(de) FAU-IAA: Direct Aktion #230 - Kapitalismus 4.0 -- Zwischen prekärer Arbeit und digitaler Revolution

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Thu Aug 13 13:55:27 CEST 2015


Der Kapitalismus steht an der Schwelle zur vierten industriellen Revolution. Nach 
Mechanisierung, Industrialisierung und Automatisierung folgt nun die Digitalisierung. 
Durch das Internet wachsen reale und virtuelle Welt immer weiter zu einem Internet der 
Dinge zusammen. Während sich das Kapital von der Industrialisierung 4.0 neue 
Wachstumsschübe und mehr Profite verspricht, bedeutet dies auf der anderen Seite eine 
weitere neoliberale Transformation der Arbeit. ---- SMART FACTORY (INTELLIGENTE FRABRIK) 
---- Damit die Fabrik der Zukunft (Smart Factory) flexibler, effizienter und intelligenter 
wird, sollen Maschinen, Anlagen und Produkte miteinander reden. Die Kommunikation zwischen 
Mensch, Maschinen und Dingen wird zum zentralen Moment dieser vierten industrielle Revolution.

Wie dadurch die Produktion verändert wird, zeigt ein Trupp autonom organisierter Maschinen 
in der Smart Factory des Deutschen Forschungszentrums für Künstliche Intelligenz GmbH 
(DFKI) in Kaiserslautern. Auf einer prototypischen Produktionsstraße werden zu 
Forschungszwecken Schlüsselfinder gefertigt - kleine Anhänger, mit deren Hilfe sich 
verlorene Autoschlüssel wiederfinden lassen.Für jeden Schlüsselfinder wird zunächst ein 
Computerprogramm geschrieben, das spezielle Kundenwünsche beinhaltet. Diese individuellen 
Wünsche werden auf Funkchips gespeichert. Über das Programm auf dem Chip nimmt der 
Schlüsselfinder mit den Werkzeugmaschinen und Robotern direkt Kontakt auf. So, als fragte 
er: "Wer hat Zeit für mich? Wo bekomme ich hier meine Gravur?" Selbstständig einigen sie 
sich auf die notwendigen Bearbeitungsschritte. Diese Autonomie der Organisation des 
Produktionsablaufes ist das Versprechen von Industrie 4.0.

In der Automobilindustrie werden z.B. seit einiger Zeit die Karossen in der Montage mit 
Transpondern versehen. Diese beinhalten Informationen über die Karosserie und das, was 
während der Produktion passieren soll. Die Transponder kommunizieren mit den Maschinen und 
den MitarbeiterInnen am Band. Beide, Mensch und Maschine, lesen Informationen aus bzw. 
ein, so dass am Ende der Montage all das gemacht und belegt wurde, was auf dem Transponder 
an Modelldetails vorgegeben war.Das Problem der Smart Factory ist, die allgegenwärtigen 
Informationsflüsse in den Griff zu bekommen. Denn mit der Autonomie wächst in den 
Werkshallen der Kommunikationsbedarf - zwischen Abertausenden Produkten, Hunderten 
Robotern, unzähligen Maschinen und Antrieben. Das Produkt teilt mit, dass es gelb 
angestrichen werden will; der Roboter, dass er die nächsten zehn Minuten belegt ist; und 
der Motor in der Bohrmaschine, dass er demnächst seinen Geist aufgeben wird.Das 
intelligente Produkt steuert seinen Produktionsprozess selbst: RFID-Identifikation jedes 
einzelnen Werkstücks in standardisiertem Datenformat stellt die Grundlage dafür dar.

INTERNET DER DINGE

Die Vision: Kühlschränke, die eigenständig Milch und Käse nachkaufen, Waschmaschinen, die 
genau dann waschen, wenn der Strom gerade günstig ist, und Fleisch, das alle Daten über 
seine Herstellung und seine Lieferwege speichert: Im Internet der Dinge werden Objekte 
intelligent und können über das Internet untereinander Informationen austauschen. Das 
Internet der Dinge soll die virtuelle mit der realen Welt vereinen. Grundlage dafür ist 
die RFID-Technologie, durch die Waren und Geräte nicht nur eine eigene Identität in Form 
eines Codes erhalten, sondern auch Zustände erfassen und Aktionen ausführen können.

Auch im Bereich der Logistik spielt das Internet der Dinge eine Rolle: Jeder Behälter, 
jede Palette und jedes Paket wird mit einem digitalen Speicher ausgestattet. Über diesen 
erhalten die Objekte Zielinformationen und Prioritäten - und schon können sie einfache 
Entscheidungen vor Ort selbstständig treffen, und die Dinge finden ihren Weg zum Ziel.

CROWDSOURCING UND CROWDWORK

Outsourcing war gestern, heute ist Crowdsourcing. Unter Crowdsourcing wird die Auslagerung 
traditionell interner Teilaufgaben eines Unternehmens an eine Crowdwork-Gruppe verstanden, 
z.B. über das Internet. Crowdsourcing ist an den Begriff Outsourcing angelehnt, hier geht 
es um die Auslagerung von Unternehmensaufgaben an Drittunternehmen. Crowdsourcing stellt 
somit eine weitere Form der Arbeitsteilung dar.

Die Auslagerung findet z.B über Online-Plattformen statt. Ein Beispiel ist die 
australische Plattform Freelancer. Darüber können Unternehmen Aufgaben im Bereich 
Softwareentwicklung, Design, Texterstellung, Buchhaltung und SEO-Marketing auslagern. Das 
funktioniert so: AuftraggeberInnen stellen Aufgaben auf die Plattform, die Crowdworker 
bieten um ihren Lohn, die Plattform Freelancer nimmt eine Provision von zehn Prozent. Das 
heißt, dass die Crowdworker miteinander um den Auftrag konkurrieren - und dies auch 
international. Die direkte Konkurrenz der Crowdworker wird sich sicherlich nicht positiv 
auf die Entlohnung auswirken. Crowdworker sind die "digitalen Prekären", für die als 
"unternehmerisches Selbst" auch erst neue Organisierungsformen gefunden werden müssen.

Jürgen Mümken

https://www.direkteaktion.org/230/Industrie-4.0


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