(de) FAU-IAA: Direct Aktion #228 - Struggle -- Nachrichten von der Klassenfront
a-infos-de at ainfos.ca
a-infos-de at ainfos.ca
Wed Apr 29 10:13:33 CEST 2015
TÜRKEI: REGIERUNG VERBIETET METALLER-STREIKS ---- Eigentlich kam es bereits Mitte Dezember
2014 zu Tarifabschlüssen zwischen dem Arbeitgeberverband der Metallindustrie der Türkei
(MESS) auf der einen und zwei Metall-Gewerkschaften auf der anderen Seite. Nur handelte es
sich bei diesen Gewerkschaften um Çelik-Is und Türk-Metal. Die eine verortet sich in der
Nähe der regierenden AKP, die andere sogar im Umfeld der rechtsextremen Grauen Wölfe. Die
der sozialdemokratischen Gewerkschaftsföderation angehörende Birlesik Metal-Is (BMI)
wollte sich allerdings nicht mit diesen ausgehandelten Tarifen zufrieden geben. Die
unteren Gehaltsgruppen machen 70 Prozent des Branchenpersonals aus. Um sich gegen die
weitere faktische Zementierung des Niedriglohnsektors zu wenden, traten so am 29. Januar
an 22 Standorten mehrere tausend Beschäftigte in einen Streik.
Doch wurde dieser schon am Tag darauf unterbunden: Präsident Erdogan griff unter
Zustimmung der Regierung auf ein noch unter der Militärjunta geschaffenes Instrument
zurück und verbot den Streik "einfach" kurzerhand für die folgenden 60 Tage, unter
Berufung auf eine vermeintliche Gefährdung der nationalen Sicherheit. In der Folge kam es
sporadisch zu Betriebsbesetzungen, die allerdings nur wenige Stunden anhielten. Der Streik
wurde nur mancherorts unvermindert weitergeführt. Offiziell ruft die BMI nun deswegen ihre
Mitglieder unter anderem zum "Bummelstreik" auf. Dieses einmal mehr skandalöse Vorgehen
Erdogans rief eine breite Welle von Solidarisierung auf den Plan, auch international.
INDIEN: 100.000 FRAUEN GEGEN PRIVATISIERUNG
Im südindischen Bangalore gingen am 12. Februar 100.000 Erzieherinnen und ihre
Unterstützerinnen auf die Straße. Eine der größten Arbeiterinnendemonstrationen in der
Geschichte Indiens! Grund für die Massenmobilisierung ist die Absicht des
hinduistisch-konservativen Präsidenten, die staatlichen Kinderkrippen zu privatisieren.
Dies hätte nicht nur negative Auswirkung für die Betreuung der Kinder, die nicht selten
gesundheitliche Fürsorge beinhaltet, sondern auch auf die Arbeitsbedingungen der
Beschäftigten. Deswegen hielten die Gewerkschaftsföderationen AITUC und CITU ihre
Mitglieder bereits seit dem 2. Februar zum Streik an. Nun sicherte auch die
Provinzregierung Karnatakas den Arbeiterinnen zu, sie gegenüber der Zentralregierung in
ihren Interessen zu vertreten. Neben einer Ablehnung der Privatisierung beinhalten die
Forderungen der Betreuerinnen Lohnerhöhungen, eine Lebensversicherung von 50.000 Rupien
pro Arbeiterin und die Schaffung einer Krankenversicherung für alle Angestellten. Dieser
in seine Größe außergewöhnliche "weibliche" Widerstand erlangte bedauerlicherweise in
vielen Medien wenig Beachtung.
USA: EIN WIN-WIN-STREIK?
Seit Anfang Februar befinden sich 5000 Ölarbeiter an neun Standorten in landesweiten
Streiks - zum ersten Mal seit 35 Jahren. Betroffen sind vor allem Raffinerien des
BP-Konzerns. Die Gewerkschaft United Steelworkers of America (USW), die landesweit etwa
30.000 Arbeiter in verschiedenen Berufen der Ölindustrie vertritt, rief zu den
Arbeitsniederlegungen auf. Dies führte zu einem fünfzehnprozentigen Einbruch der
landesweit raffinierten Menge und bewirkte schlagartig, dass der Preis für Nordseeöl der
Sorte Brent beispielsweise von ca. 49 Euro je Barrel auf etwas über 55 Euro stieg - nicht
gerade ein Nachteil für die Ölunternehmen. Doch die Arbeiter haben eigene triftige Gründe
für den Ausstand: Statt höherer Löhne fordern sie vor allem bessere, sicherere
Arbeitsbedingungen und eine geregelte Abrechnung von Überstunden, da vielerorts erhebliche
personelle Unterbesetzung herrscht und es durch den erhöhten Arbeitsdruck gehäuft zu
Unfällen kommt: 43 Mal im Jahr wird in US-Raffinerien Brandalarm gemeldet, im Jahr 2011
starben 112 Arbeiter. (Für die Folgejahre existieren noch keine ausgearbeiteten
Statistiken.) USW-Funktionär Tom Conway ließ verlauten: "Diese Branche ist die reichste
der Welt. Sie kann es sich leisten, die geforderten Veränderungen vorzunehmen." Aus der
Bevölkerung gab es bisher ungewohnt viele Solidaritätsbekundungen.
SCHOTTLAND: ARBEITSLOSEN-AKTIVIST VERHAFTET
Skandalös: Der 51-jährige Aktivist Tony Cox, Mitglied des Scottish Unemployed Workers
Network, wurde Anfang Februar wegen angeblich "bedrohlichen Verhaltens" von der Polizei
festgenommen. Sie bezieht sich dabei auf eine Ruhestörung, die sich ein paar Tage zuvor in
einem Jobcenter ereignet hatte. Zwar war der betroffene Aktivist "schnell" wieder frei,
doch das unverhältnismäßige Vorgehen der Polizei mobilisierte einige Dutzend
UnterstützerInnen in der ostschottischen Region Tayside. In den Redebeiträgen wurde
betont, wie "normal" Schikane von Amtswegen mittlerweile geworden sei und welche Schande
sie oft für die Betroffenen ist. Auch überregional soll es Unterstützungsaktionen gegeben
haben.
Redaktion Globales
https://www.direkteaktion.org/228/struggle
More information about the A-infos-de
mailing list