(de) Wuppertal: PISSARRO - Vater des Impressionismus. Noch drei Wochen Ausstellung bis 22.2.

a-infos-de at ainfos.ca a-infos-de at ainfos.ca
Thu Feb 5 16:20:59 CET 2015


Deeply Impressed! - Camille Pissarro und die Anarchie des Malens ---- Ausstellung im 
Von-der-Heydt Musem – Wuppertal ---- 14.10.2014 bis 22.02.2015 ---- 
http://www.pissarro-ausstellung.de/ ---- http://www.camille-pissarro.org/ ---- Camille 
Pissarro (1830-1903) wird im Wuppertaler Von-der-Heydt-Museum mit einer großen Schau 
seiner Werke als „Vater des Impressionismus“ gewürdigt. Dies ist mehr als nötig, da ab 
1933 in deutschsprachigen Werken der Kunstgeschichte lange Zeit der Name Pissarro im 
Zusammenhang mit dem Impressionismus quasi nicht mehr auftaucht. Der Maler hatte nämlich 
jüdische Wurzeln in einer von der Inquisition aus Portugal vertriebenen Familie. Und er 
war - wie auch andere seiner Malerkollegen - Anarchist. ---- Auf der Antilleninsel St. 
Thomas in der Karibik aufgewachsen, war Camille Pissarro von Kindesbeinen auf an Kunst 
interessiert und setzte sich gegen die Pläne seines Vaters, ihn in die Firma zu nehmen, 
durch. Zu allem Überfluß ehelichte er auch noch das Dienstmädchen seiner Mutter. Einem 
bürgerlich-wohlhabenden Leben als Kaufmann zog er das unsichere und über lange Strecken 
von äußerster Armut gekennzeichnete Leben eines Malers auf dem Lande vor. Er malte nicht 
nur die hart arbeitenden Bewohner_innen der Landschaften, die er auf die Leinwand brachte, 
sondern lebte selbst ihr bescheidenes Leben und baute sein eigenes Gemüse an. In der 
äußeren Erscheinung erinnerte er an Leo Tolstoi.

Als Kommunikator und Kulminationspunkt mehrerer Malergenerationen organisierte er die 
unterschiedlichsten Maler-Individualisten unter dem Spottnamen „Impressionisten“ 
(Eindrückler), den er wie einen Fehdehandschuh aufnahm und zum Markenzeichen machte.

Nachdem im Preussisch-Französischen Krieg von 1870/71 bald eineinhalb tausend Bilder aus 
der Produktion von 15 Jahren von deutschen und französischen Stiefeln in den Matsch seines 
Gartens getrampelt worden waren, fing Pissarro, aus dem Englischen Exil zurückgekehrt, neu an.

Berühmtheiten wie Gaugin, van Gogh, Courbet, Sisley, Monet, Renoir, Cézanne und andere 
gingen bei Pissarro ein und aus und jeder lernte von jedem. Das radikale Experiment mit 
der Farbe und der Form begann und öffnete das Tor zur Moderne. Ab 1894 zerbrach jedoch das 
Netzwerk der Künstler an der chauvinistisch-antisemitischen Dreyfus-Affaire und Pissarro 
wurde als Jude von einstigen Freunden wie Renoir und Degas gemobbt.

Wirtschaftlich erfolgreich wurde er mit seinen Bildern erst 1886 in reifem Alter. Von da 
an konnte er von seinen Werken bequem leben und unterstützte auch lebenslang 
anarchistische Zeitschriften, u.a. mit Grafiken und Familien politisch Gefangener. Dazu 
hielt er auch seine drei Söhne an, die alle Maler geworden waren. Mit 73 Jahren starb 
Camille Pissarro hochgeehrt. Sein Grab befindet sich auf dem Pere Lachaise in Paris.

In der wuppertaler Ausstellung werden Pissarros Bilder denen seiner Freunde und 
Zeitgenossen gegenübergestellt, was einen fabelhaften Vergleich der Malweisen, Stile und 
gemeinsamen und divergierenden Entwicklungen ermöglicht und zudem das Spektrum der 
Ausstellung um selten gesehene Bilder anderer Berühmtheiten und weniger bekannter Künstler 
erweitert. Vorbildlich zu nennen ist die gut sicht- und lesbare Kennzeichnung der Bilder 
über den selben direkt auf der Wand.

Ein Manko der Ausstellung ist jedoch die sonst in Museen üblich gewordene Dokumentation 
des sozialen Umfeldes, die hier nur ganz unzureichend erfolgt. Vielleicht hat an dieser 
Stelle das Geld gefehlt. Der Verzicht auf eines der weither geholten berühmten Bilder 
hätte dies vielleicht kompensiert.

Die Ausstellung wird in einem schönen 400seitigen Katalog dokumentiert, der über die 
gezeigten Bilder weit hinaus reicht und substantielle Essays verschiedener renommierter 
Autoren zu Aspekten des Werkes von Pissarro enthält. Der Aufsatz über die libertären 
Seiten seines Schaffens ist jedoch leider ganz unzureichend und einseitig reduziert auf 
gescheiterte politische Ansprüche gegenüber dem bösen „realen“ Leben.

Der voluminöse hardcover-gebundene Band, herausgegeben von Gerhard Finckh, ist zum sehr 
fairen Preis von 25 € zuzgl. Porto / Verp. im Museumsshop erhältlich.

http://vdh.netgate1.net/Shop.html

R at lf G. Landmesser, LPA Berlin


More information about the A-infos-de mailing list