(de) FAU-IAA: Direct Aktion #230 - Sechs Monate Kampf und noch immer kein Lohn

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Tue Aug 18 11:10:05 CEST 2015


Die Auseinandersetzung migrantischer Arbeiter der "Mall of Berlin" für ihren Lohn und ihre 
Würde geht weiter ---- "Sie haben die Arroganz der Macht, doch sie haben nicht mit unserer 
Bereitschaft zum Widerstand gerechnet. Was das Aufgeben betrifft, da haben sie bei uns 
keine Chance." Die knapp 200 TeilnehmerInnen der Demonstration "Sechs Monate Kampf und 
noch immer kein Lohn" brechen in Applaus aus, als einer der rumänischen Kollegen spricht, 
die um ihren Lohn kämpfen (DA berichtete). Ein Stundenlohn von sechs Euro sowie Kost und 
Logis war ihnen versprochen worden. Der Betrag ist wesentlich niedriger als der im 
Baugewerbe gültige Mindestlohn. Aber selbst dieser Niedriglohn wurde den Bauarbeitern 
vorenthalten.

Im Oktober 2014 hatten sie sich zunächst an den DGB Berlin-Brandenburg gewandt. Das im 
dortigen Gewerkschaftshaus angesiedelte "Beratungsbüro für entsandte Beschäftigte" nahm 
Kontakt mit dem Generalunternehmer der Baustelle, der Firma Fettchenhauer Controlling & 
Logistic, auf und schrieb Geltendmachungen. Außer Abschlagszahlungen, die nur einen 
Bruchteil des vorenthaltenen Lohnes ausmachten, konnten die Bauarbeiter auf diesem Weg 
allerdings nichts erreichen. Sie hatten weder Arbeitsverträge noch Gewerbescheine - das 
macht die Durchsetzung ihrer Ansprüche schwierig. Einige nahmen die Abschlagszahlungen und 
unterzeichneten zudem eine vom Unternehmen vorbereitete Erklärung, nach der sie auf 
weitere rechtliche Schritte verzichten sollten. Andere beharrten darauf, ihren vollen Lohn 
zu erhalten, und wollten weiter gehen. Erst, als sich die verbliebenen Bauarbeiter an die 
FAU wandten, begann die Öffentlichkeitsarbeit.

"Mall of Berlin - auf Ausbeutung gebaut" lautete die Parole. Der von der FAU kreierte 
Begriff "Mall of Shame" hat sich mittlerweile im Internet verbreitet. Der 
gesellschaftliche Druck hatte bisher nicht ausgereicht, um zu bewirken, dass der 
Generalunternehmer und seine Subunternehmen die ausstehenden Löhne bezahlten. Dabei 
handelte es sich um einige Tausend Euro. Für die Unternehmen sind es Beträge aus der 
Portokasse. Für die betroffenen Bauarbeiter und ihre Familien in der Heimat ist das Geld 
existenziell. Anfang April hatten zwei der Bauarbeiter einen juristischen Etappensieg 
errungen. Das Berliner Arbeitsgericht bestätigte die Forderungen von Nicolae Molcoasa und 
Niculae Hurmuz. Das beklagte Subunternehmen war nicht zur Verhandlung erschienen und hatte 
auch keinen Anwalt geschickt. So musste das Gericht der Klage stattgeben. Doch wenige Tage 
später ging ein Anwalt des Unternehmens in Berufung - jetzt müssen die Arbeiter weiter auf 
ihren Lohn warten. Im August sind die nächsten Prozesse vor dem Arbeitsgericht angesetzt. 
Trotz aller Schwierigkeiten betonen die betroffenen Arbeiter, wie wichtig es für sie war, 
gemeinsam mit der FAU um ihren Lohn zu kämpfen. Nur ein Teil der Betroffenen kann die 
Auseinandersetzung jetzt noch in Berlin führen. Andere mussten wieder nach Rumänien zurück 
oder haben in einer anderen Stadt Arbeit gefunden.

Die Kollegen, die bis heute durchgehalten haben, berichten auch über die vielen 
Schwierigkeiten. Zu Beginn ihres Kampfes hatten sie weder Geld noch Unterkunft. Die FAU 
kümmerte sich um Essen und Obdach. Wenn sie auch nach sechs Monaten Kampf noch immer auf 
ihren Lohn warten müssen, so haben sie doch schon einen wichtigen Erfolg errungen. Sie 
haben deutlich gemacht, dass ausländische ArbeiterInnen in Deutschland nicht rechtlos sind 
und sich wehren können. Denn der Fall der rumänischen Bauarbeiter ist keine Ausnahme. "Es 
gibt viele solcher Fälle. Aber leider sind die Betroffenen nur selten in der Lage, sich zu 
wehren", meint eine Mitarbeiterin von Amaro Foro, einer Organisation von in Berlin 
lebenden Romajugendlichen, auf der Demonstration. Das Leben von vielen Arbeitsmigranten 
aus Osteuropa sei von ständiger Verunsicherung geprägt. Das erstrecke sich nicht nur auf 
die Löhne und Arbeitsbedingungen. Sie würden in den Jobcentern benachteiligt, seien oft 
von medizinischer Versorgung ausgeschlossen und müssten wegen rassistischer 
Diskriminierungen am Wohnungsmarkt oft in teuren Schrott-Immobilien wohnen. Zudem fehlt es 
den Betroffenen oft an Kontakten zu Organisationen und Initiativen, die sie im Widerstand 
unterstützen könnten. Das zeigte sich erst vor einigen Wochen wieder, als eine Gruppe 
rumänischer und bulgarischer Wanderarbeiter in den Fokus der Berliner Medien und einer 
Nachbarschaftsinitiative im grünbürgerlichen Stadtteil Schöneberg geriet. Nicht, dass sie 
in überteuerte Schrottwohnungen leben müssen, wird skandalisiert, sondern dass sie 
angeblich nicht in den Stadtteil passen. Es gibt also genug zu tun für eine kämpferische 
Organisation wie die Foreigners Section der FAU. Sie ist mittlerweile zum Anlaufpunkt für 
KollegInnen aus den verschiedenen Ländern geworden, die in Deutschland um ihren Lohn oder 
um bessere Arbeitsbedingungen kämpfen.

Peter Nowak

https://www.direkteaktion.org/230/sechs-monate-kampf-und-noch-immer-kein-lohn


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