollte eine Pres­se­kon­fe­renz statt­fin­den. 
Zeit­gleich kam es auch in Kobanê zu einem Angriff, bei dem zwei Mit­glie­der der YPG 
getö­tet wur­den. Es wird ver­mu­tet, dass der IS für die Angriffe ver­ant­wort­lich ist, 
auch wenn sich die Ter­ror­or­ga­nis­tion noch nicht dazu bekannte. Die Anschläge 
rich­te­ten sich gegen den Wie­der­auf­bau von Kobanê, gegen den demo­kra­ti­schen 
Auf­bruch in Rojava, gegen „die Geschwis­ter­lich­keit der Völ­ker, gegen das Pro­jekt 
eines selbst­be­stimm­ten Lebens, gegen Demo­kra­tie und Men­schen­rechte.“ (Zitat NAV-DEM)

Rojava steht für den Kampf um ein selbst­or­ga­ni­sier­tes Leben in einer Gesell­schaft 
frei von jeg­li­cher Unter­drü­ckung. Viele Men­schen aus unter­schied­li­chen Län­dern 
schlie­ßen sich den Ver­tei­di­gungs­kräf­ten der YPG/YPJ an um diese Ziele zu 
ver­tei­di­gen. Genau zwei Wochen vor dem Anschlag in Pirsûs lie­ßen der junge 
Inter­na­tio­na­list Kevin Jochim (Dilsoz Bahar) aus Karls­ruhe und fünf wei­tere Freunde 
ihr Leben bei dem Ver­such das Dorf Şergi­rat im Kan­ton Cizîrê zu ver­tei­di­gen. Auch 
ihnen galt die heu­tige Ver­an­stal­tung. Bereits letz­ten Frei­tag war eine kleine Aktion 
in Geden­ken an Kevin (Dilsoz) in Frei­burg durch­ge­führt worden.

Wäh­rend die kur­di­schen Ver­tei­di­guns­g­kräfte erbit­ter­ten Wider­stand gegen die 
Ter­ror­or­ga­ni­sa­tion Isla­mi­scher Staat füh­ren, bil­ligt die Bun­des­re­pu­blik 
zumin­dest indi­rekt die Unter­stüt­zung des IS durch die Tür­kei. Zudem schließt sich die 
BRD dem repres­si­ven Vor­ge­hen gegen fort­schritt­li­che kur­di­sche Kräfte an und hält 
noch immer an einem Ver­bot der PKK fest. Erst vor zwei Tagen ver­an­lasste die 
Bun­des­an­walt­schaft Karls­ruhe die Fest­nahme eines kur­di­schen Akti­vis­ten. Mit dem 
Vor­wurf der Mit­glied­schaft in einer ter­ro­ris­ti­schen Ver­ei­ni­gung kon­fron­tiert 
sitzt er nun in Untersuchungshaft.

Wir ver­ur­tei­len die umfas­sende Repres­sion gegen die kur­di­sche Bewe­gung. 
Gleich­zei­tig gilt unser Mit­ge­fühl und unsere Trauer den Ange­hö­ri­gen, den 
Freun­din­nen und Freun­den, den Geno­sin­nen und Genos­sen der Opfer des Anschlags und 
den gefal­le­nen Kämp­fe­rin­nen und Kämp­fer in Rojava.

Wir wol­len auf die Trau­er­feier für Kevin Jochim (Dilsoz Bahar) auf­merk­sam machen:
Am Sonn­tag, den 26.7, fin­det diese in Karls­ruhe statt. Die Ver­an­stal­tung beginnt um 
14 Uhr im Mikado (Kanal­weg 52).


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