(de) berlin.fau - Mall of Shame, Zweiter Etappensieg gegen Lohnbetrug

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Mon Aug 17 13:34:25 CEST 2015


Heute wurde ein weiterer Fall im Lohnskandal "Mall of Shame" vor dem Arbeitsgericht 
entschieden. Auch diesmal wurde ein Versäumnisurteil, das aus einem Gütetermin, bei dem 
niemand von dem beklagten Subunternehmen openmallmaster GmbH erschien, von dem Gericht 
bestätigt. ---- Demonstration im Dezember 2014. Damals nur ein Sieg für die Würde der 
Arbeiter ---- Auch ohne Wohnsitz Recht auf Klage ---- Das Subunternehmen hat auch diesmal 
komplett bestritten, dass es ein Arbeitsverhältnis gegeben hätte. Der klagende Arbeiter 
war persönlich anwesend und beschrieb detailliert die Regularien und Vorgänge, die beim 
Anwerben und Betreten der Baustelle der Mall of Berlin von ihm beobachtet und erlebt 
wurden. Der Anwalt von openmallmaster, diesmal leiser und schüchterner als zuvor, konnte 
auf die Beschreibung nichts erwidern.

Er versuchte auch diesmal zu argumentieren, dass eine Person, die keinen festen Wohnsitz 
hat, keine Klage einreichen können sollte. Das Gericht hat jedoch klar gemacht dass auch 
wenn der Kläger keinen festen Wohnsitz gehabt habe und von Bekannten und Unterstützern 
tageweise aufgenommen worden sei, kann ihm das Recht nicht versagt werden, eine Klage zu 
erheben, um effektiven Rechtsschutz zu bekommen. openmallmaster muss auch den ausstehenden 
Lohn in Höhe von 6.737,- EUR an den nun dritten Mall-Arbeiter zahlen.

Artikel im Tagesspiegel zum heutigen (13. August) Prozessgeschehen.

"So tun als ob" - Huths Vorsätze

Währenddessen hat sich Investor Huth in der Presse (Cicero, taz) geäußert, dass die HGHI 
von nun an direkt ihre Subunternehmen aussuchen würde, die "nach Überprüfung der 
jeweiligen Firma für uns den Eindruck hinterlassen, dass sie ihre Mitarbeiter 
ordnungsgemäß bezahlen."

Huth möchte also von nun an Verantwortung dafür nehmen, dass alles rechtens zugeht. 
Konsequenterweise müsste er die ganze Verantwortung übernehmen und die ausstehenden Löhne 
der um ihren Lohn geprellten Arbeiter beim Bau der Mall of Berlin zahlen. Schließlich 
wurde zuletzt bekannt, dass Huth Mehrheitseigner an der FCL war, die als ehem. 
Generalübernehmerin der Mall of Berlin pleite ging und ihrerzeit die unseriösen 
Subunternehmen auswählte. Das dieser "Bauherrscher" (Cicero) bei all diesen nach und nach 
zutage tretenden Fakten keinerlei Konsequenzen zu fürchten scheint und die Stadt weiterhin 
mit Shoppingcentern beglücken darf, spricht Bände über die Zustände in Berlin.

Anwälteverschleiß bei Metatec

Im Oktober stehen die Klagen vor dem Arbeitsgericht gegen das Subunternehmen Metatec an. 
Die Firma behauptete bis zuletzt, niemals rumänische Arbeiter beschäftigt zu haben. 
Gleichzeitig speiste diese dubiose Firma mehrere Arbeiter, die für sie arbeiteten, mit 
Verzichtserklärungen und Einmalzahlungen von wenigen hundert Euro ab.

Dass hier Aussage und Wirklichkeit weit auseinander zu klaffen scheinen, müssen 
offensichtlich auch immer wieder die Anwälte von Metatec feststellen. Schon die erste 
Kanzlei, mit der die FAU auch Gespräche führte, riet dem Subunternehmen zur Zahlung der 
ausstehenden Löhne. Die Kanzlei führte ihr Mandat in diesem Fall nicht fort. Auch der 
zweite Anwalt legte sein Mandat nur wenige Wochen nach Übernahme nieder. Nun legte auch 
der letzte und dritte Anwalt sämtliche Mandate nieder. Es wird spannend, wie oft sich 
dieses Spiel wiederholen und wie beharrlich die Firma bei ihren offensichtlichen Lügen 
bleiben will.

https://berlin.fau.org/news/mall-of-shame-zweiter-etappensieg-gegen-lohnbetrug


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