(de) Anarchistische Gruppe Freiburg - Georg Elser - Einer gegen Deutschland

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Mon Apr 13 13:22:30 CEST 2015


Heute vor 70 Jahren, am 9. April 1945, wurde Johann Georg Elser in Folge der sich 
abzeichnenden Niederlage des Deutschen Reichs im Konzentrationslager Dachau durch einen 
Genickschuss ermordet. Dem voraus gegangen war der gescheiterte Anschlag auf Adolf Hitler 
und die NS-Führungsspitze am 8. November 1939 im Bürgerbräukeller - dem Herz der 
nationalsozialistischen Bewegung - in München. Sein Versuch, sich über Konstanz in die 
Schweiz abzusetzen, scheiterte. Er wurde beim versuchten Grenzübertritt gefasst und als 
kurz darauf die Bombe in München explodierte, galt Elser schnell als Hauptverdächtiger. 
Nach wochenlangen Verhören, gekennzeichnet durch brutale Folter in den Kellern der Gestapo 
in Berlin, wurde Elser zu Beginn des Jahres 1941 in das Konzentrationslager Sachsenhausen 
verlegt - er sollte bis Kriegsende am Leben bleiben, um ihn in einem großen Schauprozess 
nach dem erwarteten "Endsieg" zu verurteilen.

Elser wollte mit seinem Attentat, das er im Alleingang geplant und durchgeführt hatte, 
einen weiteren deutschen Krieg verhindern und die Naziherrschaft beenden. Auf dieses Ziel 
hin richtete er sein gesamtes Leben aus; so nahm er Berufe in Rüstungsbetrieben und in 
einem Steinbruch an, um an das nötige Material und Wissen für den Bau seiner Bombe zu 
kommen. Im Bürgerbräukeller arbeitete er über 30 Nächte lang daran, seine Bombe in einem 
Pfeiler über dem Rednerpult zu verstecken. Diese sollte am Tag der Gedenkveranstaltung für 
den gescheiterten Hitler-Putsch explodieren und somit Hitler und weitere 
Führungspersönlichkeiten der NSDAP töten. Leider verließ Hitler den Saal dreizehn Minuten 
früher als gedacht, die Bombe tötete acht Menschen und verletzte 63 weitere. Die Führung 
der NSDAP war dem Attentat entkommen.

Georg Elser war kein Intellektueller, sondern ein einfacher Arbeiter von der schwäbischen 
Alb; er ging gelegentlich in die Kirche, war Mitglied im Trachtenverein und im Zitherclub. 
Politisch stand er den linken Arbeiterorganisationen nahe, war jedoch kein verbohrter 
Ideologe. Er wählte die KPD und war Mitglied in der Gewerkschaft. Später trat er auch dem 
Roten Frontkämpferbund bei, einer militanten Kampforganisation der KPD und Vorläufer der 
Antifaschistischen Aktion.

Nach 1945 wurde Elser öffentlich diffamiert und seine Alleintäterschaft bezweifelt. Es 
wurde einerseits weiter die NS-Propagandalüge einer britischen Verschwörung bedient oder 
andererseits behauptet, der Anschlag wäre eine Inszenierung der Nationalsozialisten 
gewesen und Elser demnach ein "Werkzeug" der NS-Führung. Elsers Tat wurde sowohl in der 
BRD wie auch in der DDR lange totgeschwiegen, erst in den 80er und 90er Jahren erfuhr sein 
Wirken eine späte Würdigung.

Wir als autonome Antifaschist*innen gedenken Georg Elser als einem fortschrittlichen und 
freiheitlich eingestellten Menschen und verweigern uns der Vereinnahmung durch das 
bürgerliche Gedenken der breiten Öffentlichkeit, die Georg Elser seit einigen Jahren in 
eine Reihe mit sogenannten "bürgerlichen Widerstandskämpfern" wie Claus Schenk Graf von 
Stauffenberg oder Erwin Rommel zu stellen versucht. Im Gegensatz zu den Attentätern des 
20. Juli 1944 hätte Elsers Attentat den Krieg vermutlich beenden können und zwar zu einem 
Zeitpunkt, an dem der Krieg noch nicht sein gesamtes verheerendes Ausmaß erreicht und der 
Massenmord an den europäischen Juden und Jüdinnen, an Sinti, Roma, Homosexuellen, 
Geistlichen, Menschen mit Behinderung und politisch Andersdenkenden noch in seiner 
Anfangsphase gestoppt werden hätte können.

Dies bleibt natürlich Spekulation, allerdings ist festzuhalten, dass im Jahr 1944 diese 
massenhaften Morde schon mehrere Millionen Opfer gefordert hatten und die Attentäter vom 
20. Juli nicht aufgrund der unermesslichen Barbarei des Krieges und der Vernichtung 
handelten, sondern vielmehr aus Sorge um ihre Nation Deutschland. Elser hingegen trat als 
Person auf, die einzig und allein den Krieg verhindern und das von ihm hellsichtig 
erkannte Unheil frühzeitig stoppen wollte, ungeachtet der Gefahren für sein eigenes Leben.
Mit seinem einsamen Entschluss, den Führer des Deutschen Reiches samt des ihm zujubelnden 
faschistischen Mobs in die Luft zu sprengen, verweigerte er sich der deutschen 
Volksgemeinschaft und sagte dem Kollektiv der Mörder im Namen der Freiheit des Individuums 
den Kampf an. Er widerlegte praktisch die Ausflucht all derer, die mitgemacht oder bloß 
geschwiegen haben: Dass man doch nichts hätte tun können. Sein militanter Antifaschismus, 
der sich im Angesicht der Barbarei um "demokratische Legitimation" nicht scherte, ist für 
uns in unserem heutigen Kampf gegen den Faschismus und seine Ursachen immer noch vorbildhaft.

In Erinnerung an Georg Elser.

Nie wieder Faschismus - Nie wieder Deutschland!

  - Anarchistische Gruppe Freiburg (April 2015)

http://www.ag-freiburg.org/cms/texte/georg-elser-einer-gegen-deutschland


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