(de) "Mall of Berlin" - Mall of Shame - Demonstration 25.4. (en, it)
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Wed Apr 22 15:23:03 CEST 2015
6 Monate später noch immer kein Lohn. Wir rufen euch deshalb alle dazu auf, die Forderung
der Arbeiter solidarisch zu unterstützen und den Protest gegen Ausbeutung migrantischer
Arbeiter_innen gemeinsam und entschieden auf die Straße zu tragen! Der Kampf geht weiter!
---- Mall of Shame: Zahlt die Arbeiter! - Gegen die Ausbeutung migrantischer
Arbeiter_innen! - Samstag, 25.4.2015 - Beginn: 12 Uhr - Leipziger Platz 12 (U-Potsdamer
Platz) ---- Demoposter ---- Die "Mall of Berlin" ist mittlerweile ein bundesweit bekanntes
Symbol der gängigen Ausbeutung migrantischer Arbeiter_innen aus Ländern der erweiterten EU
geworden. ---- Die Geschichte ist bekannt ... ---- Dubiose Vermittler hatten hunderte von
Arbeitern in Rumänien und anderen EU-Ländern angeworben und ihnen einen guten Arbeitsplatz
auf der Baustelle der "Mall of Berlin" versprochen.
Es gäbe Unterkunft und Verpflegung, sowie einen Stundenlohn von 5-6 Euro, so wurde ihnen
erzählt. Am Ende wurden - bei 10 oder mehr Arbeitsstunden/Tag und einer 6-Tage-Woche -
noch nicht einmal diese lächerlich niedrigen Löhne vollständig ausgezahlt. Vielmehr wurde
den Arbeitern für gebührenfreie Wohnsitzanmeldungen Geld abgeknöpft, ebenso gab es keine
bzw. völlig überteuerte Unterkünfte und keine angemessene Verpflegung. Ohne Geld waren die
Arbeiter gezwungen, auf der Baustelle zu schlafen.
Infos zur Demo:
Wann? Samstag, 25.4.2015, Beginn: 12 Uhr
Wo? Leipziger Platz 12 (U-Potsdamer Platz)
Weitere Infos zur Demo bei facebook.
Als die Arbeiter im Herbst 2014 nach Monaten der unbezahlten Arbeit begannen, auf die
ausstehenden Zahlungen ihrer Löhne hinzuweisen, wurden sie systematisch durch das Geflecht
von Subunternehmen hingehalten, mit immer neuen Versprechungen erst besänftigt und dann
verbal und körperlich bedroht. Dabei hatten sich die Ausbeuter immer darauf verlassen,
dass die Arbeiter sich wegen nicht vorhandener Deutschkenntnisse und fehlendem Wissen über
die deutsche Gesetzgebung sich nicht effektiv wehren können würden.
Doch ein Teil der um den Lohn geprellten Arbeiter hat sich entschieden, nicht klein
beizugeben und ohne Geld nachhause, zu ihren Familien zurückzukehren. Sie protestierten
zuerst allein auf der Baustelle, und organisierten sich dann in der Freien Arbeiterinnen-
und Arbeiter-Union Berlin (FAU Berlin), um gemeinsam für die Löhne zu kämpfen.
6 Monate später immer noch kein Lohn.
Die am Bau der Mall of Shame agierende Bauleitung, die Fettchenhauer Controlling &
Logistic GmbH (FCL, Berlin), der Investor Harald Huth und seine HGHI High Gain House
Investments GmbH (Berlin), sowie die von ihnen beauftragten dubiosen Subunternehmen
openmallmaster GmbH (Frankfurt a.M.) und METATEC Fundus GmbH & Co. KG (Berlin) haben im
letzten halben Jahr trotz wiederholten Aufforderungen durch die Arbeiter und ihrer
Gewerkschaft FAU Berlin absolut nichts zur Aufklärung der Ausbeutungsvorwürfe beigetragen
oder gar die Auszahlung der Löhne veranlasst.
Die Gründe dafür sind offensichtlich. Es war nie geplant, die migrantischen Arbeiter
tatsächlich legal anzustellen und ihnen ihren zustehenden Lohn auszuzahlen. Die Ausbeutung
war und ist gewollt - sie hat System. Daher wird nach wie vor von Seiten der
Verantwortlichen bestritten, dass die Arbeiter für sie tätig gewesen seien, bzw. dass sie
Anspruch auf Lohnzahlungen der Firmen hätten.
Routinierte Ausbeutung
Die Situation der ehemaligen Mall-Arbeiter ist absolut kein Einzelfall. Systematische
Ausbeutung migrantischer Arbeiter_innen ist in Deutschland beinahe Standard. Nicht nur im
Baugewebe, auch bspw. im Gaststätten- und Gastronomiebereich oder der Logistikbranche
treten mehr und mehr Unternehmen für den eigenen Profit besonders die Rechte migrantischer
Arbeiter_innen mit Füßen. Deutschland erbaut seinen Reichtum weiterhin auf der Ausbeutung
gerade von migrantischen Arbeiter_innen. Kapitalismus geht hier Hand in Hand mit Rassismus.
Auch auf die Politik des Landes ist dabei wie üblich Verlass - denn am Beispiel der
Arbeitssenatorin Kolat ist einmal mehr zu sehen, dass Berufspolitiker_innen davon
ausgehen, ihre Aufgaben seien mit dem Dreschen von Phrasen und Bedauernsäußerungen erfüllt.
Der Lohnkampf der ehemaligen Mallarbeiter zeigt beispielhaft, dass wir selbst um die
geringsten, (inzwischen) angeblich sicheren Rechte, wie etwa einen bereits gesetzlich
festgeschriebenen Mindestlohn für geleistete Lohnarbeit, immer wieder von Neuem kämpfen
müssen.
All unsere Rechte - die von Generationen von Arbeiter_innen vor uns bereits hart erkämpft
wurden - sind gefährdet, wenn wir sie nicht konsequent und stetig gegen jeden einzelnen
Angriff verteidigen!
Wir werden nur die Rechte bekommen, die wir uns selbst erkämpfen.
Es ist also wiedermal an der Zeit, diese Mall of Shame aufzusuchen!
Wir werden dem Investor, dem verantwortlichen Bauherrn und seinen Subunternehmen auch
weiterhin deutlich machen, dass sie diesen Konflikt nicht werden aussitzen können. Dieses
Mal kommen sie nicht ungeschoren davon! Die Arbeiter wehren sich - bis ihre Forderungen
tatsächlich erfüllt sind!
Wir rufen euch deshalb alle dazu auf, die Forderung der Arbeiter solidarisch zu
unterstützen und den Protest gegen Ausbeutung migrantischer Arbeiter_innen gemeinsam und
entschieden auf die Straße zu tragen!
Aktueller Stand
Diesen Monat (am 10., 14. und 20.4.) stehen die ersten Gerichtstermine
("Güteverhandlungen") zu den Klagen der Arbeiter an. Die FAU Berlin und die Arbeiter
rechnen auch im Fall erster positiver Urteile (z.B. "Versäumnisurteile") mit keinem
baldigen Ende des Kampfes. Die beklagten Firmen werden voraussichtlich mit Widersprüchen
oder auch ganz einfach mit der Nichterfüllung gerichtlicher Auflagen reagieren.
Wir werden so lange gemeinsam weiterkämpfen, bis unsere Forderungen tatsächlich erfüllt sind!
Siehe auch
Poster zur Demo in größerer Auflösung
https://berlin.fau.org/bilder/demoposter-25-4-15-mall-of-shame
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