(de) FdA-IFA - Gai Dào #49 - Kuba: Erklärung von Anarchist*innen zum Gefangenenaustausch und der Aufnahme von diplomatischen Beziehungen zwischen Kuba und den USA Von: Taller Libertario Alfredo López (La Habana) / Übersetzung: jt

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Tue Jan 20 14:51:58 CET 2015


Anm. d. Redaktion: Am 17.12.2014 kam es zu im Rahmen eines Gefangenenaustausches zwischen 
den USA und Kuba zu einer ersten Annäherung auf Regierungsebene zwischen den beiden 
Staaten. Die kubanische A-Gruppe "Taller Libertario" hat wenige Tage später folgendes 
Kommuniqué herausgegeben, wo sie auf einige der Aspekte dieser Situation eingeht. ---- 1. 
Die "Normalisierung" der Beziehungen zwischen den Regierungsstellen der USA und Kuba 
könnten dazu beitragen, eine Vielzahl überkommener Einschränkungen aufzuheben, die (von 
eben diesen Regierungen selbst auferlegt) auf den elementaren Beziehungen zwischen 
Menschen in beiden Ländern lasten. ---- 2. Wir freuen uns über alle, die nicht mehr hinter 
Gittern sind, und über die Familien, die sie nun zu Hause begrüßen durften. Endlich in 
Freiheit - nachdem sie jahrelang "legal" eingesperrt waren.

3. Allerdings sind uns die genauen
Bedingungen dieses Handels unbe-
kannt. Er kommt daher praktisch
als Zaubertrick daher, der zu einer
von Wundern geprägten Mentalität
beiträgt und uns in der Rolle passi-
ver Zuschauer*innen belässt.

4. Uns treibt außerdem die Sorge
um, dass das Kapital neue Möglich-
keiten erhält, unsere Leute "mehr"
und "besser" auszubeuten.

5. Dass der Konformismus, das Ge-
fühl der Bedeutungslosigkeit und
die Armut sich mehren, auf Grund-
lage von noch mehr Konsumismus,
größerer Umweltzerstörung und
mehr Massenkultur, weil...

6. Der US-amerikanische Imperialismus noch immer vorhanden ist.

7. Der kubanische Autoritarismus noch immer vorhanden ist.

8. Die Militärbasis in Guantanamo noch immer nicht abgebaut wur-
de und sich dort noch immer ein internationales Gefängnis mit Fol-
terzentrum befindet.

9. Es reicht also nicht, einfach nur eine Gruppe von Gefangenen frei-
zulassen, nicht einmal nur ein besonders verhasstes Gefängnis zu
schließen: Alle Gefängnisse weltweit müs-
sen geschlossen werden.

10. Es reicht auch nicht aus, dass zwei Staa-
ten ihren "kalten Krieg" abrüsten und zu ge-
meinsamen Positionen bzgl. einiger Punkte
gelangen: Die wahre Versöhnung zwischen
den Leuten wird erst dann kommen, wenn
die Staaten nicht mehr vorhanden sind.

11. Noch weniger reicht es, die Blocka-
de von Märkten aufzuheben, damit die
Besitzer*innen der Mittel zur Ausbeutung
fremder Arbeit und der Natur Handel zwi-
schen sich betreiben können: Diese Ausbeu-
tung muss endlich verschwinden.

12. Daher erwarten wir jetzt, wo sich am
Horizont ein mögliches Ende der Blockade
bzw. des Embargos abzeichnet, dass nicht
nur auf Regierungsebene verhandelt wird,
sondern dass alle Kubaner*innen und US-
Amerikaner*innen sich einmischen.
Wir werden unseren Kampf gegen alle For-
men von Herrschaft fortsetzen: den Kampf
gegen die Umweltzerstörung, gegen den Im-
perialismus, gegen den Kapitalismus, gegen die Autoritäten und in
Solidarität mit Genoss*innen aus aller Welt.

Freiheit ohne Sozialismus ist Privilegienwirtschaft und Ungerechtig-
keit. Sozialismus ohne Freiheit bedeutet Sklaverei und Brutalität.

Havanna, 19. Dezember 2014


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