(de) FAU-IAA: Direct Aktion #230 - Geringfügig angepisst

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Wed Aug 19 17:58:47 CEST 2015


Die FAU Freiburg beginnt eine Kampagne zu geringfügiger Beschäftigung.?Drei Fragen an das 
Syndikat. ---- Was hat euch zu der Kampagne motiviert? ---- Die Anzahl atypischer 
Beschäftigungsverhältnisse ist in Freiburg außergewöhnlich hoch. Dies vor dem Hintergrund 
ständig wachsender Mieten und der damit einhergehenden Verdrängung. Allein 22.232 Menschen 
arbeiten ausschließlich in geringfügiger Beschäftigung als MinijobberInnen. Das entspricht 
ungefähr 20 Prozent der arbeitenden Bevölkerung in Freiburg. Mit einem Anteil von ca. 60 
Prozent sind dabei Frauen überdurchschnittlich betroffen. Gerade im Gastronomiebereich, 
von dem der Freiburger Fremdenverkehr abhängig ist, geht nichts mehr ohne die vielen 
MinijobberInnen. Motiviert haben uns die erfolgreichen Kampagnen anderer FAU-Syndikate wie 
Jena oder Dresden. Darum sind wir auch an einem bundesweiten Erfahrungsaustausch interessiert.

Kannst du kurz die besonderen Probleme in dem Beschäftigungsbereich schildern?

Für ArbeitgeberInnen sind Minijobs "eine Form staatlich zugelassener Schwarzarbeit". Dabei 
subventioniert der Staat den Niedriglohnsektor aus Steuermitteln zusätzlich für all die 
AufstockerInnen, die von ihrem kargen Lohn nicht leben können und HartzIV beantragen 
müssen. Weitaus die meisten ArbeitgeberInnen drücken sich davor, elementare Arbeitsrechte 
zuzulassen. Dabei nutzen sie zum Teil geschickt "Vergünstigungen" wie insgeheim bezahlte 
Mehrarbeit, die natürlich nicht auf den offiziellen Stundenabrechnungen erscheint, als 
Druckmittel mit Erpressungspotential aus. Durch die Einführung des Mindestlohns im Januar 
2015 kam eine neue Dynamik in diesen Beschäftigungssektor, die wir nutzen wollen.

Gibt es erste Erfolge? Welche Erfolge erwartet ihr?

Bisher haben wir uns darauf konzentriert, die Kampagne durch eine umfangreiche 
Plakatierungsaktion bekannt zu machen und gleichzeitig unsere Flyer an die Leute zu 
bringen. Außerdem haben wir eigens die Website minijobfreiburg.blogsport.eu entworfen, um 
auf diesem Weg an Interessierte zu kommen.Wir sind jedoch als Syndikat auch selbst 
betroffen von den Ausbeutungsbedingungen, die in diesen Jobs gang und gäbe ist. Hier sind 
wir konkreter aktiv und wollen eine Betriebsversammlung einberufen. Außerdem wollen wir 
analog zu unseren Dresdner GenossInnen einen Lohnspiegel ins Netz stellen und formulieren 
diesbezüglich eine Umfrage.

Interview: Emil Lohoff sr.

https://www.direkteaktion.org/230/geringfugig-angepisst


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