(de) FDA-IFA: Gai Dào N°56 - Demo für Menschen in Griechenland - Bruch mit der autoritären Linken Von: Einige Anarchist*Innen aus Dortmund

a-infos-de at ainfos.ca a-infos-de at ainfos.ca
Wed Aug 26 10:54:09 CEST 2015


Am 15. Juli fand in Dortmund eine Demonstration unter dem Motto "OXI Spardiktat, OXI 
Kapitalismus! Schönes Leben statt Austerität!" in Solidarität mit den Menschen in 
Griechenland statt. Die Demonstration war Teil eines internationalen Aktionstags. ---- Am 
15. Juli fand in Dortmund eine Demonstration unter dem Motto "OXI Spardiktat, OXI 
Kapitalismus! Schönes Leben statt Austerität!" in Solidarität mit den Menschen in 
Griechenland statt. Die Demonstration war Teil eines internationalen Aktionstags. Nach 
einem Tag Mobilisierung und regnerischem Wetter kamen ca. 100 Leute zur Startkundgebung an 
der Reinoldikirche. Die Demonstration führte durch die Einkaufsmeile in der Innenstadt und 
die Nordstadt mit Endpunkt Nordmarkt. Nur rund die Hälfte der Demo-Teilnehmer*innen blieb 
bis zum Ende der Demo. Mobilisiert für diese Demo hatten folgende Organisationen: Autonome 
Antifa 170, Freundeskreis
Autonomie, Antifaschistisches Medien-
zentrum. Aus unserer Sicht ist es in
Dortmund keine Selbstverständlichkeit, dass
es über die Themen Antirassismus,
Antifaschismus und Freiräume hinaus viele
Aktivitäten gibt. Daher waren wir erfreut
über die Initiative und mit der grundlegenden
Ausrichtung der Demonstration einver-
standen.

Überrascht hat uns aber nicht, dass diese Demonstration für Dortmund
verhältnismäßig viele Menschen aus dem autoritär-sozialistischen Spektrum
anzog. Ca. 15-20 Menschen von Linksjugend, SAV und Die Linke fanden
sich bei der Demo zusammen.

Geschuldet ist dies verschiedenen Punkten: Der Thematik, einer nicht
eindeutig kommunizierten anti-autoritären Ausrichtung und
letztendlich die Duldung von autoritären Kräften auf der Demo sowie
die generelle Verwobenheit von autoritärer und anti-autoritärer Linken.
Während der Demonstration wurde auf antiparlamentarische Parolen
immer wieder von dem beschriebenen Zusammenhang geantwortet.
Von den übrigen Teilnehmer*innen wurde dies entweder einfach nicht
beachtet oder eher als Zankerei und nicht als inhaltliche
Auseinandersetzung (wenn auch nur in Parolen) betrachtet.

Erstaunlich, geht es doch in Griechenland genau um diesen Konflikt
zwischen Basisbewegungen und Parlamentarismus. Aktuell erleben wir
(wie so oft in der Menschheitsgeschichte) in Griechenland das
Zusammenbrechen der parlamentarischen Illusion als Weg der
Befreiung. Viele Menschen haben, nachdem sie auf der Straße gekämpft
haben und in Nachbarschafts- und Basisbewegungen aktiv gewesen
sind, jegliche Hoffnung in den Parlamentarismus verloren. Mit dem
Aufkommen von Syriza wurde diese Hoffnung wieder von neuem
genährt, denn Syriza hat es geschickt verstanden, Basisbewegungen für
sich zu vereinnahmen und den Widerstand gegen die frühere Regierung
als Wahlkampf für sich zu nutzen. Nach der Wahl von Syriza wird
offensichtlich, was die anarchistische Bewegung in Griechenland schon
immer betonte. Zuerst geht Syriza eine Koalition mit der
rechtspopulistischen Anel-Partei ein und jetzt akzeptiert sie noch
rigidere Sparmaßnahmen. Während dieselben (Nazi-)Bullen weiter die
Proteste auf der Straße niederschlagen. Und
alles unter dem Deckmantel von
("Real-")Politik.

Wenn jetzt Leute entgegnen, dass die KKE
für echte Veränderung stehen würde, dann
müssen wir zustimmen. Aber Stalinismus
wird sicherlich nicht zu einer freiheitlichen
Gesellschaft führen.

Im Zuge dieser Situation in Griechenland -
dem offensichtlichen Konflikt zwischen
linkem Parlamentarismus und Basisbewegungen - ist es verwunderlich,
dass dieser Konflikt kaum eine Rolle auf der Demonstration gespielt
hat.

Sich nicht zu diesem Punkt zu äußern, diesen Konflikt nicht zu
thematisieren, ist für uns keine Option, denn somit überlässt man
autoritären Kräften das Feld. Woran liegt es, dass ein eigentlich sehr
passendes Thema nicht dazu genutzt wurde, die Unterschiede zwischen
den verschieden Positionen aufzugreifen?

Denn als Schwesterpartei von Syriza unterscheidet sich "Die Linke",
ihre Jugendorganisation Solid und ihre freudigen Unterwander*innen
von der SAV genau an solchen Widersprüchen, wie sie in Griechenland
zu Tage treten, nur wenig.

Dass die Widersprüche hier in Deutschland noch nicht so offen zum
Tragen kommen, liegt nicht daran, dass das Verhältnis von z.B "Die
Linke" zu Basisbewegungen grundsätzlich anders als in Griechenland
ist, sondern an der generellen Schwäche von revolutionären
Bewegungen in Deutschland. Hätten revolutionäre Gruppierungen eine
größere Relevanz und einen größeren Einfluss auf gesellschaftliche
Abläufe würde dies unserer Meinung nach irgendwann auch hier in
einem offenen Konflikt münden.

Für uns ist es daher keine Option diesen Differenzen solange wie
möglich aus dem Weg zu gehen, sondern einen Diskurs über autoritär-
sozialistische Gruppen in Gang zu setzen. Die Lehren, die Genoss*innen
in vielen anderen Ländern und zu anderen Zeiten machten, wollen wir
nicht unberücksichtigt lassen.

In der radikalen Linken ist es normal, dass aus einem diffusen
antikapitalistischen "Konsens" autoritäre Gruppen ohne Probleme ihr
Unwesen treiben können.

Die Linke, welche beispielsweise im Landtag von Berlin weiter
abschieben lässt, dulden wir genauso wenig wie die Rechten, die noch
darüber hinausgehen wollen.

Klar will "Die Linke" nicht abschieben lassen, aber die "Realpolitik" und
geringere Spielräume für Veränderungen lassen eine emanzipatorische
Politik nicht zu.

Für uns verläuft die Trennlinie nicht zwischen links-rechts, sondern
zwischen autoritär-antiautoritär. Parlamentarische Kategorien sind
keine, in denen wir argumentieren.

Auch wenn in der Linken von einem gemeinsamen Kampf geredet wird
bleibt am Ende doch nur das diffuse "Anticapitalista" übrig.
Für uns ist es wichtig sich dieses Spannungsfeldes bewusst zu sein.
Einige Vorschläge was dies für unsere Praxis bedeuten kann:

o Grundlegende anti-autoritäre Ausrichtung
o eigene Position bei Aktionen deutlicher herausstellen
o einen generellen Diskurs zu autoritärem Sozialismus/Kommunismus
anstoßen
o autoritäre Gruppen aus emanzipatorischen Zusammenhängen/
Strukturen ausschließen. Uns ist bewusst, dass es an der Basis von
vielen autoritären Gruppierungen einige Menschen gibt, die unseren
Ideen nahe stehen oder neu politisiert wurden. Es kann also nicht
darum gehen gegen einzelne Leute offensiv vorzugehen, sondern mit
Fingerspitzengefühl und der Situation angemessenen Methoden sich
deren Ideologie entgegenzustellen, um sie möglicherweise auch mit
unseren Inhalten zu erreichen und das Erstarken von autoritären
Strukturen zu verhindern.
o unseren Diskurs in nicht gefestigte autoritäre Strukturen bringen

Den Bruch mit der autoritären Linken vorantreiben - antiautoritäre
Inhalte stärken!

Danke an die Organisator*Innen der Demonstation!

Einige Anarchist*Innen aus Dortmund


More information about the A-infos-de mailing list