(de) FdA-IFA - Gai Dào #51 - Kritik an den Ausführungen von Hyman Roth Von: Ein Alt-Anarchist in der FdA

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Sun Apr 5 10:15:48 CEST 2015


"In der "Gai Dao" #48 antwortete mal wieder ein Alt-Anarchist auf Kritik der "GgKN", die 
ihm vorher schon geantwortet hatten. Das ist schon mal gut, weil längere inhaltliche 
Debatten ein rares Gut im Spektrum sind, das sich anarchistisch nennt. Diesmal führt der 
Alt-Anarchist eine ganze Reihe neuer Themen in die Debatte ein. Man könnte ihm fast 
Gegenstandwechsel vorwerfen, aber stattdessen möchte ich hier seine Thesen zu einigen 
Fragen kritisieren, die mit dem eigentlichen Gegenstand der Debatte - dem Nationalismus - 
nicht direkt verknüpft sind." ---- In der Gai Dao #48 antwortet der Alt-Anarchist auf 
seine Kritiker*innen in der Redaktion der Gai Dao sowie in den Gruppen gegen Nation und 
Kapital. Da in der Gai Dao diese Diskussion nicht dokumentiert wurde, erscheint der 
Beitrag des Alt-Anarchisten wie ein Gegenstandswechsel.

"Die Menschenwürde ist für den Alt-Anarchisten ein hinterfragbarer Wert."

Die Menschenwürde ist für den Alt-Anarchisten kein hinterfragbarer Wert. Sie ist jedem 
Menschen gegeben durch die Tatsache, dass ihm der Anarchismus die Chance zur 
Selbstverwirklichung, zur Empörung und zum Überschreiten von Grenzen einräumt und davon 
ausgeht, dass jeder lebendige Mensch über kurz oder lang diese Chance nutzen wird - ohne 
die Freiheit anderer Menschen einzuschränken, ihrerseits ihre Chance zur 
Selbstverwirklichung zu nutzen. Die Menschenwürde ist für den Alt-Anarchisten und viele 
weitere Genoss*innen kein lebensfernes Ideal und nicht geknüpft an angewendete oder nicht 
angewendete Verfassungen, sondern tägliche Praxis des Respektes allen anderen lebendigen 
Menschen gegenüber - solange diese nicht auf Macht und Herrschaft anderen Menschen 
gegenüber aus sind.

"Menschenwürde ist schon etwas, was durchgesetzt gehört, aber der Staat sei ein falsches 
Mittel dafür - so die Logik von Alt-Anarchisten. Was kann oder soll Menschenwürde 
eigentlich sein, und wie kommt sie in die Welt? Das jeder Mensch Nahrung, Kleidung und ein 
Dach über dem Kopf braucht, reicht anscheinend nicht als Grund, diese Dinge auch zur 
Verfügung zu stellen."

Menschenwürde erschöpft sich für den Alt-Anarchisten nicht darin, materiell abgesichert zu 
leben, sondern sie schließt den Respekt der Selbstbestimmung jedes Menschen ein; als 
Anarchist*innen sind wir aufgefordert, jede auch noch so abwegige menschliche 
Selbstbestimmung zu respektieren, solange diese nicht auf Übergriffe in die 
Selbstbestimmung anderer Menschen hinaus geht.

Materielle Absicherung ist ein Herrschaftsmittel, wenn sie von den Menschen nicht 
gewünscht wird; Selbstbestimmung schließt das Recht ein, in der eigenen 
Selbstverwirklichung zu scheitern. Daher kann der Anarchismus nur die Chance zur 
Selbstverwirklichung einräumen und muss das zur Verfügung stellen von Nahrung, Kleidung 
und ein Dach über den Kopf daran knüpfen, dass die dieser Dinge Bedürftigen der Hilfe auch 
zustimmen. Als behinderter Mensch kennt der Alt-Anarchist die Fremdbestimmung durch 
Hilfswillige zur Genüge, die einem ohne zu fragen ihre Hilfe aufdrängen, wenn man sich 
vorgenommen hat, etwas aus eigener Kraft und Geschicklichkeit zu tun.

Der Alt-Anarchist und viele weitere Genoss*innen schreiben den anderen Menschen keine 
Würde zu, sondern erkennen und anerkennen diese durch die Tatsache, dass es sich beim 
Gegenüber um lebendige menschliche Wesen wie sie selber handelt, die unser aller Dasein 
bereichern. Ein Leben im gegenseitigen menschlichem Respekt kann man heute u.a. unter den 
Inuit auf Grönland erleben, bei den Maya in Chiapas oder bei weitgehend traditionell 
lebenden Sioux.

Um jetzt gleich der Kritik den Wind aus den Segeln zu nehmen: Auch unter den Inuit auf 
Grönland, den Maya oder traditionellen Sioux gibt es Konflikte und Probleme, weil es eine 
konfliktfreie, lebendige Gesellschaft nicht gibt. Hier fehlt es dem Herrn Hyman Roth ganz 
offensichtlich an Erfahrung anderer Kulturen und Lebensformen, weshalb er dem 
Alt-Anarchisten unterstellt, seine Praxis auf "ausgedachte Ideale" und "normatives Denken" 
zu stützen.


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