(de) FAU-IAA: Direct Aktion #230 - Die Fleischindustrie - das Herz der Ausbeutung
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Sun Aug 9 10:16:41 CEST 2015
An vorderster Front: die deutsche Fleischindustrie mit ihren Produktionsfabriken,
überfüllten und unbelüfteten Mastbetrieben sowie den davon belieferten Schlachthöfen. Die
Opfer? Tiere und Menschen in Tier- und Fleischfabriken. ---- "Fleisch steht seit Langem
für die Freiheit, nach Belieben auszubeuten."1 Tiere müssen unter erbärmlichen Zuständen
als ihrer Würde beraubte Produkte in überfüllten Mastbetrieben bis zur Schlachtung leiden,
für den Profit. Mit der Schlachtverordnung vom 1.1.2013 legte die EU zudem den Tierschutz
in die Hände der Schlachthofbetreiber und schuf die Voraussetzung für unkontrollierte,
tierverachtende Vorgänge in den Betrieben. Dazu profitieren insbesondere Großbetriebe von
den EU-Subventionen. Sie sind es auch, die in hohem Maße auf LeiharbeiterInnen aus
Niedriglohnländern zurückgreifen. Dies geschieht über Subunternehmen in den
Herkunftsländern - sie bestimmen über Einsatzort, Gehalt und Unterkunft. (Siehe DA 229)
Ergebnisse sind Lohndumping und Dequalifizierung. Und wie sieht es mit den Arbeitsplätzen
vor Ort aus?
BELASTUNGEN AM ARBEITSPLATZ
Im Schlachthof zu arbeiten heißt arbeiten im Akkord. Unvorbereitet, mangels
Sprechkenntnissen ohne Möglichkeit, sich mit Vorgesetzten zu verständigen, treffen die
LeiharbeiterInnen auf ein gewalttätiges Arbeitsumfeld, in dem sie unter enormem Zeitdruck
am Fließband gefährliche, immer wiederkehrende monotone Arbeitsschritte durchführen
müssen. Beispielsweise trennen sie Gliedmaßen ab oder verpacken Tierteile. Dabei
verbringen sie ihre oft 13-stündige Schicht in überfüllten Fabrikgebäuden und stehen auf
Böden, die oftmals von Fett und Blut überströmt sind. Je nach Arbeitsplatz sind sie
ständiger Hitze oder Kälte ausgesetzt. Genauso wie die Tiere in den Mastbetrieben sind
auch sie anfällig für Infektionskrankheiten sowie Reizung und Schädigung der oberen
Atemwege. Bei dem Abtrennen von Gliedmaßen an toten Tieren kommt es zu schweren
Verletzungen aufgrund des vorgegebenen Arbeitstempos: Augenverletzungen, Schnittwunden,
Stürze oder der Verlust eigener Gliedmaßen.
Eine medizinische Behandlung findet selten statt. Es ist billiger, die ArbeiterInnen zu
verschleißen, in das Herkunftsland zurückzusenden und zu ersetzen. Viele werden aber nicht
nur zum Abtrennen von Körperteilen und Abpacken eingesetzt. Über Stunden hinweg müssen sie
auch betäuben und töten. Dies führt zu enormer psychischer Belastung. Das Resultat daraus
sind Gewaltausbrüche gegenüber den anderen Opfern der Fleischindustrie. Zitat eines
Arbeiters: "Also, einmal haben mich die reingetriebenen Schweine wahnsinnig gemacht [...
da] kriegst du so einen Hass auf ein Tier, [auch wenn du] es ja sowieso tötest. [...]
Bloß, du tötest es nicht einfach, du stößt fest zu und haust so richtig rein,
zerschneidest die Luftröhre, lässt es in seinem eigenen Blut ertrinken. Spaltest ihm die
Nase.[...]"2 Menschen haben eine angeborene Abneigung gegen das Töten, dies zeigen
wissenschaftliche Studien auf, meist aus der militärischen Forschung.
Der ohrenbetäubende Lärm der Maschinen und die Angstschreie der Tiere steigern die
Aggressivität der ArbeiterInnen. Durch die mangelhafte Ausbildung und den Zeitdruck,
durchschnittlich fünf Sekunden für ein Tier, stechen ArbeiterInnen oft fehlerhaft zu. Für
das Tier bedeutet dies die Verlängerung seiner Qualen. Viele erleben den Beginn der
Abtrennung ihrer Gliedmaßen oder erreichen den 62 Grad heißen Brühtank bei vollem
Bewusstsein, der bei Schweinen zur Enthaarung dient. Manche ArbeiterInnen gewöhnen sich
gezwungenermaßen an die ihnen abverlangte Gewalt und erklären in der Folge "Härte" zur
Voraussetzung für die Ausübung ihrer Tätigkeit.3 Ist der Mensch psychisch betäubt, werden
gewisse Handlungen zur Routine: "Das Schlimmste, schlimmer als die körperliche Gefahr, ist
der emotionale Preis, den man zahlt. [...]"4 Viele ArbeiterInnen sind traumatisiert und
kompensieren ihren eigenen Stress: "Die meisten Stecher haben schon einmal wegen
Körperverletzung eingesessen. Viele haben Alkoholprobleme. Sie müssen trinken, anders
können sie nicht damit umgehen, dass sie den ganzen Tag lebende, zappelnde Tiere
töten.[...]"5, so ein Arbeiter.
AUSBEUTUNG FÜR DEN KONSUM?
Ein Oligopol herrscht über die Fleischindustrie. Wie die Umsätze steigen, so sinken die
Löhne. Der Import von Tieren als Lebendware und Arbeitskräften wächst. Sowohl Tiere als
auch Menschen werden in den deutschen Schlachthöfen physisch und psychisch ausgebeutet und
malträtiert. Dies kann nicht länger ignoriert werden. Die Fleischindustrie ist
wesensverachtend: Kein Leben zählt, Menschen werden in Maschinen verwandelt, Tiere nur als
Produkte wahrgenommen und misshandelt. All dies im Dienste der Fleischherstellung für die
KonsumentInnen. Ihr Appetit nach Fleisch treibt diese Industrie mit an, einschließlich
ihrer Gewalt an Menschen und Tieren.
Lana Wania
[1] Nick Fiddes, Fleisch. Symbol der Macht. Frankfurt/M. 1993. [2] ? Melanie Joy, Warum
wir Hunde lieben, Schweine essen und Kühe anziehen. Karnismus - eine Einführung. Münster
2013.[3] ? Fleischatlas 2014, verfügbar auf
http://www.bund.net/fileadmin/bundnet/publikationen/landwirtschaft/140108_bund_landwirtschaft_fleischatlas_2014.pdf.[4]
? Joy, Warum wir Hunde lieben, Schweine essen und Kühe anziehen. Karnismus - eine
Einführung.[5] Ebd.
https://www.direkteaktion.org/230/die-fleischindustrie-2013-das-herz-der-ausbeutung
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