(de) fda-ifa: Connecting European Struggles von evibes - Konferenz in Malmö (Schweden) vom 18. - 20. September 2015

a-infos-de at ainfos.ca a-infos-de at ainfos.ca
Sun Aug 23 15:48:54 CEST 2015


2014 gab es die erste "Connecting European Struggles"-Konferenz im schwedischen Lund. Dort 
trafen Teilnehmer_innen aus verschiedenen europäischen Ländern zusammen, um rund um 
Krisenpolitiken zu diskutieren, sich zu vernetzen und zu mobilisieren. Jetzt rufen wir zur 
CES 2105 auf, diesmal in Malmö, die - so hoffen wir - auf die vorhergehende aufbauen kann 
und größer, besser und breiter wird. ---- Wir haben uns entschieden, das Hauptaugenmerk 
auf der 2015er-Konferenz auf Genderaspekte und Feminismus in der Krise zu werfen - eine 
Perspektive, die in vielen radikalen Analysen unserer momentanten Situation und in vielen 
Sichtweisen auf diese fehlt. ---- 2014 haben wir unsere Aufmerksamkeit zum großen Teil auf 
die Austeritätspolitik in Griechenland und das Aufkommen faschistischer Bewegungen in ganz 
Europa gerichtet. Letzterer Punkt wurde dramatisch untermauert durch eine Demonstration, 
die während unserer Konferenz gegen die "Partei der Schweden"1 in der Umgebung von Lund 
stattfand. Im Laufe der Demonstration stürmte die Polizei mit Pferden und gepanzerten 
Wagen auf unsere Genoss_innen ein.

Während der Konferenz kamen mehrere Themen auf, die wir dieses Jahr detaillierter 
diskutieren möchten. Das beinhaltet das Ausmaß an autoritärer Politik in der "Mitte" des 
politischen Spektrums. Griechenland bietet hierbei ein deutliches Beispiel dafür, wie weit 
Repressionen gegen Menschen vom "Rande der Gesellschaft" gehen: Obdachlose, 
Migrantisierte, mittellose Frauen. Autoritäre Politik hält dabei nicht nur Demonstrationen 
in Schach oder unterdrückt soziale Unruhen. Sie dient dem Angriff auf und der Spaltung der 
Sozialgemeinschaft durch Medienspektakel, Polizeigewalt und staatliche Repression und das 
insbesondere in den Bereichen von Migration und Sozialer Arbeit.

Ausgangspunkt der CES-Konferenz ist die Austeritätspolitik in Europa, sie ist aber in 
keinster Weise auf dieses ungefähre geographische Gebiet begrenzt. Für uns ist die Krise 
in Europa ein gemeinsamer Nenner, der die europäischen Kämpfe grundlegend prägt. Doch die 
Kontinente übeschreitende Natur der Krisenbewegungen bedeutet auch, dass wir mit New York 
genauso verknüpft sind wie mit Paris, mit Kairo so stark wie mit London, mit Hongkong 
ebenso wie mit Helsinki.

Geschlecht und Krise

Die Krise hat bestimmte geschlechterspezifische Auswirkungen, die sich in Europa in Bezug 
auf ihr Ausmaß und ihre Art und Weise unterscheiden. Die Konferenz 2014 legte ihren 
lokalen Fokus mit einem Vortrag auf das Gesundheitswesen von Skåne län2. Diese 
Präsentation machte deutlich, dass es schwedische Austeritätspolitik gibt. Das Krankenhaus 
verzeichnet in den letzten Jahren über 20 Todesfälle, die in Regierungsberichten eindeutig 
in Zusammenhang mit einer fehlenden Förderung gebracht wird, die eine angemessene Pflege 
verunmöglicht. Darüber hinaus berichten Angestelle des Krankenhauses davon, keine Pause zu 
nehmen, zu Doppelschichten gezwungen zu werden, wie sie im wahrsten Sinne des Wortes von 
Patient_in zu Patient_in rennen und täglich weinend zusammenbrechen. Die Angestellten sind 
größtenteils Frauen* und es besteht eine eindeutige Verbindung zwischen ihrem Geschlecht 
und diesen Formen massiver Ausbeutung. Wir laden Care-Workers sowie Aktivist_innen aus 
ganz Europa ein, an der Konferenz teilzunehmen und ihre Erfahrungen und Strategien rund um 
Sorgearbeit zu präsentieren und zu diskutieren!

Faschistische und konservative Mobilisierungen haben sich in vielen Ländern von 
ausschließlich ökonomischen Thematiken ("Die nehmen uns unsere Jobs weg!") entfernt und 
konzentrieren sich nun stattdessen auf Abtreibung, Homo-Ehe und die Verteidung der 
"heiligen Familie". Aus unserer Sicht sind diese Entwicklungen kein Zufall, sondern ein 
natürlicher Teil des Faschismus: Kontrolle über die Körper von Frauen* durch Gesetze, 
soziale Normen und Zwangsheterosexualität. In Ländern wie Spanien, Griechenland und Polen 
war diese Entwicklung besonders intensiv, aber sie ist in verschiedenen Formen in ganz 
Europa präsent. Gewalt in Form von Mord, Misshandlung und Psychoterror gegen Frauen* (und 
andere, wie zum Beispiel Homosexuelle), die sich diesen Beschränkungen widersetzen, ist 
Teil dieser politischen Bewegung, deren Symbole Kreuz, Flagge und Familie sind. 
Antifaschist_innen konzentrierten sich - zumindest in Schweden - größtenteils auf 
Klassenfragen und antikapitalistischen Analysen, welche natürlich notwendig sind, aber 
wichtige Bereiche der Natur des Faschismus auslassen. Wir laden deswegen 
antifaschistische/antirassistische Feminist_innen ein, die sich mit Fragen zu Kämpfen um 
das Recht auf Schwangerschaftsabbruch, für LGBTQ-Rechte auseinandersetzen und die gegen 
Konservatismus, Nationalismus und Faschismus arbeiten.

Der schwedische Staat setzt Migrant_innen unter Drogen, bevor er sie in zur Abschiebung in 
Flugzeuge setzt und schiebt Kinder ab; ein staatliches Programm das zu Frontex gehört 
koordiniert eine spezielle Polizei-Einsatzgruppe, die dem einfachen Auffinden und 
Abschieben von Migrant_innen dienen soll. Innerhalb der EU migrierte Rom_nja, deren 
Lebensgrundlagen durch die Krise in Rumänien zerstört wurden, können bettelnd auf der 
Straße gefunden werden, wo sie wöchentlich Brandanschläge, Misshandlungen und sogar Mord 
erfahren.3 Gender-Fragen hängen stark mit Migration zusammen, dies ist ein weiteres Thema 
das wir beleuchten möchten. Migrant_innen* und LGBTQs befinden sich in spezifischen 
Situationen, die spezifischer Strategien bedürfen. Wie können wir versuchen, auf 
transeuropäischer Ebene zu intervenieren? Eine solche Diskussion haben wir auf der letzten 
CES Konferenz begonnen und wir hoffen, dass feministische migrantische Aktivist_innen 
dieses Jahr ihre Arbeit vorstellen werden, damit wir der Situation kollektiv begegnen können.

Wir wollen außerdem einen Akzent auf die proaktive Propaganda unserer eigenen Bewegung 
setzen. Eine verbreitete Form von Agitprop in Schweden sind beispielsweise feministische 
Comics, die über fanzines, das Internet und in großen Zeitungen verbreitet werden. Dies 
ist eine Möglichkeit, populäre Medien zu nutzen, um eine größere Menge an Menschen zu 
erreichen. Es ist uns wichtig, uns intensiv mit den konkreten Möglichkeiten, wie 
Propaganda verbreitet werden kann, auseinanderzusetzen. Wenn du an ähnlichen Projekten 
beteiligt bist, würden wir uns über eine Vorstellung deiner Arbeit auf der Konferenz freuen.

All dies ist natürlich nur die Spitze des Eisberges, wenn es um feministische autonome 
Politik in Europa geht. Wir wollen unsere Konferenz zusammen mit allen Teilnehmer_innen 
gestalten. Bist du oder ist deine Gruppe an radikalen Projekten beteiligt und willst du 
bzw. wollt ihr Kontakte knüpfen und diskutieren? Schreibt uns doch eine E-Mail, in der ihr 
uns erzählt, wer ihr seid und was ihr macht.

Feminismus

Wir verstehen Geschlecht als eine Praxis; als etwas, das täglich praktisch performt wird 
und das in jeder sozialen Beziehung auftaucht. Geschlecht hängt in komplexer Art und Weise 
mit Körper und dem Materiellen zusammen und verbindet Sexualität, Arbeit (bezahlt und 
unbezahlt), Begehren, Macht und Politik. Feminismus ist Emanzipationspolitik, die uns eine 
neue Art zu Leben verspricht. Feminismus ist keine nebensächliche Sache, keine 
Luxuspolitik, die nur dann ausgeführt wird, wenn es nichts besseres zu tun gibt. Er ist 
ein notwendiger Bestandteil jeder revolutionären Politik und revolutionäre Politik ist ein 
notwendiger Teil des Feminismus.

Einen Fokus auf feministische Themen zu legen, bedeutet, Krisen auf andere Weise zu 
betrachten; unseren Ansatz subtil zu verändern um neue Perspektiven zu finden. Es ist 
unmöglich, soziale Beziehungen in ihrer Gesamtheit ohne eine Gender-Analyse zu verstehen, 
wie sie Körper, Theorien, Bewegungen und Widerstand durchdringen. Krisenpolitik 
konzentriert sich gewöhnlich auf das, was wir gemeinsam haben: Teil einer Klasse oder 
einer Bewegung zu sein. Doch wir wissen, dass es noch nie so einfach war. Strukturelle 
Ungleichheiten weisen Frauen* und Männer* verschiedene Aufgaben zu und geben diesen 
unterschiedlichen Status. Frauen* sind in höherem Grade im öffentlichten Bereich 
angestellt, der oft am stärksten von Wirtschaftskrisen getroffen wird; von Frauen* wird 
sowohl das Leisten von Hausarbeit als auch von stressigen, schlecht bezahlten Jobs 
erwartet. Sie sind allgemein ärmer und haben weniger Kontrolle über ihre Arbeit als Männer*.

Wir sind froh, betonen zu können, dass es in Schweden eine sehr lebhafte Frauen*bewegung 
gibt, die in allen Teilen der Gesellschaft aktiv ist und wir nehmen viele positive 
Entwicklungen wahr, die von ihr ausgehen. Wir hoffen, mit unserer Konferenz auch zur 
Entwicklung einer radikaleren, autonomen Praxis und Analyse innerhalb dieser Bewegung 
beitragen zu können. Feminismus beinhaltet eine tiefgreifende Kritik von 
Repräsentationspolitik, Nationalstaaten und Arbeit - was im staatsfreundlichen Feminismus, 
den viele schwedische Parteien und manchmal sogar der schwedische Staat selbst 
propagieren, manchmal vergessen wird.

Praktische Informationen

Die Konferenz findet vom 18. bis 20. September in Malmö, Schweden, statt. Der genaue Ort 
wird später bekannt gegeben4.

Es wird kostenlose Unterkünfte geben. Wir hoffen, einen Großteil der Fahrtkosten von 
Referent_innen erstatten zu können.

Die Konferenz wird von der autonomen Gruppe Första Linjen5 organisiert, die es in Malmö 
und Lund gibt. FL ist zu Fragen in Bezug auf Antirassismus/Antifaschismus, Massenaktionen, 
Feminismus, Klassenkampf, Arbeitslosigkeit, soziale Betreuung, care work und vielem mehr 
aktiv.

Kontakt: forstalinjen at espiv.net

http://fda-ifa.org/connecting-european-struggles/


More information about the A-infos-de mailing list