(de) FAU-IAA, Direct Action #226 - Mehr als kleine geile Firmen

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Wed Jan 14 11:01:14 CET 2015


Update zum Konzept "Gewerkschaftlich Organisierter Betriebe" (GOB) ---- Das Konzept 
entstand, da es zum einen immer wieder zu Betriebsgründungen aus der FAU Berlin heraus kam 
und kommt, es zum anderen aber auch stetig Anfragen von außerhalb gibt. Die Anfragen von 
außerhalb beinhalten sowohl Jobsuchende, die nicht in einem x-beliebigen Chefbetrieb 
landen wollen, als auch andere Betriebe, die nach Maßstäben für einen "guten Betrieb" 
fragen. ---- Gleichzeitig sehen wir in der Gründung von Kollektivbetrieben auch eine 
Transformationsstrategie, ohne sie als einzigen Weg zur Überwindung des Kapitalismus 
promoten zu wollen. Hierbei orientieren wir uns mit einer Föderation der 
"Gewerkschaftliche Organisierten Betrieben" (GOB) an historischen Vorbildern, wie sie in 
Direkte Aktion 193 beleuchtet wurden. Während die Belegschaftsmitglieder nach wie vor 
individuell in der Gewerkschaft organisiert sind, sind die Betriebe selbst Teil einer 
eigenen Föderation. Über diese GOB-Föderation kooperieren die Betriebe miteinander und 
können sich so dem Druck der Marktkonkurrenz besser entgegenstellen. Konkrete Projekte der 
Föderation sind Beratungsangebote (Rechtliches, Schlichtung/Mediation/Supervision, 
Fortbildung), ein finanzieller Fond, gemeinsames Marketing und Vertrieb, gemeinsame 
Kundenakquise und Lieferketten - bis hin zu einer solidarischen Ökonomie untereinander.

In Zeiten von aufstrebenden Startups mit flachen Hierarchien, die sich selbst das Prädikat 
der "guten Firma" geben (was bei genauerem Hinschauen auf deren Marketing- oder "Human 
Resources"-Abteilung zurückgeht), wollen wir diesem ein paar "harte Fakten" 
entgegenstellen. Auch deshalb haben wir die folgenden sieben Prinzipien als Bedingung für 
einen "Gewerkschaftlich Organisierten Betrieb" benannt:

Der Betrieb ist kollektiviert, d.h. befindet sich in Belegschaftshand, was über eine 
rechtlich verbindliche Struktur abgesichert ist. Basisdemokratie, d.h. jedes 
Belegschaftsmitglied hat genau eine Stimme und wichtige Entscheidungen werden demokratisch 
getroffen (Einschränkungen nur für Probezeit und Aushilfen). Transparenz, umfassend 
gegenüber der Belegschaft, grundsätzlich gegenüber der Gewerkschaft und der 
GOB-Föderation. Gleichbehandlung in der Entlohnung, das umschließt auch: Keine "miesen" 
Beschäftigungsformen wie schlecht bezahlte Probearbeit oder Praktika. Solidarität mit den 
abhängig Beschäftigten in Chefbetrieben: Genauso wie das Handeln in Chefbetrieben 
(Marktdruck) auf Kollektivbetriebe "durchdrückt", so ist auch das Handeln in 
Kollektivbetrieben nicht ohne Auswirkungen auf die Arbeitsbedingungen in den Chefbetrieben 
der jeweiligen Branche. Dem folgend, darf es in Gewerkschaftlich Organisierten Betrieben 
kein Lohndumping geben oder branchenübliche Standards dürfen nicht unterlaufen werden. Ein 
weiteres Prinzip stellt die Kooperation der einzelnen Betriebe in der erwähnten Föderation 
dar. Last not least, muss die Belegschaft mehrheitlich Mitglied der Gewerkschaft sein, 
damit der Anspruch einer Zusammenführung von Organisierung in Chef- wie Kollektivbetrieben 
erfüllt ist.

Aktuell führen wir Gespräche mit einzelnen Berliner Kollektivbetrieben wie etwa der 
Freilichtbühne Weißensee, der Kaffeerösterei Five Roasters und der Kneipe Tristeza. 
Darüber hinaus haben wir mit der Umsetzung der angedachten konkreten Projekte wie etwa 
einer rechtlich-gewerkschaftlichen Beratung für Kollektivbetriebe begonnen.

Jens Klink

Der Autor ist Mitglied der AG "Gewerkschaftlich Organisierter Betriebe" der FAU BerlinDas 
Konzept und Kontaktadressen finden sich in voller Länge unter berlin.fau.org/gob
https://www.direkteaktion.org/226/mehr-als-kleine-geile-firmen


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