(de) FAU-IAA: Direct Aktion #228 - In düstren Zeiten -- Was Pegida für eine radikale Gewerkschaftsbewegung heißt

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Sat Apr 25 18:32:57 CEST 2015


Dresden, eine Stadt im fremdenfeindlichen Taumel. Schon von Beginn der Pegida-Proteste an 
mehrten sich in Dresden Übergriffe gegen AntifaschistInnen und MigrantInnen. Aber auch in 
der Politik machte sich ein deutlicher Rechtsruck bemerkbar. Die AfD, in Sachsen schon 
immer mit Samthandschuhen angefasst, wurde weiterhin geadelt. Die Linke, immerhin 
zweitstärkste Partei des Landes, kam in Diskussionen um die rechten Proteste ebenso wenig 
zu Wort wie andere linke Organisationen. Schaltstellen politischer Meinungsbildung wie der 
konservative Politologe Werner Patzelt (TU Dresden) und der Vorsitzende der Landeszentrale 
für politische Bildung, Frank Richter, kokettierten offen mit der Bewegung.

In der Stadt und weiten Teilen Sachsen kommt diese Haltung nicht von ungefähr. In dem seit 
25 Jahren von der CDU regierten Land ist es gängige Taktik, rechten Argumentationsmustern 
Raum zu geben um ein Erstarken linker Kräfte zu verhindern. So finden sich ranghohe 
CDU-Mitglieder Sachsens auch in Initiativen wie "Linksruck stoppen!" oder sind auf 
Anti-Abtreibungsdemonstrationen zu sehen. Daneben wird sich auf Seiten der 
Staatsanwaltschaften und des Verfassungsschutzes viel Mühe gegeben emanzipatorische 
Zusammenhänge zu diffamieren.

In der aktuell sehr bedrohlichen Situation konnten radikale Linke und Flüchtlinge aber 
auch große Fortschritte in der Zusammenarbeit machen. Die FAU-Strukturen in Dresden 
beteiligten sich neben den wöchentlichen antifaschistischen Protesten auch unterstützend 
an Hilfsaktionen für Flüchtlinge. Des Weiteren versuchten FAU-Aktive mit eigenen Stickern 
und Plakaten den rechten Konsens auf der Straße in Frage zu stellen. Mitglieder der 
Gastro-Sektion BNG-FAU setzen sich darüber hinaus mit rassistischer

Türsteherpraxis in Dresden auseinander, druckten mit guter Resonanz Kampagnenaufkleber a 
la "KellnerInnen / TürsteherInnen gegen Pegida" und brachten in manchen Betrieben mit den 
KollegInnen zusammen Schilder mit Aufschriften wie "Kein Bier für Pegida" an. In die 
antifaschistischen Gegenproteste intervenierte die FAU in Dresden mit einem Flugblatt. In 
ihm wurde festgestellt, dass der Zulauf von sozial verunsicherten und von der Politik 
frustrierten Bevölkerungsteilen nur dann nachhaltig gestoppt werden kann, wenn dem eine 
bessere, antikapitalistische sowie basisdemokratische Alternative gegenüber gestellt würde.

Auch im Umland war die FAU anlässlich der Gegenproteste zu einer NPD-Veranstaltung aktiv. 
In einem Redebeitrag vor den BürgerInnen des kleinen Örtchens Bad Schandau wurde klar die 
Notwendigkeit von Selbstorganisation und antikapitalistischer Kritik geäußert, um 
antifaschistischen Widerstand wirksam werden zu lassen. Die Folge war viel Zuspruch unter 
den Teilnehmenden und eine Ausweitung der Kontakte in der Region.

Die Entscheidung, die aktuellen Auseinandersetzungen mit der eigenen Position zu 
unterstützen, hat sich als richtig erwiesen. Die FAU erfuhr in diesem Zuge Mitglieder- und 
Interessiertenzuwachs. Gleichzeitig braucht es mehr Konzepte, wie Flüchtlinge ohne 
Arbeitserlaubnis besser organisiert und unterstützt werden können. Für ein langfristiges 
Kontra gegen den überwältigend starken rechtssympathisierenden Bevölkerungsanteil wird es 
aber vor allem die Präsenz unserer gesellschaftlichen Ideen in der Öffentlichkeit und die 
besondere Hervorhebung internationaler Kämpfe brauchen.

Wolf Meyer

https://www.direkteaktion.org/228/fau-und-pegida


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