(de) FAU-IAA: Direct Aktion #230 - Deutsche Bio-Bockwurst vs. Ami-Chlorhuhn -- TTIP-Proteste zwischen Berechtigung und Panikmache
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Wed Aug 12 10:34:22 CEST 2015
Am 18. April fanden sich VertreterInnen eines breiten Bündnisses von GewerkschafterInnen
in Frankfurt am Main zusammen, um gegen die mittlerweile durchgewunkene Tarifeinheit zu
demonstrieren. Zeitgleich mobilisierten GewerkschafterInnen der IG Metall mit anderen
DGB-Konsorten und grünem Bürgertum zu der parallel stattfindenden Anti-TTIP-Kundgebung.
Die selbsternannte Allianz zur Verteidigung "unserer Lebensmittelstandards" rief ans
Mainufer, um mit anderen Empörten gegen den Satan USA mit Verzehr chlorfreier, deutscher
Bio-Bockwurst zu protestieren. Standards der USA würden ja "unsere Lebensgrundlagen und
hochqualitativen Lebensmittel" herabsetzen. ---- Zweifellos hat TTIP, in vollem Umfang
umgesetzt, schwerwiegende Konsequenzen und muss bekämpft werden. Irritierend ist
allerdings, dass VertreterInnen eines korporatistischen Wirtschafts- und
Gewerkschaftsgebahrens sich als GegnerInnen drohender Arbeitsmarktderegulierung
stilisieren. Lieber DGB, TTIP muss gar nicht mehr so viel am Arbeitsmarkt deregulieren -
dank eurer Beihilfe. Ihr moniert, dass nur zwei von acht Kernabkommen der ILO durch TTIP
ratifiziert werden. Parallel dazu ignoriert ihr, dass das Gesetz zur Tarifeinheit seitens
der ILO als nicht haltbar eingestuft wird.
Laut ILO kollidiert die Tarifeinheit mit dem Übereinkommen über die Vereinigungsfreiheit
und dem Schutz des Vereinigungsrechtes. Ihr partizipiert seit Jahren an der Ausbeutung von
Lohnabhängigen, indem ihr mitsamt der SPD und den Grünen dem BDA in den Arsch kriecht.
Liebe SPD und Grüne, habt ihr die Agenda 2010 schon vergessen? Eigentlich entspricht doch
TTIP in Bezug auf Beschäftigungsverhältnisse genau euren Vorstellungen. Eine Kernkritik an
TTIP beinhaltet, "dass keine Privatisierung öffentlicher Bereiche, insbesondere
öffentlicher Dienstleistungen," erfolgen dürfe. Dennoch wird die GDL mit der Tarifeinheit
unter der Anleitung einer Allianz bekämpft, bestehend aus CDU, SPD, DGB und BDA, wenn die
Lokführer genau auf die Folgen der Bahnprivatisierung mit Streiks aufmerksam machen.
Liebe Empörte der Anti-TTIP-Bewegung: deutscher Standard ist auch nicht gerade ein
Leuchtturm der Emanzipation, weder in Bezug auf prekäre Formen der Arbeit noch in der
Wahrung der Rechtsstaatlichkeit oder bezüglich Biofraß. Die eigentlich berechtigte und
dringende Kritik an TTIP erscheint leider verkürzt. Das liegt unter anderem daran, dass
widersprüchlich agierende Organisationen wie Teile der SPD, des DGB und vor allem der
Grünen den Protest als Imagepolitur verwenden. Denn gerade diese Organisationen sind auch
ohne TTIP schon jetzt aktiv an der Verschlechterung der Lebensbedingungen im Rahmen der
Austeritätspolitik, Prekarisierung und Entdemokratisierung beteiligt.Trotz aller benannten
Irritationen rund um beide Veranstaltungen hat sich unsere Demonstration gegen die
(mittlerweile umgesetzte) Tarifeinheit an diesem Tag zu den Anti-TTIP-Protestler*innen
begeben, um auf das drohende Streikverbot aufmerksam zu machen. Leider war die Mehrheit
der Anti-TTIPlerInnen bereits verschwunden. Vielleicht waren die deutschen Biowürstchen
bereits alle. Wohl bekomm's...
Benjamin Most
https://www.direkteaktion.org/230/deutsche-bio-bockwurst-vs-ami-chlorhuhn
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