(de) FAU Dresden: Engagiert gegen Rechtsruck von Libertaeres Netzwerk

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Thu Jan 15 17:18:56 CET 2015


Basisgewerkschafter_innen in Dresden engagieren sich aktuell nicht nur für bessere 
Arbeitsbedingungen sondern auch verstärkt gegen das Erstarken nationalistischer und 
rassistischer Ideologie. Hier eine kleine Auswahl von Aktionen der letzten Zeit. ---- Auf 
die Straße gegen Pegida ---- Schon im Oktober mobilisierte die FAU Dresden für die 
Solidaritätsdemonstrationen für die von der IS bedrohten Menschen, insbesondere in der 
basisdemokratisch organisierten Stadt Kobane. Wenig später instrumentalisierten die 
rechten Populist_innen von Pegida den Konflikt für rassistische Stimmungsmache. Die 
Mitglieder der FAU nehmen seitdem zahlreich Woche für Woche an Gegenaktivitäten teil. 
Eigene Informationsmaterialien zum Verhältnis von Rechtspopulismus und Wirtschaftskrise 
wurden herausgegeben und hundertfach verteilt. Ebenso organisierten Mitglieder zur 
Stärkung der Gegenproteste interne und öffentliche Bezugsgruppen-Workshops.

Im Betrieb gegen rassistische Maßnahmen

Die Mitglieder der Basisgewerkschaft Nahrung und Gastronomie (BNG-FAU) setzen sich seit 
ca. zwei Monaten mit den zunehmenden rassistischen Einlasskontrollen in Kneipen und Klubs 
der Dresdner Neustadt auseinander. Neben konkreten Diskussionen mit Kolleg_innen werden 
aktuell Informationsmaterialien erstellt und Taktiken ausgearbeitet um auf diesen 
zunehmenden Rassismustrend in der angeblich alternativen Neustadt reagieren zu können.

Auch auf dem Land: Für soziale Gerechtigkeit und gegen Rassismustrend

Anfang Januar unterstützten Mitglieder des FAU Dresden eine antirassistische Kundgebung 
des DGB in Bad Schandau. Die Veranstaltung protestierte gegen eine gleichzeitige 
Demonstration der NPD die sich gegen 11 in Schandau untergebrachte Flüchtlinge wendete. 
Teile der Demonstration und auch technisches Personal der Stadtverwaltung wurden während 
der Veranstaltung ernstlich von Faschist_innen bedroht. Neben dem CDU-Bürgermeister, 
Vertreter_innen von SPD, DGB und Kirche kam auch ein Sprecher der FAU zu Wort. Dieser wies 
u.a. auf den Zusammenhang von wirtschaftlichen Zukunftsängsten unter lokalen Jugendlichen 
und den Agitationserfolg von Kameradschaften und NPD hin. Er stellte heraus, dass 
Präventionsprogramme gegen Rechts nicht greifen können, wenn die wahrgenomme soziale 
Ungerechtigkeit im aktuellen Wirtschaftssystem dabei nicht mit thematisiert würde. Als 
ersten Schritt zur Lösung des Naziproblems schlug er eine kontinuierliche 
antifaschistische Arbeit der Anwohner_innen selbst vor, die sich dabei klar auf 
kapitalismuskritische Füße stellt. Der Redebeitrag erntete großen Applaus unter den 
Anwesenden.

Anhang Redebeitrag Schandau:

Redebeitrag Einzelmitglied FAU

Sehr geehrte Bad Schandauer_innen und Bad Schandauer,
schön, dass wir uns heute hier eingefunden haben um ein starkes Zeichen gegen Rassismus 
und Rechtsradikalismus zu setzen! Ich möchte mich in meinem Redebeitrag mit der Frage 
befassen, wem wir heute im Protest gegen die NPD auf dem Markt gegenüberstehen und warum.
Zum einen haben sich auf der rassistischen Kundgebung dort drüben natürlich alte Bekannte 
eingefunden wie die Herren Sattelberg und Maleur, die sich wie viele andere Altnazis in 
der 2001 verbotenen SSS organisierten. Diese Organisation hortete unter unser aller Augen, 
Gewehre, Granaten und Sprengstoff um gegen Andersdenkende vorgehen zu können. Allein dass 
sich solche Menschen, die offensichtlich nie mit ihrer faschistischen Gesinnung brachen, 
hier heute wieder auf den Mark stellen können um gegen Menschengruppen zu hetzen ist ein 
Skandal. Und das alles in Deutschland nach dem Bekanntwerden des NSU!
Und auch Martin Hering aus Gohrisch, Betreiber des ,,Nationalen Versandhauses" darf 
natürlich nicht fehlen. Dieser verkauft nicht nur ein Palette an Nazifahnen und -musik, 
auch Waffen wie Pfefferspray und Quarzsandhandschuhe sind im Programm. Letztere mit der 
Beschreibung ,,Die werden dem Gegner unheimlich weh tun." Und der ,,Gegner", daran lässt 
das sonstige Angebot keinen Zweifel, dürfte jeder nicht deutsche, nicht nationalistische 
Mensch sein. Selbiger Martin Hering betreibt in Schandau immer noch einen Laden, den er 
zwar nicht mehr als offensichtlichen Naziladen führen darf, wo der oder die Kameradin aber 
immer noch alles bekommt, was das braune Herz begehrt - und das mitten in der Schandauer 
Innenstadt, auf dem Basteiplatz 3!

Doch das große Problem sind die vielen jungen Leute die sich solche geistigen 
Brandstifter_innen wie Konkol, Sattelberg, Maleur, Steglich, Leichsenring und andere in 
den 90ern und 2000ern als nationalen Nachwuchs herangezüchtet haben. Auf der rassistischen 
Kundgebung finden wir sie, unsere Nachbar_innen aus Schandau, Prossen, Porschdorf, 
Rathmannsdorf, auch manche aus Pirna und Sebnitz. Sie wuchsen in der wirtschaftlich 
schweren Zeit nach der Wende auf, die meisten von ihnen besuchten die Mittelschulen der 
Region und schon als Kinder und Jugendliche war es für sie nicht schwer zu erkennen, dass 
ihnen entweder ein Leben voll mühseliger, unterbezahlter Schufterei oder voll 
Arbeitslosigkeit und damit sozialer Ausgrenzung bevor stand. Für den Werdegang zu einer 
rassistischen und nationalistischen Gesinnung brauchte es dann oft nicht mehr viel; 
Rassistische Vorurteile, gerade gegen die tschechischen und polnischen Nachbar_innen aber 
auch gegen bspw. Sinti und Roma sind in den Haushalten weit Abseits der NPD-Zusammenhänge 
noch gang und gäbe. Dies beeinflusste viele Menschen vor Ort seit Kindesbeinen an.

Präventionsarbeit gegen Rechts in kirchlichen Zusammenhängen, an Schulen und 
Jugendvereinen thematisierten viel zu selten die realen sozialen und wirtschaftlichen 
Ängste der Jugendlichen oder die soziale Ungerechtigkeit unseres Wirtschaftssystems im 
Allgemeinen. Die Ausblendung der sozialen Realität musste fast zwangsläufig bei den 
Kindern aus Arbeiter_innenhaushalten ein tiefes Misstrauen gegen die offiziellen 
Institutionen wecken. NPD und Kameradschaften agierten da klüger: Sie nahmen die Angst vor 
Verelendung und sozialer Deklassierung der Jugendlichen ernst und benannten leichte 
Erklärungsmuster und Schuldige. Die reale Angst und der mangelnde Zugang zu einem 
fundierten wirtschafts- und nationalismuskritischen Verständnis wurde zum Nährboden für 
Diffuse antisemitische und rassistische Weltbilder. Gleichzeitig infiltrierten die rechten 
Kader ohne größeren Widerstand Jugendclubs, Freiwillige Feuerwehren, Fußballvereine usw.. 
Das oft zu geringe soziale Angebot für Jugendliche in der Region erschien so, als hätte es 
die NPD geleistet. Gleichzeitig ging in mehr und mehr Dörfern ein nicht Konformgehen mit 
rechter Ideologie mit massiver sozialer Ausgrenzung und gewaltsamer Bedrohung einher.

Dass der Organisationsgrad der Rechtsradikalen heute im Elbsandstein geringer ist als noch 
vor ein paar Jahren hat eben leider nur kaum mit dem Greifen staatlicher Programme oder 
mit Gegenaktivitäten der Anwohner_innen zu tun, stattdessen mit dem Wegzug vieler rechter 
Protagonist_innen aus wirtschaftlichen Gründen, dem Tod der Führerfigur Leichsenring und 
mit der zunehmenden Abhängigkeit vieler Nazi-Aktivist_innen von chemischen Drogen wie 
Crystal Meth.

Es ist leider bezeichnend für die Einstellung vieler in unserer Mitbürger_innen die heute 
fernblieben, dass obwohl das Elbsandsteingebirge seit nunmehr 25 Jahren als braune 
Hochburg verschrien ist, es hier kaum nennenswerte und kontinuierliche antirassistische 
Initiativen gibt. Es ist bezeichnend, dass nach rechten Skandalen meist v.a. 
Bürgermeister_innen und der Tourismusverband zu hören sind und nicht die Anwohner_innen 
von selbst gegen den braunen Terror auf die Straße gehen. Ich hoffe sehr, wir bereiten 
heute mit unserer gemeinsamen Teilnahme an dieser Kundgebung einen Neuanfang!
Gegen rechte Strukturen in der Sächsischen Schweiz kann nur wirksam angegangen werden, 
wenn die Bürger_innen und Bürger unserer Städte und Dörfer selbst anfangen gegen 
NPD-Werbung, rechte Treffpunkte und das nationale Versandhaus in Gohrisch oder den Laden 
,,Bad Schandau Design" auf dem Basteiplatz 3 vorzugehen. Es braucht Runde Tische und wir 
müssen regelmäßig und kontinuierlich dazu arbeiten. Gleichzeitig müssen wir in der Kneipe, 
im Betrieb und am Küchentisch anfangen gegen rassistische und nationalistische Vorurteile 
vorzugehen und müssen die sozialen Ängste unserer Mitmenschen dabei ernst nehmen aber auch 
die tatsächliche Ursache benennen: und die heißt nunmal kapitalistische Wirtschaft.

Als Ansprechpartner_innen in der Region stehen wir in der Region dabei gerne zur Verfügung.

Wolf Meyer,
als Einzelmitglied der Lokalföderation Dresden, Basisgewerkschaft FAU
www.fau.org/dresden

http://fda-ifa.org/fau-dresden-engagiert-gegen-rechtsruck/


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