(de) FAU-IAA, Direct Action #226 - Einheitlich für Autonomie -- In Hannover lud die Rosa Luxemburg Stiftung zu einer "Streikademie"

a-infos-de at ainfos.ca a-infos-de at ainfos.ca
Thu Jan 1 10:58:52 CET 2015


Das Bild hat etwas Absurdes: Auf dem Weißekreuzplatz in Hannover campen bereits seit Mai 
sudanesische Flüchtlinge. Ihre Transparente hängen zwischen Fahnenstangen, von denen eine 
blonde Frau ihre weißen Zähne bleckt und zum "Tag der deutschen Einheit" einlädt. ---- 
Dieses Bild präsentiert sich den BesucherInnen der Konferenz "Gemeinsam Strategien 
entwickeln - Erneuerung durch Streik II", zu der neben der Rosa Luxemburg Stiftung 
zahlreiche Einzelgewerkschaften in Hannover geladen hatten. 700 Gäste debattierten drei 
Tage lang das aktuelle Streikgeschehen, Streikgeschichte, vor allem aber Streikstrategien. 
---- FLÜCHTLINGE UND GEWERKSCHAFTSPOLITIK ---- Während es auf der letzten Streikkonferenz 
in Stuttgart 2013 vor allem der Streik bei Neupack gewesen war, der Standing Ovations 
geerntet hatte, waren es dieses Mal die Flüchtlinge: Die SudanesInnen luden auf ihr Camp, 
außerdem sprachen auf der Eröffnung Vertreter der Gruppe "Lampedusa in Hamburg". Peter 
Bremme (ver.di Hamburg) rief dazu auf, Flüchtlinge kollektiv in die Gewerkschaften 
aufzunehmen. Kollektive Empörung löste die polizeiliche Räumung des Berliner 
Gewerkschaftshauses aus, in dem sich seit einer Woche Flüchtlinge aufgehalten hatten.

STREITPUNKT TARIFAUTONOMIE

Zahlreiche TeilnehmerInnen unterzeichneten entsprechend die spontane Petition "Nicht in 
unserem Namen - Refugees welcome!". Die zweite Resolution, die sogar vom gesamten Kongress 
per Akklamation befürwortet wurde, betrifft das Vorhaben einer gesetzlichen Tarifeinheit 
durch die Große Koalition. Einstimmig wird dieses Vorhaben als Eingriff in das Streikrecht 
abgelehnt. Die Resolution positioniert sich zwar durchaus für eine Tarifeinheit, will 
diese aber durch gewerkschaftliche Praxis herstellen.

Für die anwesenden Gäste der FAU-Syndikate Bremen, Hannover und Mannheim war diese 
Resolution daher durchaus problematisch, da die FAU die grundrechtlich garantierte 
Koalitionsfreiheit auch als Bekenntnis zu einer Gewerkschaftspluralität begreift. Die 
angestrebte "Einheit" ist auch zwischengewerkschaftlich möglich. Da die Resolution 
letztlich nur unter der Grundaussage "Hände weg vom Streikrecht!" abgestimmt wurde, 
stimmten auch die anwesenden FAU-Mitglieder zu.

PRACTICE WHAT YOU PREACH

Der gesamte Tagungsablauf könnte dazu verleiten, die Gewerkschaften des DGB als radikaler 
wahrzunehmen, als sie wirklich sind. Selbst die Eröffnungsrede des IG Metall-Vorstands 
Hans Jürgen Urban atmete einen militanten Geist gegen Leiharbeit, Freihandelsverträge und 
für eine Solidarität in der Krise. Die Gewerkschaften des DGB werden sich hier allerdings 
daran messen lassen müssen, wie sie diese Verlautbarungen in die Tat umsetzen.

Es wird auch in naher Zukunft keine politischen Streiks gegen Austeritätspolitik und 
Freihandel geben. Die Konferenz "Gemeinsam Strategien entwickeln" wird aber ermöglichen, 
dass diese Themen wahrscheinlich in den nächsten Tarifauseinandersetzungen eine Rolle 
spielen. In diesem Sinne können Streiks das erfüllen, was die geistige Schirmherrin der 
Konferenz, Rosa Luxemburg, einmal formulierte: "Der ökonomische Kampf ist das Fortleitende 
von einem politischen Knotenpunkt zum andern, der politische Kampf ist die periodische 
Befruchtung des Bodens für den ökonomischen Kampf."

Teodor Webin
https://www.direkteaktion.org/226/einheitlich-fuer-autonomie


More information about the A-infos-de mailing list