(de) FDA-IFA: Gai Dào N°56 - Anarcha-Feminismus: radikal - queer -intersektional1! Von: Politladen Köln

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Sat Aug 22 15:07:34 CEST 2015


Im Rahmen der libertären Wochen in Köln haben einige Frauen*2 auf Anfrage der 
organisierenden Gruppen am 06.Juni 2015 im SSK Ehrenfeld einen Vortrag zum Thema 
Anarcha-Feminismus gehalten. ---- Zu Beginn zeigten wir ein Interview mit 
Anarcha-Feministinnen aus Mexiko3. In diesem werden vor allem weltweite Parallelen der 
Schwierigkeiten deutlich, die FrauenLesbenTransInter* (FLTI*) innerhalb anarchistischer 
Bewegungen erleben. Auch geht es um die Stigmatisierung von Abtreibungen trotz deren 
eigentlicher Legalisierung, um Organisationsformen, sowie die besondere Thematik der 
Feminizide 4, frauenfeindlicher Morde. ---- Danach fassten wir kurz die historische 
Entwicklung des Feminismus zusammen um eine anarchistische Kritik daran deutlicher werden 
zu lassen und Themeneinsteiger*innen einen Überblick über Feminismus im Allgemeinen zu geben.

Da war doch was mit drei Wellen, oder? Nä, finden wir nicht gut. Die
Einteilung des Feminismus in Wellen ist nicht nur durch zeitliche
Überschneidungen und Uneindeutigkeiten ungünstig, sondern
konzentriert sich auch auf weißen5 Feminismus. Dadurch werden
andere Feminismen unsichtbar gemacht und verschwiegen. Ein
aktuellerer Ansatz ist der No-Wave Feminism, die Ablehnung
gegenüber der historischen Einteilung von Feminismus in Wellen,
geprägt insbesondere durch indigene Feminist*innen. Vielleicht gibt es
ja Leser*innen, die sich damit besser auskennen, oder Lust haben, zu
recherchieren und für die folgenden Ausgaben einen tiefer gehenden
Artikel darüber zu verfassen. Unter anderem stellen sich die Fragen,
welche Inhalte historisch überhaupt überliefert werden und wer die
Geschichte schreibt. Denn Frauen*, die sich gegen ihre Unterdrückung
gewehrt haben gab es schon immer und überall.

Wichtige Strömungen und Personen des Feminismus

o 14. bis 18. Jahrhundert: Christine de Pizan, Marie de Gournay, Olympe
de Gouges, Mary Wollstonecraft, Abigail Adams, Hedwig Dohm und
wahrscheinlich einige mehr.

o 19. Jahrhundert: bürgerlich-liberale Frauenbewegung, Forderung von
Gleichstellung privilegierter Frauen mit privilegierten Männern (z.B.
Wahlrecht für reiche weiße Frauen)

o ab 1960er: "Das Private ist Politisch!" - Radikalfeminismus,
Gleichheitsfeminismus, Differenzfeminismus, Ökofeminismus, sozial-
istischer Feminismus, postkoloniale Feminismen: Black Feminism,
Chicana Feminism, Indigenious Feminism, ...

o ab 1990er: (De-)Konstruktivismus und Queer-Theory, auch bürgerlich-
liberaler Postfeminismus

Musik feministischer Raperinnen aus Afghanistan

spielten wir zwischen den einzelnen thematischen Blöcken ab:

Paradis6 macht trotz vielfacher Bedrohungen weiter mit ihrer Musik. Sie
ist bei Frauenorganisationen und -aktivist*innen in Afghanistan sehr
beliebt. Trotz aller Gefahren organisiert sie gemeinsam mit ihrem
iranischen Verlobten weiterhin Konzerte, die ihre einzige
Einkommensquelle sind. Sie singt über die Situation von Frauen* in der
Gesellschaft. "Wir dürfen keine Träume haben, weil wir Frauen* sind,
werden mit Säure attackiert, im Namen des Islam"

Ghogha (Bedeutung: Rebell*in) ist eine persische Sängerin, die bereits
mit verschiedenen Gruppen zusammengearbeitet hat und interessiert
ist, mit vielen verschiedenen Genres zu experimentieren. Ihre Texte
drehen sich um Krieg, Gnostizismus, die Unterwerfung der Erde durch
die Menschen und weitere soziale und philosophische Themen. Nach
dem Weltfrieden strebend liebt sie Poesie und poetischen Rap, macht
unkommerzielle Untergrundmusik. Ihre Lyrics, so schreibt sie, sind
härter als Hardcore! Gemeinsam mit Shaya veröffentlichte sie zum
Beispiel das Lied Khiyaboon (Die Straße)7 .

Soozan Firooz8 rappt ebenfalls über Frauenunterdrückung. "Wenn
Frauen defekte Gehirne haben, tun das auch deine Ehefrau, deine
Schwester, deine Mutter // Du schämst dich nie für deine Untreue, aber
wenn ich meine Stimme erhebe, schneidest du mir die Zunge ab // Ich
bin nicht nur eine Frau, Ich bin auch ein Mensch" Über sie wurde in der
MTV-Reihe "Rebel Music" berichtet.

Warum der Feminismus den Anarchismus braucht - Kritik am nicht-anarchistischen Feminismus

Im Feminismus gab und gibt es Eurozentrismus9 und Whitewashing
("Weißwaschen") der Geschichte, sowie rassistische Denkmuster und
Stellvertretungspolitik. So ist beispielsweise Alice Schwarzer der
Ansicht, dass Kopftuchträger*innen prinzipiell unterdrückt seien und
keine Feminist*innen sein könnten, schlug auch schon Kopftuchverbote
vor.

Das Fordern eines staatlichen/institutionellen Feminismus kann nur zu
Reformen (z.B. Frauenquote in Führungspositionen), nie aber zur
Abschaffung des Patriarchats führen, denn die Spaltung zwischen
privilegierten und abgewerteten Gruppen ist staatserhaltend und dem
Kapitalismus inhärent. So werden vermeintliche Geschlechter-
unterschiede, sowie Rassismus, genutzt, um Lohnungleichheiten zu
rechtfertigen.

Zwar kann die Institutionalisierung, bzw. eine legale Art der
Organisation, dabei hilfreich sein, Repression zu vermeiden. Auch das
Ausnutzen staatlicher Gelder befürworten wir definitiv. Stichwort:
Diversity of tactics. Reformen als Akuthilfe sind richtig und wichtig.
Sich allein auf staatliche Institutionen zu verlassen wird jedoch nicht
nur beim Thema Feminismus schwere Enttäuschung mit sich bringen.
Bestenfalls nutzen Staaten ihre vermeintlich feministischen Werte, um
nationale Interessen zu stärken. Häufig wird rassistische Hetze gegen
weniger emanzipierte Länder verbreitet ("In Europa gibt es doch schon
gleiche Chancen für Frauen, daher müssen wir die wehrlosen
unterdrückten Frauen im globalen Süden von den barbarischen
Männern dort befreien!") Deshalb ist eine anarchistische Sichtweise
wichtig, um die langfristige Perspektive nicht zu vergessen und sich
nicht mit reformistischen Maßnahmen befrieden zu lassen. Das
Patriarchat abschaffen, anstatt es nur erträglicher zu machen!

Weitere Probleme einiger Feminismen sind Sexarbeiter*innen-
feindlichkeit, Ignoranz gegenüber A*sexualität, Homophobie, Biphobie,
Trans*- und Inter*phobie. Manche Feministinnen weiger(te)n sich,
anzuerkennen, dass das biologische Geschlecht genau so eine
Konstruktion ist, wie das soziale. Mit dieser Argumentation wird
insbesondere Transfrauen ihre Weiblichkeit abgesprochen (das nennt
sich Transmisogynie). Oft werden auch Genitalien mit Geschlechtern
gleichgesetzt und ignoriert, dass Sexismus eine Ideologie ist, die nichts
mit Körperteilen oder Hormonen, sondern mit gesellschaftlichen
Strukturen zu tun hat. Ein historisches Beispiel hierfür ist die Riot Grrrl
Bewegung: Trotz vieler wichtiger empowernder Aspekte wurden auf
einigen Festivals Transfrauen ihre Auftritte, ja sogar der Zutritt als
Zuschauerinnen verboten.

Warum der Anarchismus den Feminismus braucht - Was ist Anarcha-Feminismus?

Eigentlich ist Anarchismus doch eine Philosophie, die sich gegen jede
Hierarchie ausspricht und sollte damit inhärent feministisch sein, oder
nicht? Sollte. Wie bereits im Bericht zur AFem Konferenz in London
2014 (siehe Gaidao No 52) erwähnt, ist er das jedoch nicht. Die
anarchistische Bewegung ist in weiten Teilen nicht wirklich
anarchistisch. Wie im sozialistischen Feminismus werden Patriarchat,
cis-Sexismus10, hetero-Sexismus und Misogynie (Frauen-feindlichkeit)
als Nebenwidersprüche betrachtet, die sich in Luft auflösen würden,
wenn nur Staat und Kapitalismus abgeschafft wären. Auch wir wollen
das nicht hinnehmen, sondern ändern! Anarchismus und Feminismus
sollten als gleichwertige Theorien betrachtet und gelebt werden, und
auch Rassismus und Antisemitismus sind nicht Nebenwidersprüche,
sondern Hauptbestandteile von herrschenden Macht-asymetrien.

Die klassischen männlichen Anarchisten, deren Namen wir nicht mehr
nennen wollen, weil sie schon so oft genannt wurden, vergaßen oft den
weiblichen Blickwinkel und beschränkten ihre Theorie und Aktivität
auf Ökonomie und Staat, klammerten jedoch ihr Privatleben aus - bis
hin zu aktiven Weigerungen, die "Frauenfrage" in ihre Praxis
einzubeziehen.

Anarcha-Feminismus soll also eine Mahnung sein, die radikale
Bedeutung des Anarchismus in all ihren Aspekten umzusetzen, die
anarchistische Theorie nicht als abgeschlossen zu sehen, sondern immer
weiter zu entwickeln. Mit ihrer Weigerung, FLTI*-spezifische
Forderungen getrennt von libertärer Theorie zu fassen, waren Anarcha-
Feminist*innen historisch einzigartig. Deshalb wurden und werden sie
innerhalb der Frauenbewegung und auch innerhalb der anarchistischen
Bewegung ausgegrenzt.

Der Ansatz der Total Liberation11 (totale Befreiung), ursprünglich in der
Tierbefreiungsbewegung geprägt, lässt sich gut auf den Anarcha-
Feminismus übertragen: None are free, until all are free! Solange noch
irgendwer unterdrückt wird, können potentiell alle unterdrückt werden.
Alle Befreiungskämpfe sind wichtig und sollten sich solidarisch auf
Augenhöhe unterstützen. Das meint nicht, dass möglichst viele
Unterdrückte sich den friedlichen Protesten weißer cis-geschlechtlicher
heterosexueller Mittelschichtsfeminist*innen anschließen sollen,
sondern dass insbesondere das Einbeziehen von queeren und
postkolonialen Perspektiven und Kämpfen in Theorie und Praxis
wichtig ist. Dazu gehört, dass vergleichsweise weniger marginalisierte
Stimmen diejenigen der Subalternen12, der weniger hegemonialen13,
verstärken und in den Fokus rücken, dass sie mit ihnen anstatt über sie
sprechen. Bei der Aktivität gegen Diskriminierung gilt es, ebenfalls zu
reflektieren, wie mensch selbst eventuell zu Diskriminierungen beiträgt
oder davon profitiert.

Feministische Selbstkritik sowie Solidarität zu all den FLTI*, welche
sich alltäglich gegen ihre Unterdrückung zur Wehr setzten müssen,
ohne sich dabei "poltisch/links/anarchistisch/feministisch" zu nennen,
sind bedeutend. Es gibt auch nicht ein Themengebiet des Anarchismus,
das am wichtigsten wäre, sondern alle Strömungen sollten gleichwertig
zusammenwirken und sich gegenseitig solidarisch unterstützen.

Schon mal als "Manarchist" bezeichnet worden? Das ist ein Begriff von
Anarcha-Feminist*innen für männliche Anarchisten, die respektlos mit
feministischen Belangen umgehen, aktiv antifeministisch handeln oder
auf andere Art unreflektiert das Patriarchat reproduzieren. Dazu
empfiehlt sich der Fragebogen "Are you a manarchist?"1 4 . In Gruppen
kann dieses Phänomen mit ähnlichen Umfragen verdeutlicht werden.
Fragt euch doch mal, wer schon mal Küfa gekocht hat, wer schon mal
einen Redebeitrag gehalten hat, wer schon mal in einer politischen
Gruppe mit mindestens 50% FLTI* gearbeitet hat, welches Geschlecht in
Plena und Diskussionen die höchsten Redeanteile hat.

Wer war und ist alles anarcha-feministisch?

Bei unserer Recherche ist uns besonders aufgefallen: Nicht alle
anarchistischen Feminist*innen sind oder waren explizit Teil der
anarcha-feminstischen Strömung. Wir lehnen es ab, das Label als
Fremdbezeichnung zu nutzen. Dies erwies sich als schwierig, denn bei
einigen in Listen unserer Quellen aufgeführten Frauen*, konnten wir
keine Hinweise darauf finden, dass sie Anarcha-Feminismus auch als
Selbstbezeichnung nutzten. So prägte beispielsweise Voltarine de Cleyre
eher den Anarchismus ohne Adjektive. Der syndikalistische
Frauenbund sah es als eine seiner Aufgaben, Frauen für den
Syndikalismus zu agitieren - darin zeigt sich wiederum das
Nebenwiderspruchs-denken, dass von Anarcha-Feminist*innen
abgelehnt wird. Bei der folgenden Auswahl gilt also zu beachten, dass
eine wesentlich ausführlichere Recherche an manchen Stellen
notwendig gewesen wäre (besserer Zugang zu Originalquellen, mehr
Zeit). Da dies nicht der erste Vortrag zu diesem Thema in Köln war,
versuchten wir vorher, über weniger bekannte Menschen und Gruppen
zu recherchieren, damit auch Themenerfahrene vielleicht noch etwas
neues mitnehmen können.

Schließlich haben wir vorgetragen über

o Louise Michel (1830-1905, Pariser Commune)
o André Léo (1824-1900, ebenso)
o La Voz de La Mujer (ab 1896, Zeitung, Argentinien)
o He Zhen (1884-1920, China/Japan)
o Theresa Claramunt (1862-1932, Spanien, eher Syndikalistin)
o Emma Goldman (1869-1940, überwiegend USA)
o Mujeres Libres (spanischer Bürgerkrieg, Widerstand geg. Franco,
Neugründung 1976)
o Mujeres Creando (seit 1992, Bolivien)

Um die detaillierten Inhalte und Lebensläufe der oben genannten soll es
in diesem Artikel nicht gehen, denn sie lassen sich auf diversen
Websites nachlesen. Anarchopedia, Anarchismus.at, Infoshop.org,
Libcom.org, sowie ein Zine der AG Anarchafeminismus der libertären
Aktion Winterthur dienten uns zur Recherche. Zur allgemeinen
Geschichte feministischer Bewegungen gibt es ebenfalls zahlreiche
Bücher, schaut mal, was eure lokalen Infoläden so bereithalten.

Dass zu wenig Raum für Diskussion blieb bzw. gegeben wurde ist ein
Kritikpunkt an manchen anderen Veranstaltungen der libertären
Wochen. Deshalb haben wir am Ende ein weiteres Interview mit
Anarcha-Feministinnen aus Bolivien15 zugunsten der Diskussionszeit
nicht mehr gezeigt. In diesem Video waren besonders interessant das
Thema Landrechte und Landgrabbing, die Idee traditionelles Wissen
über Geburten abseits der institutionalisierten Medizin weiterzutragen,
aber auch die Kritik an weißem Anarchismus (sinngemäßes Zitat: "Wir
sind nicht Anarchistinnen geworden durch Bakunin oder die CNT, eher
durch unsere Großmütter und das ist eine schöne Art des
Anarchismus").

Leider haben wir es vor der Veranstaltung nicht geschafft, die
spanischsprachigen Videos mit Englischen Untertiteln noch ins
Deutsche zu übersetzen, hätten daher vor Ort eine spontane
Flüsterübersetzung angeboten, falls es notwendig gewesen wäre.

Diskussion und Fazit

Die anfängliche Enttäuschung über vergleichsweise wenige
Besucher*innen wurde durch eine wunderschöne und empowernde
Diskussion am Schluss wieder ausgeglichen. Wir tauschten uns aus über
eigene Erfahrungen in der linken und anarchistischen Szene, über
Mangel an Solidarität, alltäglichen Sexismus, Betroffenheit und
Täterschaft und versuchten gemeinsam immer wiederkehrende
Reaktionen von cis-Männern* auf (anarcha-)Feminismus zu
analysieren. Weiter ging es um die unterschiedlichen Voraussetzungen,
die anarcha-Feminist*innen in verschiedenen Regionen erleben, auch
um aktuelle Proteste gegen Gewalt gegen FLTI* in der Türkei und um
Kritik an bürgerlichen sozialen Bewegungen in Deutschland. Eine
weitere Frage war die, ob Anarchismus heute eher als Theorie genutzt
wird und nicht doch Teil von Sozialisation sein sollte.

Uns fiel auf, dass nur ein cis-Mann* zur Veranstaltung gekommen ist,
während doch einige der cis-Männer* aus den organisierenden Gruppen
es notwendig hätten ihren eigenen Sexismus zu hinterfragen und sich
solidarisch mit feministischen Kämpfen zu zeigen. Ob dies nur am
gleichzeitig stattfindenden G7-Gipfel lag ist fragwürdig. In Zukunft
würden wir uns über mehr praktische Solidarität von männlichen
Anarchisten wenn es um feministische Themen geht freuen. Denn
ansonsten bleibt die Befürchtung, dass sich die organisierenden
Gruppen am Ende nur mit unserer Arbeit und unserem Feminismus
schmücken bzw. diesen Vortrag als Alibi gegen mögliche
Sexismusvorwürfe nutzen könnten.

Heute gibt es zahlreiche anarcha-feministische Gruppen, Projekte und
Einzelpersonen - auch außerhalb von Nordamerika und Mitteleuropa.
Diese machen jedoch nur einen kleinen Teil sozialer Bewegungen aus
und es mangelt an öffentlicher Repräsentation und Rezeption.
Selbstbilder als Teil von queerer oder autonomer Szene scheinen eher
"in Mode" zu sein, als der Begriff des anarcha-Feminismus. Trotzdem
findet theoretische Auseinandersetzung in der Blogosphäre, Essays,
Zines, Zeitschriften, bei Festivals, Versammlungen und Kongressen
statt. Immer noch sind praktische und radikale Kritik an anarchistischer
und feministischer Bewegung notwendig und mögen angesichts
zunehmender Vereinzelung und Isolation von Anarcha-Feminist*innen
mühsam und fruchtlos scheinen. Doch wir sind viele, wir sind überall,
wir müssen uns nur vernetzen.

Bildet viele solidarische anarcha-feministische Banden!

Politladen Köln
infoladenazkoeln.blogsport.de
twitter.com/politladen_azk

Das gender gap "*" soll dazu dienen, nicht nur Frauen*, sondern auch
alle, die sich jenseits der Zweigeschlechtlichkeit verorten, sprachlich
einzubeziehen. Nieder mit dem generischen Maskulinum!

Fußnoten:

1 Intersektionalität: beschreibt die Überschneidung verschiedener
Persönlichkeitsmerkmale in einer Person, wodurch Mehrfach-
diskriminierung entsteht, insbesondere Sexismus und Rassismus bei
Schwarzen Frauen*, Begriff geprägt durch Kimberlé Crenshaw in den
Postcolonial Studies. Diese Überschneidungen gilt es in feministischer
Analyse und Kritik sichtbar zu machen. Weitere Diskri-
minierungskategorien: Körperliche Befähigung, Klasse etc.

2 Frauen*: Wir gehen davon aus, dass Geschlechter soziale Konstrukte
sind, daher das Sternchen, und lehnen die Einteilung von Menschen
anhand dieser Konstrukte ab. Trotzdem hat unsere Zuweisung von
"weiblich" bei der Geburt, unsere Sozialisation in der Rolle von Frauen*,
eine reale Auswirkung aufunser Leben.

3 Interview Mexiko: youtube.com/watch?v=tYrAe1VEIdM

4 Feminizide: http://jungle-world.com/artikel/2010/13/40648.html

5 weiß: auch "race" ist eine soziales Konstrukt nach dem Menschen
eingeteilt werden, dies soll durch die kursive Schrift gekennzeichnet
werden. Dabei geht es aber nicht nur um Hautfarbe, sondern auch um
die Privilegien, die durch die gesellschaftliche Wertung verschiedener
vermeintlicher Herkunft entstehen. "Rasse" ist im deutschen ein
besonders negativ besetzter Begriff, der nun wirklich mal aus dem
Vokabular verschwinden könnte. Da auch die zugehörigen
Analysetheorien den englischsprachigen Postcolonial Studies
entspringen, empfiehlt sich die Übernahme des englischen Begriffes
"race".

6 Paradies: youtube.com/watch?v=MImAAOGxO-o

7 Shaya & Gogha: youtube.com/watch?v=hu1cV8Ilq8k

8 Soozan Firooz: youtube.com/watch?v=qrLhtFh3a1Y

9 Eurozentrismus: Sich auf Europa konzentrieren und den globalen
Süden ignorieren/abwerten, besonders wenn es um Geschichte geht,
auch: europäische Werte und Normen als Bewertungsstandard für die
ganze Welt nutzen.

10 cis: nicht trans*; cis bedeutet, sich mit dem bei der Geburt
zugewiesenen Geschlecht weitestgehend zu identifizieren.

11 Total Liberation: indyvegan.org/total-liberation-interview-1-berta/

12 Subalterne: Dieser Begriff der Postcolonial- und Subaltern Studies
beschreibt Menschen, die sozial, politisch und geographisch außerhalb
der hegemonialen Position stehen und denen die Handlungsmacht
(Agency) abgesprochen wird, die also z.B. negativ von Kolonialismus
betroffen sind.

13 Hegemonie: Vorherrschaft, Vormachtstellung; muss praktisch und im
Diskurs immer neu produziert, bzw. erhalten, werden, Begriff nach
Foucault.

14 Manarchism Umfrage:
anarcha.org/sallydarity/AreyouaManarchist.htm (englisch)

15 Interview Bolivien: youtube.com/watch?v=R_FTZvMScLo


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