(de) FAU-IAA, Direct Action #226 - Restriktionen und Protest -- SexarbeiterInnen brauchen gewerkschaftliche Solidarität

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Tue Jan 6 14:47:48 CET 2015


SexarbeiterInnen sollen sich nach den Plänen von Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig 
(SPD) künftig bei jeder Kommune an- und abmelden müssen. Angeblich soll diese Maßnahme 
ihrem Schutz dienen. "Die Anmeldepflicht macht sie zu Objekten weiterer Einschränkung 
ihrer bürgerlichen Rechte. Es geht um Überwachung, nicht um Schutz", heißt es in einem 
Aufruf, der von SexarbeiterInnen aus verschiedenen Ländern sowie zahlreichen 
Einzelpersonen unterzeichnet und Anfang November in verschiedenen Tageszeitungen, unter 
anderem in der taz veröffentlicht wurde. Unter den unterzeichnenden Organisationen findet 
man etwa die Sexworker aus Österreich und das Kollektiv zur Verteidigung der Rechte der

Demonstration gegen Zwangsregistrierung und "Hurenpaß" im August in Berlin
SexarbeiterInnen aus Spanien. Aus Deutschland haben ebenso die Rote Hilfe Nürnberg, 
verschiedene Datenschutzorganisationen, der Bundessprecherrat der Linksjugend Solid und 
der Bundesvorstand der Piratenpartei den Aufruf unterschrieben. Gewerkschaftliche 
Gruppierungen hingegen sucht man dort vergeblich.

VERBOT STATT SOLIDARITÄT?

Liegt der Grund vielleicht darin, dass in Teilen der feministischen Bewegung und auch in 
gemischten linken Zusammenhängen noch immer das Prostitutionsverbot diskutiert wird? Dabei 
wird gern immer wieder betont, dass nicht die SexarbeiterInnen sondern die Freier bestraft 
werden sollen. Dass ihnen damit allerdings die Ausübung ihres Berufes verunmöglicht werden 
soll, wird dabei in Kauf genommen. "Wenn es um käuflichen Sex geht, geraten auch Linke 
gern mal aus der Fassung", kommentiert der Publizist Markus Liske diese Debatten in einem 
Beitrag in der Zeitung Nolo, dem "Magazin für freiwillige Selbstentgrenzung", der zum 80. 
Jahrestag der Ermordung von Erich Mühsam erschienen ist.

ARBEITSKAMPF DER SEXARBEITERINNEN

Dabei gäbe es vor allem für gewerkschaftlich organisierte Linke genügend Möglichkeiten, 
sich mit den SexarbeiterInnen und ihren Forderungen zur Verbesserung ihrer 
Arbeitsbedingungen nicht nur theoretisch zu solidarisieren. Kaum öffentlich wahrgenommen 
war der Arbeitskampf bei einem großen deutschsprachigen Portal für sexuelle 
Dienstleistungen mit dem bezeichnenden Namen Kaufmich.com im Sommer 2014. Die 
Auseinandersetzung entzündete sich an Neuregelungen des Portals, die für die 
SexarbeiterInnen mit großen Umsatzeinbußen verbunden waren. Danach sollten nicht 
angemeldeten BesucherInnen der Webseite nur eine Telefonnummer, angemeldeten Besuchenden 
die Nummern von drei SexarbeiterInnen täglich angezeigt werden. Bei kostenpflichtigen 
Premium-Mitgliedern der Webseite sollten die Nummern auf 15 täglich beschränkt werden.

Kurz nach der Einführung dieser neuen Regelung begann der Protest der SexarbeiterInnen, 
weil sich massive Umsatzeinbußen ergaben. Als Gegenmaßnahmen haben einige SexarbeiterInnen 
ihre Telefonnummern an verschiedenen Stellen ihres Profils online gestellt und damit eine 
bewusste Regelverletzung vollzogen. Aus Solidarität beteiligten sich daran auch 
KollegInnen, die selber ihre KundInnen gar nicht über das Internet akquirieren. Daraufhin 
wurden die Profile der Protestierenden versteckt. Sie wurden bei Suchanfragen von 
KundInnen nicht mehr berücksichtigt. Auch ihre Blogartikel und Kommentare tauchten auf der 
Webseite nicht mehr auf. Obwohl die Auseinandersetzung zwischen SexarbeiterInnen und 
Portalbetreibenden von Kaufmich.com alle Merkmale eines Arbeitskampfs trug, gab es aus 
linken und gewerkschaftlichen Zusammenhängen kaum Reaktionen. Trotzdem hatten die 
protestierenden KollegInnen Erfolg. Die Portalbetreibenden erhöhten die Zahl der Kontakte 
für die nicht angemeldeten NutzerInnen wieder. Das Portal 
sexarbeiterinnenprotest.blogsport.eu informiert über diese und andere Arbeitskämpfe in der 
SexarbeiterInnenbranche. Es wird Zeit, dass es gewerkschaftliche Solidarität auch von 
außerhalb gibt.

Peter Nowak
https://www.direkteaktion.org/226/restriktionen-und-protest


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