(de) FAU Dresden: Sich bewegen damit sich was bewegt

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Sun Aug 2 11:09:31 CEST 2015


Es sind harte Zeiten. Täglich erleben wir rassistische Demonstrationen, und fast genauso 
häufig leider Übergriffe und Anschläge auf Migrant_innen und linke Strukturen. Trotz 
dieser Einschüchterungsversuche lassen sich libertäre Gewerkschaftsaktivist_innen in 
Dresden und Umgebung nicht unterkriegen. ---- Mit unserer täglichen Arbeit versuchen wir 
zu vermitteln, was bei vielen soziale Ängste schürt: Ein System das uns Lohnarbeitende und 
Erwerbslose immer unverfrorener ausnutzt, egal ob in Deutschland, Griechenland oder 
Kambodscha. Dagegen organisieren wir gemeinsame Hilfe.  ---- Wir geben euch hier einen 
kleinen Überblick darüber was sich seit dem 1. Mai getan hat und bitten euch gleichzeitig: 
Seid solidarisch, werdet Mitglied! Die Arbeit die wir leisten, könnte noch vielfältiger 
sein, wenn sie auf mehr Schultern verteilt wäre.

Bau und Migration

Der Arbeitskampf der FAU Berlin ("Mall of Shame") ist vielen bekannt. Doch auch in Dresden 
ist Lohnprellerei gegenüber migrierten Kolleg_innen im Bausektor an der Tagesordnung. 
Nicht wenige müssen mit einem dutzend Kolleg_innen in einem stickigen Raum auf der 
Baustelle übernachten. Die "Miete" wird ihnen dann noch vom Chef/ der Chefin in Rechnung 
gestellt. Dazu kommen Probleme wie katastrophaler Arbeitsschutz, so wie vorenthaltene 
Löhne und nicht geleistete Sonderzahlungen, die schnell mal im fünfstelligen Bereich liegen.

Unter den Kolleg_innen hat es sich nach dem Fall der "Mall of Shame" in Berlin auch in 
Dresden rumgesprochen, dass die FAU eine gute Adresse ist um sich gemeinsam zu wehren. Das 
ist nicht immer einfach. Zum einen sieht es aus rechtlicher Sicht aufgrund fehlender 
Nachweise oder durch erzwungene Schwarzarbeit oft schlecht aus. Zum anderen besteht die 
sehr reale Gefahr von Schlägertrupps besucht zu werden, wie es unseren Kolleg_innen auf 
einer Baustelle in Dresden Löbtau im Sommer 2014 passiert ist. In diesem Falle hilft nur 
Druck machen, die Arbeitsfähigkeit der Lohnpreller_innen behindern.
Die oft vorhandenen Sprachbarrieren stellen zusätzliche Anforderungen an junge 
Gewerkschaftsstrukturen. Hier freuen wir uns auch über eure Hilfsangebote.

Aktuell streiten frische Mitglieder der FAU in zwei Fällen für ihren Lohn. Weitere können 
schnell folgen, aus diesem Grunde werden wir die Arbeitskämpfe mit einer 
Informationskampagne zum Thema begleiten.

Erwerbslosenarbeit

Auch in der Erwerbslosenarbeit ist die FAU rege aktiv und versucht Aufklärung zu schaffen. 
Viele Unannehmlichkeiten können wir vermeiden, wenn wir unsere Rechte kennen.
Das fängt bei der Eingliederungsvereinbarung an, die in keinem Fall einfach unterschrieben 
werden sollte, da sie den Grundstein für Maßnahmen und Sanktionen legt. Doch auch gegen 
selbige können wir uns zur Wehr setzen und letztlich fast immer gewinnen.
Als Mitglieder haben wir uns den letzten Monaten immer wieder gegenseitig aufs Amt 
begleitet, uns weiter über rechtliche Details informiert, zusammen Widersprüche 
geschrieben und vieles mehr. Dabei arbeiten wir auch mit einer Reihe anderer Initiativen 
und guten Anwälten zusammen.

Aktuell bereiten wir mit betroffenen Mitgliedern zwei Klagen gegen Sanktionen vor. 
Außerdem sammeln wir Informationen über die Taktiken einzelner Teams und 
Sachbearbeiter_innen, um in Zukunft besser vorbereitet zu sein. Auch in Meißen 
organisieren sich aktuell Betroffene gegen die unerhörten Methoden des lokalen Jobcenters. 
Bei einer ersten Versammlung boten wir Wissensweitergabe und tatkräftige Unterstützung an. 
Anwesend waren hier auch die FAU Berlin und die Erwerbsloseninitiatve Basta Berlin. Wir 
sind gespannt wie es weiter geht.

Ein Existenzminimum steht unserer Meinung nach jeder Person zu - bedingungslos. Auf dieser 
Grundlage werden wir auch in den nächsten Wochen unsere Erwerbslosenarbeit fortsetzen und 
Betroffene ermuntern sich gegen Repressalien zu wehren.

Ungültige Befristungen

Befristete Arbeitsverhältnisse entwickeln sich von der Ausnahme immer stärker zur Regel in 
der Arbeitswelt. Damit wächst bei den Beschäftigten die Unsicherheit, wie es nach der 
Befristung finanziell weiter geht. Gerade außerhalb des Hochschulsektors lohnt sich für 
viele Betroffene allerdings eine Überprüfung der Arbeitsverträge zusammen mit 
Gewerkschaftsaktivist_innen. Nicht selten sind die Befristungen nämlich ungültig, womit 
bei Entfristungsklage das Vorliegen eines unbefristeten Arbeitsverhältnisses festgestellt 
werden kann. Als Folge können je nach Fall beim Unternehmen zusätzliche Gehälter, eine 
Abfindung oder eine unbefristete Stelle für die Kolleg_innen heraus geholt werden. Sich zu 
informieren und sich ggf. mit der Gewerkschaft zu wehren, lohnt sich deshalb eigentlich 
immer. Aktuell hilft die FAU Dresden einer Kollegin in so einem Fall und hofft auf weitere 
Kolleg_innen, die sich anschließen.

Beratung nun jede Woche

Ab diesem Monat stehen Aktive der Dresdner FAU jede Woche bei ihren Arbeitstreffen für 
Fragen zum Thema Erwerbslosigkeit, Hochschule, Betriebsorganizing und vielem mehr zur 
Verfügung. Voranmeldung per Email oder Telefon hilft uns schon im Vorfeld uns auf euren 
Fall vorzubereiten.

Bildung und Kultur

Bereits kurz nach dem 1. Mai legten unsere Arbeitsgruppen IK Dokumentation und 
Schwarz-Rote-Bergsteiger (SRB, siehe Freizeit und Soziales) mit einer großen 
Bildungsveranstaltung nach. Auf einem viertägigen Wanderseminar im Elbsandsteingebirge 
informierten wir mit mehreren geführten Touren und Vorträgen über Widerstand im 
Nationalsozialismus.

Auftakt der Veranstaltung, an der ca. 40 Mitglieder von ASJ, FdA und FAU teilnahmen, 
bildete ein kritischer Einführungsvortrag zur lokalen Widerstandsgeschichte der Region. Am 
nächsten Tag führte eine Tour durch die Wehlgründe u.a. zu einem KZ-Häftlingsmassengrab in 
Lohmen und zum ehemaligen KZ-Außenlager in Pirna Mockethal. An beiden Stellen wurden 
Blumen abgelegt. Am Abend folgte noch ein Vortrag zu anarchosyndikalistischem Widerstand 
in Sachsen. Am dritten Tourtag standen auf der Wanderung Gedenkorte und Schauplätze für 
Widerstandshandlungen zwischen Wehlen und Hohnstein im Fokus. Einen weiteren Schwerpunkt 
bildete des ehemalige KZ Hohnstein und die Biografien einzelner anarchosyndikalistischer 
Häftlinge. Am Abend folgte ein Vortrag über anarchosyndikalistischen Widerstand in den 
restlichen Gebieten des Deutschen Reichs. Die Bands "Alarm!" und "Andi Valandi" 
beschlossen den Abend.

Die Bewertung des Bildungswochenendes waren durchweg positiv und alle Teilnehmenden 
erbaten sich eine vergrößerte Neuauflage im folgenden Jahr. Eine Bitte, der wir gerne 
nachkommen werden.

Antifaschismus

Die aktuelle Situation macht es jede Woche nötig, sich Rassist_innen und Nationalist_innen 
auf der Straße entgegen zu stellen, in Freital, Meißen, Dresden und vielen anderen Städten 
der Umgebung. Wie hunderte andere Menschen beteiligen sich auch FAU-Mitglieder an Schutz 
und Unterstützung von in Dresden angekommenen Flüchtlingen. Das alles kann jedoch nicht 
verschleiern, dass in der rassistischen Pogrom-Stimmung ein Kampf um die Straßenpräsenz 
aktuell nicht zu gewinnen ist. Das zeigen die mittlerweile oft unkommentierten 
Demonstrationen von Pegida ebenso wie eine Vielzahl anderer rechter Aufmärsche in der 
Region. Antifaschismus heißt aktuell die Lebenssituation der Flüchtlinge nach 
Möglichkeiten zu verbessern und den Schutz vor Faschist_innen und Rassist_innen zu 
leisten, den die sächsische Polizei den Betroffenen verwehrt.

Aber nicht nur auf der Straße sondern auch in den Parlamenten und einer Vielzahl von 
Medien ist politisch Land unter. Das bestärkt uns in unserer Ansicht, dass es eine 
grundsätzliche Darstellung sozialer und systemischer Alternativen und eine 
antirassistische wie antikapitalistische Grundbildung an den Schulen, in den Betrieben, 
Nachbarschaften und Erwerbsloseninitiativen braucht, um langfristig aus dem Rechtsschwenk 
der Gesellschaft heraus zu kommen. Diese Bildungsarbeit versuchen wir, wo immer möglich, 
zu leisten. Gleichzeitig wollen wir mit gemeinsamen Kämpfen von deutschen, ausländischen 
und migrantischen Kolleg_innen in der Praxis Ressentiments auflösen und ein greifbares 
Solidaritätsgefühl wecken. Mit mehr Aktiven würden wir in der Zukunft gern unsere 
antifaschistische Arbeit verstärken.

http://www.fau.org/artikel/art_150731-115024


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