(de) FdA-IFA - Zeig der Autorität deinen Arsch - Aufruf zur Solidarität mit den Anarchist*innen aus Belarus vom 25. Februar bis 1. März
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Fri Feb 13 19:42:31 CET 2015
Die vierte Amtszeit von Alexander Lukaschenko wird 2015 enden. In 21 Jahren hat es
Lukaschenko geschafft fast alle sozialen Kämpfe im Land zu unterdrücken, in den 90er
Jahren mehrere politische Gegner zu töten und fast die komplette offizielle Opposition zu
beseitigen. Lukaschenko erlaubte es der belarussische Gesellschaft nicht die sowjetischen
Mentalität zu überwinden. Jeder Beschwerde oder Kritik an der Regierung wurde mit
Repression durch die Polizei oder dem KGB begegnet. Alle Versuche sich zu organisieren,
sehen sich Verfolgung und staatlicher Hysterie ausgesetzt. Die Politik der Regierung kann
mit den Worten: "Alles was nicht kontrolliert werden kann muss zerstört werden!"
beschrieben werden. Momentan bewegt sich der belarussische Staat langsam aber stetig auf
die Unterbindung jeglicher abweichender Meinung oder unabhängigen Denkens hin.
Seit die Wahlen für diesen November geplant wurden, hat der Druck auf die sozialen
Bewegungen zugenommen. Die Behörden haben Angst vor einem Szenario wie in der Ukraine und
versuchen alles, um sogenannte "Extremisten" zu bekämpfen: also alle Menschen, die zu
Veränderungen des aktuellen Regimes aufrufen.
In den letzten zwei Monaten wurden zehn Menschen, welche in Verbindung mit der
anarchistischen Bewegung stehen, verhaftet. Acht von ihnen wurden zu 10 bis 25 Tage Haft
verurteilt, auf Grund von erfundenen Fällen von Widerstand gegen Polizeibeamte und
Gefährdung der öffentlichen Ordnung. Zwei von ihnen wurden bereits im Dezember 2014
verhaftet. Sie verbrachten fünf und zehn Tage im Gefängnis und wurden danach beide in
ihrem Job gefeuert. Nur wenige Tage nachdem sie einen neuen Job gefunden hatten, wurden
sie erneut festgenommen. Aktivist*innen sehen diese erneute Repression im Zusammenhang mit
mehreren Solidaritätsaktionen gegen die Polizeibrutalität bei einem Neujahrspunkkonzert.
Damals durchsuchte die Polizei ein Konzert, erstellte eine Liste aller Teilnehmenden und
filmte diese ab. Zwei Menschen wurden bei diesem Konzert für die Verteilung von
"extremistischem" Material verhaftet. Alle auf dem Konzert befindlichen Personen wurden im
Nachhinein von der Polizei besucht und mit amtlichen Papieren aufgefordert ihre
"extremistischen" Aktivitäten einzustellen. Ausserdem gibt es ab und zu Bedrohungen in
sozialen Netzwerken, die von Menschen ausgehen, die offensichtlich mit der Polizei
verbunden sind.
Im November 2014 begann die Gefängnisleitung ein weiteres Strafverfahren gegen Mikalai
Dziadok, er wurde nach den Repressionen 2010 zu einer Haftstrafe von viereinhalb Jahren
verurteilt. Diesmal werden ihm "schwere Verstöße gegen Gefängnisregeln" vorgeworfen. Um
Druck auf Mikalai auszuüben und seinen Willen zu brechen, mußte er während der vier Jahre
Gefängnis, sehr viel Zeit in Einzelhaft verbringen. Momentan ist Nikolai, der eigentlich
im März diesen Jahres frei kommen sollte, wieder angeklagt, was ihm ein weiteres Jahr
Gefängnis einbringen könnte. Verwandte und Freunde haben keine Zweifel an der
Gerichtsentscheidung, da die gleiche Taktik schon gegen einen der konservativen
Oppositionsaktivisten eingesetzt wurde. So ist die Regierung in der Lage Mikalai während
der bevorstehenden Wahlen im Gefängnis behalten.
Außerdem ist der Anarchist Ihar Alinevich, der eine acht-jährige Haftstrafe für eine
Solidaritätsaktion mit russischen Antifaschist*innen absitzt, erneut in Isolationshaft -
zum fünften Mal in den letzten vier Monaten.
Während der Wahlkampagne im Jahr 2010 wurden dutzende von Anarchist*innen und später auch
Aktivist*innen der Opposition festgenommen und verhaftet. Über 50 Menschen endeten auf
Grund von politisch motivierten Verurteilungen im Gefängnis, darunter fünf
Anarchist*innen. Drei von ihnen sind immer noch in Haft. Es gibt keinen Zweifel daran,
dass die Regierung bereit ist und versuchen wird jegliche systemabweichende Meinung mit
allen Mitteln zum Schweigen zu bringen. Momentan erwarten die meisten von uns ein noch
höheres Maß an Repression.
Deshalb appellieren wir an alle, die dies lesen: geht in der Zeit vom 25. Februar - 1.
März auf die Straße und macht Solidaritätsaktionen für Anarchist*innen und Aktivist*innen
sozialer Bewegungen in Belarus, unterstütz sie in ihrem Kampf für eine gerechte Welt und
gegen die Diktatur.
Ihr könnt entscheiden in welcher Form ihr euch solidarisch zeigt, allerdings möchten wir
euch darauf hinweisen, dass die beiden Soli-aktionen in Minsk, bei denen Menschen ihr
Ärsche entblößten, für ein lebhaftes Interesse in der Gesellschaft und viel Hektik bei der
Polizei gesorgt haben. Deswegen glauben wir es ist an der Zeit den Autoritäten deinen
Arsch zu zeigen und dein Leben selbst in die Hand zu nehmen.
Für eine freie Gesellschaft
Gegen Diktatur und Unterdrückung
Anarchist Black Cross Belarus
Originalaufruf http://abc-belarus.org/?p=5729&lang=en#more-5729
Belarus Info- & Solitour 2014 http://fda-ifa.org/belarus-infotour/
Belarus Info- & Solitour
2013http://fda-ifa.org/unterwegs-in-sachen-solidaritat-infotour-zur-lage-der-anarchistischen-bewegung-in-weissrussland/
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